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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Präoperative Anämie und Eisenmangel: Auch eine kurzfristige Single-Shot-Therapie senkt die Transfusionsrate

Dtsch Arztebl 2019; 116(26): A-1281 / B-1055 / C-1043

Vetter, Christine

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Foto: Kativ/Getty Images/iStockphoto
Foto: Kativ/Getty Images/iStockphoto

Viele Patienten, bei denen eine Herzoperation geplant ist, haben eine Anämie durch Eisenmangel. Ob sich durch eine direkt präoperative Therapie die perioperative Transfusionsrate von Erythrozytenkonzentraten mindern lässt, hat eine randomisierte Doppelblindstudie untersucht. 253 Teilnehmer hatten eine Anämie (Hb-Wert < 120 g/L bei Frauen und < 130g/L bei Männern) und 252 Patienten einen isolierten Eisenmangel (Ferritin < 100 mcg/L). Sie erhielten am Tag vor der OP eine kombinierte Therapie aus einer langsamen Infusion von 20 mg/kg Eisencarboxymaltose, 40 000 Einheiten Erythropoietin α s.c., 1 mg Vitamin B12 s.c. und 5 mg Folsäure oral oder Placebo.

Die Transfusionsrate, primärer Endpunkt, wurde durch die Verumtherapie in den ersten 7 Tagen postoperativ signifikant gemindert (Odds Ratio: 0,70; 95-%-Konfidenzintervall: 0,50; 0,98; p = 0,036) und war für 90 Tage signifikant niedriger (p = 0,018). Obwohl seltener eine Transfusion erfolgte, resultierte eine höhere Zahl an Retikulozyten und auch ein höherer Retikulozyten-Hämoglobingehalt in den ersten 7 Tagen (p ≤ 0,001).

In der Verumgruppe war außerdem seltener eine allogene Transfusion erforderlich als in der Kontrollgruppe, sowohl in den ersten 7 Tagen (p = 0,038), als auch bis zum 90. Tag postoperativ (p = 0,019). Ernste Nebenwirkungen traten in der Studie bei 30 % in der Therapiegruppe auf und bei 33 % in der Placebogruppe.

Fazit: „Die Studie belegt, dass eine kurzfristige Behandlung einer Anämie oder eines Eisenmangels vor einer Herzoperation die Transfusionsrate wahrscheinlich senkt. Dies ist in der Herzchirurgie von besonderer Bedeutung, weil die Patienten nach ersten Symptomen heutzutage sehr schnell operiert werden“, kommentiert Prof. Dr. med. Kai Zacharowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Bemerkenswert sei, dass die Verringerung der Transfusionsrate bis 90 Tage nach der Operation Bestand hatte. „Bei anderen Operationen ist eine frühere Therapie immer noch vorteilhaft und wünschenswert, weil sich dadurch die Hämoglobinkonzentration vor der Operation auf normale Werte anheben lässt, was die Transfusionsrate weiter senkt. Die aktuelle Studie ist dennoch ein Meilenstein für das ‚Patient Blood Management‘ und sie zeigt, dass es nie zu spät ist, eine Anämie oder einen Eisenmangel vor einer Operation zu behandeln.“ Christine Vetter

Spahn DR, et al.:Effect of ultra-short-term treatment of patients with iron deficiency or anaemia undergoing cardiac surgery. Lancet 2019. http://daebl.de/AL52.

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