SucheTrefferlisteMorbus Sudeck: Beim Chirurgen gut aufgehoben
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1. Eine Behandlung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) durch einen Schmerztherapeuten ist weder essenziell noch obligat. Hand-CRPS-Patienten sind u. a. auch in handchirurgisch geleiteten Reha-Einrichtungen bestens aufgehoben. Das Konzept der dosierten aktiven Bewegung unter Inkaufnahme gewisser Schmerzen – auch bereits in einem frühen Stadium – wird von handchirurgischer Seite seit jeher favorisiert. Natürlich: Es spricht überhaupt nichts dagegen, bei einem CRPS mit einem Schmerztherapeuten zusammenzuarbeiten. Aber: Das CRPS ist in der Regel Komplikation einer Verletzung oder „chirurgischen“ Krankheit; es gehört zum chirurgischen Selbstverständnis, grundsätzlich auch die Komplikationen des eigenen Tuns sachgerecht therapieren zu können.

2. Beim CRPS sollte, soweit möglich, die funktionelle Therapie im Vordergrund stehen. Mit Pharmakotherapie ist das sinnvoll zu ergänzen.

3. Die Spiegeltherapie wird in dem Artikel weit überbewertet. In hiesiger handchirurgischer Reha ist die Spiegeltherapie seit über zehn Jahren eine Therapieoption: Bei einzelnen Patienten gibt es positive Effekte, bei vielen leider aber auch nicht. Die im Artikel genannten Literaturstellen beziehen sich nicht auf einen Wirksamkeitsnachweis der Spiegeltherapie beim CRPS

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4. Die sogenannten „Budapest-Kriterien“ zur Diagnostik des CRPS sind in der klinischen Anwendung alles andere als eindeutig. Sie bieten einen gewissen Orientierungsrahmen, mehr bieten sie nicht. In der klinischen Praxis gibt es durchaus Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen einem CRPS einerseits und z. B. einer artifiziellen Störung oder einem Immobilisationsschaden mit leichter vegetativen Stigmatisierung andererseits. Für die Primärtherapie ist dieFrage, ob ein CRPS vorliegt oder nich, aber nachrangig. Viel wichtiger ist an dieser Stelle statt zeitraubender differenzialdiagnostischer Erwägungen der rasche Beginn einer umfassenden sachgerechten symptomorientierten Therapie (funktionell: Ergo- und Physiotherapie, physikalische Therapie, u. a. Lymphdrainage und Kompression, zusätzlich medikamentöse Therapie wie im Artikel dargestellt). An eine zugrunde liegende artifizielle Störung ist in besonderen Einzelfällen zu denken; Diagnostik und Therapie der artifiziellen Störung sind außerordentlich anspruchsvoll und überschreiten die Zuständigkeit des Fachgebiets Chirurgie/Unfallheilkunde.

5. Dem Autor ist uneingeschränkt zuzustimmen, wenn er darauf hinweist, invasive Maßnahmen wie Plexuskatheter, Sympathikusblockaden, SCS-Sonden usw. möglichst zu unterlassen. Auch der bio-psycho-soziale Therapieansatz sollte heute Standard sein

6. Die Evidenzlage für die vielen empfohlenen Therapieelemente ist nicht gut, deshalb sollte die Therapie dort stattfinden, wo viel Erfahrung mit dem Krankheitsbild besteht und eine langfristige Betreuung, zum Teil über Jahre, möglich ist.

Dr. med. Burkhard Heitmann, 47249 Duisburg

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