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WLAN im Wartezimmer: Facebook und Twitter statt Lesezirkel

Dtsch Arztebl 2018; 115(8): A-348 / B-296 / C-296

Czeschik, Christina

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Was muss man beachten, wenn man in der Arztpraxis zusätzlich ein öffentliches Patienten-WLAN zur Verfügung stellen will?

Foto: and.one/stock.adobe.com
Foto: and.one/stock.adobe.com

Viele Praxen und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens weisen Patientinnen und Patienten mittels Hinweisschildern oder mündlich darauf hin, dass während der Arzt- und anderen Mitarbeiterkontakte die Benutzung eines Smartphones unerwünscht ist. Derartige Nebenbeschäftigungen der Patienten stören den reibungslosen Praxisablauf und gefährden die Privatsphäre der anderen Patienten. Im Wartezimmer kann das anders sein: Viele Patienten möchten auch beim Warten auf ihren Termin die Annehmlichkeiten eines mobilen Internetzugangs nicht missen. Sie nutzen das Internet während der Wartezeit über die Datenvolumen ihres Mobilfunkvertrags.

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Für eine Patientin, die Nachrichtenseiten studieren oder ihre E-Mails beantworten kann, vergeht zudem auch eine längere Wartezeit womöglich schneller, und das Personal an der Anmeldung kann seiner Arbeit ungestört nachgehen, statt sich mit Beschwerden zu befassen und Wartende zu beschwichtigen.

WLAN-Gastzugang als Patientenservice

Was Hotels, Cafés und Krankenhäuser schon lange als zusätzlichen Service anbieten, wird daher zunehmend auch für Arztpraxen interessant: ein WLAN-(Wireless Local Area Network-)Gastzugang für Patienten, also die Möglichkeit, über einen drahtlosen Zugang der Praxis ins Internet zu gehen. Viele Patienten haben zwar ein mobiles Datenvolumen über ihren Mobilfunkvertrag – je nach Lage der Praxis kann der Empfang im Wartezimmer aber unzureichend sein. Zudem ist die Nutzung eines WLAN für Patienten kostenlos, während das eigene Datenvolumen sich möglicherweise in der monatlichen Rechnung niederschlägt.

Wenn in der Praxis bereits ein WLAN vorhanden ist, beispielsweise für die Vernetzung von Medizingeräten oder die drahtlose Protokollierung während Untersuchungen, ist die Versuchung groß, den einfachsten Weg zu wählen und die Patienten über dieses WLAN auf das Internet zugreifen zu lassen.

Dies ist jedoch unter anderem aus Gründen der Informationssicherheit und des Datenschutzes nicht empfehlenswert: Alle Geräte im Praxisnetz sollten Daten nur verschlüsselt austauschen, aber wenn dies nicht der Fall ist – beispielsweise bei älteren Geräten oder falscher Konfiguration – können diese Daten von Außenstehenden, die sich im Praxisnetz befinden, mitgelesen werden. Etwaige Sicherheitslücken im Praxisnetzwerk können von einer wesentlich größeren Personenzahl ausgenutzt werden, wenn auch Patienten Zugang haben.

Eine mögliche Lösung ist daher, ein zweites WLAN speziell für Patienten beim bisherigen Internetprovider einzurichten. Allerdings gestatten einige Betreiber es aus Angst vor Missbrauch nicht, dass der durch sie eingerichtete Netzzugang auf diese Weise der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Dies sollte rechtzeitig mit dem Provider geklärt werden.

In jedem Fall gilt: Wenn den Patienten ein WLAN-Zugang in der Arztpraxis angeboten wird, sehen alle Nutzer, die sich in dieses WLAN einloggen, auch das praxiseigene WLAN. Um zu vermeiden, dass Neugierige sich hier durch das Ausprobieren von Passwörtern oder auf andere Art und Weise Zugang verschaffen, sollte sichergestellt werden, dass das praxiseigene WLAN entsprechend dem aktuellen Standard (zurzeit WPA2) verschlüsselt und mit einem starken Passwort geschützt ist (zum Thema starke Passwörter siehe auch http://daebl.de/DC26).

Eine Alternative sind Lösungen, die dediziert für die Nutzung durch wechselndes Publikum bestimmt sind. Es gibt in Deutschland zahlreiche kommerzielle Anbieter von sogenannten Hotspots: Dies sind dedizierte Gastzugänge, die beispielsweise Cafébetreiber ihren Gästen zur Verfügung stellen können. Einige Anbieter stellen auch spezielle Lösungen für das Gesundheitswesen zur Verfügung.

Wenn lediglich ein einfacher Hotspot für Patienten gewünscht ist, sind solche spezialisierten Lösungen nicht unbedingt notwendig; sie können aber sinnvoll sein, wenn eine Komplettlösung mit Mitarbeiter- und Patienten-WLAN und gegebenenfalls auch Zusatzoptionen wie Wartezimmer-TV oder eine zentral programmierbare digitale Anzeige vor Behandlungsräumen gewünscht werden. Einige Angebote beinhalten auch Marketing-Funktionen wie beispielsweise einen Startbildschirm, der nach Wunsch gefüllt werden kann: mit Hinweisen zur Praxisorganisation, saisonalen Informationen (Reisemedizin, Grippeimpfung) oder der Darstellung von Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL).

Bei Anbietern, die von den Patienten einen E-Mail-Login verlangen, kann der Nutzer auch gebeten werden, sein Einverständnis zum regelmäßigen Erhalt des Praxis-Newsletters (falls vorhanden) zu erteilen. Das Abfragen zu vieler persönlicher Informationen kann allerdings gegen Datenschutzgesetze verstoßen und schreckt zudem Patienten möglicherweise von der Nutzung des Angebots ab.

Bei der Werbung im Praxis-WLAN ist wie bei Offlinewerbung auch das Wettbewerbsrecht für Arztpraxen zu beachten.

Nicht kommerzieller Freifunkzugang

Eine nicht kommerzielle Alternative zu zahlungspflichtigen Hotspots in der eigenen Praxis ist ein Freifunkzugang. Bei Freifunk (https://wiki.freifunk.net) handelt es sich um eine Initiative, die in mehreren regionalen Vereinen organisiert ist und es sich zum Ziel gesetzt hat, in Deutschland einen flächendeckenden kostenfreien Internetzugang für alle Bürger zu schaffen. Betreiber eines Freifunkzugangsknotens kann jeder sein: Es wird dazu ein WLAN-Router benötigt, auf dem eine bestimmte Distribution des Betriebssystems Linux installiert wird. Im Empfangsbereich dieses Routers kann sich jeder Nutzer ohne Zugangsdaten oder Passwort ins Internet einloggen.

Die nicht kommerzielle Natur von Freifunk ist allerdings auch dessen Nachteil: Bei Beeinträchtigungen des Internetzugangs, zu denen es aufgrund von Änderungen der Konfiguration oder anderer Faktoren nicht selten kommt, gibt es keinen Support oder Kundendienst, der zur Reparatur angefordert werden kann. Der Betreiber des jeweiligen Freifunkknotens ist selbst verantwortlich.

Weder der Betrieb eines Freifunkknotens noch der eines normalen Hotspots eines kommerziellen Anbieters muss der Bundesnetzagentur gemeldet werden, vorausgesetzt, es handelt sich um „spontane, meist kurzzeitige Nutzung“, wie es im Wartezimmer normalerweise der Fall sein dürfte. Dr. med. Christina Czeschik

Hintergrund WLAN

  • Moderne Medizingeräte werden durch ein WLAN in der Praxis nicht in ihrer Funktion gestört. Bei älteren Geräten sollte im Zweifelsfall Rücksprache mit dem Hersteller gehalten werden.
  • In städtischen Regionen, insbesondere in Geschäfts- und Mehrfamilienhäusern, wird die Praxis aber auch ohne eigenes WLAN ohnehin im Empfangsgebiet von mehreren bis mehreren Dutzend fremden WLAN-Netzen liegen, ohne dass hierdurch Funktionsstörungen medizinischer Geräte auftreten.
  • Es ist nicht empfehlenswert, Patienten Zugang zum Mitarbeiter-WLAN zu gewähren, beispielsweise durch Aushängen des Passwortes. Die Informationssicherheit, der Datenschutz sowie der störungsfreie Betrieb der Praxis werden hierdurch gefährdet.
  • Bei Nutzung des Internets per Mobilfunk durch die Patienten im Rahmen ihrer eigenen Mobilfunkverträge ist der Praxisinhaber nicht für die Inhalte verantwortlich.
  • Aber auch der Betreiber eines WLAN, beispielsweise der Praxisinhaber, ist seit der Neuregelung des Telemediengesetzes im Juni 2017 nicht mehr pauschal für Gesetzesüberschreitungen (zum Beispiel Urheberrechtsverletzungen) verantwortlich, die über dieses Netz stattfinden. Das gilt auch, wenn er sein Netz nicht passwortgeschützt hat.
  • Wenn ein Eigentümer von urheberrechtlich geschützten Inhalten jedoch mehrfache Rechteverletzungen aus diesem Netz feststellt, darf er verlangen, dass aus dem Netz der Zugang auf bestimmte Seiten (zum Beispiel Tauschbörsen) gesperrt wird.

Weiterführende Literatur:

http://daebl.de/FG29

http://daebl.de/FG29

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