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ICD-10: WHO stellt neuen Diagnoseschlüssel vor

Dtsch Arztebl 2018; 115(26): A-1278 / B-1076 / C-1068

Meyer, Rüdiger; Hillienhof, Arne

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Foto: WHO
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Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat einen Entwurf für die neue elfte Version ihres Klassifikationssystems für medizinische Diagnosen ( ICD) vorgestellt.

Die ICD wird rund 55 000 Codes für Verletzungen, Krankheiten und Todesursachen enthalten. Zu den Neuerungen gehört eine Angleichung der Angaben zu Antibiotika-Resistenzen an das „Antimicrobial Resistance Surveillance System“. Es gibt zudem eine neue Abteilung für „traditionelle medizinische Störungen“ und für Störungen der sexuellen Gesundheit. Dazu gehören neben Libido- und anderen sexuellen Funktionsstörungen auch Geschlechtsidentitätsstörungen.

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Für Aufregung sorgte im Vorfeld die Aufnahme der Spielstörung („gaming disorder“) in den ICD-11-Katalog. So warnte der Psychologe Andy Przybylski von der Universität Oxford in einem offenen Brief mit rund 30 Kollegen: „Es besteht das Risiko, dass solche Diagnosen missbraucht werden“, schrieben sie. Geprüft werden müsse, ob bei exzessiv spielenden Patienten nicht eher zugrunde liegende Probleme wie Depression oder soziale Angststörungen behandelt werden müssten.

Vladimir Poznyak vom WHO-Programm Suchtmittelmissbrauch sieht das anders. „Es gibt klare Grenzen zwischen normalem Spielen und Spielsucht“, sagte er. Im ICD-11 würden drei Kriterien genannt: entgleitende Kontrolle etwa bei Häufigkeit und Dauer des Spielens, wachsende Priorität des Spielens vor anderen Aktivitäten und Weitermachen auch bei negativen Konsequenzen.

Definiert wird Spielstörung als ein „Muster anhaltenden oder wiederkehrenden Spielverhaltens“, das online oder offline erfolgen kann. Gekennzeichnet ist die Spielstörung erstens durch eine „beeinträchtigte Kontrolle über Beginn, Häufigkeit, Intensität, Dauer, Beendigung und Kontext des Spielens“, zweitens durch eine zunehmende Priorität für das Spielen in einem Maße, dass das Spielen „Vorrang vor anderen Lebensinteressen und täglichen Aktivitäten“ gewinnt und drittens durch die Fortsetzung oder Eskalation des Spielens trotz des Auftretens von negativen Folgen. Die ICD-11 soll im nächsten Jahr auf der Weltgesundheitsversammlung verabschiedet und offiziell ab Januar 2022 gelten. rme/hil

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