SucheTrefferlistePlattenepithel- und Basalzellkarzinome: Diuretikum steigert Hautkrebsrisiko dosisabhängig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Plattenepithel- und Basalzellkarzinome: Diuretikum steigert Hautkrebsrisiko dosisabhängig

Dtsch Arztebl 2018; 115(29-30): A-1389 / B-1170 / C-1162

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
Foto: Karramba Production / stock.adobe.com

Hydrochlorothiazid (HCT) zählt zu den am häufigsten verordneten blutdrucksenkenden und diuretischen Arzneimitteln. Dass der Wirkstoff die Fotosensibilisierung der Haut erhöhen kann, ist seit Langem bekannt. Dänische Forscher haben nun einen Zusammenhang zwischen der Langzeittherapie mit dem Diuretikum und der Entstehung von Plattenepithel-(SCC-) und Basalzell-(BCC-)Karzinomen hergestellt.

Die Wissenschaftler nutzen Daten aus 5 landesweiten Datenquellen. Aus dem dänischen Krebsregister wurden Patienten identifiziert, die in den Jahren 2004–2012 an nichtmelanozytärem Hautkrebs (NMSC) erkrankten. Die Studienpopulation schloss etwa 71 500 Patienten mit BCC und mehr als 8 600 Patienten mit SCC ein. Außerdem wurden die Verordnungsmengen von HCT von 1995–2012 in Dänemark berücksichtigt.

Die Forscher konnten einen Zusammenhang zwischen dem Karzinomrisiko und der HCT-Dosis herstellen. Eine kumulative Dosis von mindestens 50 g HCT war mit 1,29-fach (BCC) beziehungsweise 3,98-fach erhöhten Risiken (cSCC) assoziiert. Bei mindestens 200 g HCT waren es sogar 1,54-fach (BCC) und 7,38-fach (cSCC) höhere Risiken. Bezogen auf ihre Kohorte hat Sidsel Arnspang Pedersen errechnet, dass 9,0 % aller cSCC und 0,6 % aller BCC auf die HCT-Exposition zurückzuführen sind, was für die klinische Relevanz spricht.

Die Malignome waren vor allem an sonnenexponierten Hautstellen, insbesondere der unteren Gliedmaßen, lokalisiert. Die Forscher konnten keinen Zusammenhang zwischen der Entstehung von weißem Hautkrebs und anderen Diuretika oder Blutdrucksenkern ermitteln. So gibt es kein erhöhtes Risiko unter Kalziumantagonisten, Furosemid, Indapamid, Nifedipin, Angitensin-II-Rezeptorantagonisten oder ACE-Hemmern.

Fazit: Wie bei jeder Kohortenstudie kann lediglich eine Assoziation, aber keine Kausalität bewiesen werden. Allerdings mit 71 533 BCC- und 8 629 cSCC-Fällen ist die Kohorte recht groß. Als Einschränkung erwähnt Erstautorin Sidsel Arnspang Pedersen fehlende Informationen zur Sonnenexposition. Daten aus der Pathologie zur Aggressivität der Neoplasien hatte sie ebenfalls nicht. Trotz aller offenen Fragen rät Pedersen, Patienten, die HCT einnehmen, regelmäßig auf Hautkrebs zu screenen. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Pedersen SA, et al.: Hydrochlorothiazide use and risk of Merkel cell carcinoma and malignant adnexal skin tumors: A nationwide case-control study. Journal of the American Academy of Dermatology 2018. DOI: https://doi.org/10.1016/j.jaad.2018.06.014.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

havaube
am Mittwoch, 25. Juli 2018, 16:55

Zahlen um Faktor 1.000 zu niedrig zitiert

Die kumulativen Dosen von HCT wurden mit dem Faktor 1.000 zu niedrig angegeben. Im Original heißt es: "The adjusted ORs for MCC and MAST associated with high use (≥50,000 mg) of hydrochlorothiazide was 2.3 (95% CI, 1.1-4.8) and 3.6 (95% CI, 1.9-7.0), respectively, increasing to 3.3 (95% CI 1.3-8.3) and 5.6 (95% CI 2.4-13.3) with highest use (≥100,000mg). We found no increase in risk of the tumors in analyses of drugs with similar indications as hydrochlorothiazide, except a tendency toward an increased risk of MCC associated with use of furosemide (OR 1.9, 95% CI 0.9-4.0)."
Themen:

Zum Artikel

Fachgebiet

Fachgebiet

Weitere...

Anzeige