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Medizin

Chagas-Kardio­myopathie: Kardiologen warnen vor Tropenerkrankung in Nordamerika und Europa

Mittwoch, 22. August 2018

Trypanosoma cruzi (Mikroaufnahme 252:1) /dpa

Belo Horizonte/Brasilien – Die Kardiomyopathie, die ein Drittel aller Mensch mit chronischer Chagas-Krankheit entwickelt, wird zunehmend auch außerhalb von Süd- und Mittelamerika diagnostiziert und vermutlich noch häufiger übersehen, heißt es in einer Übersicht der American Heart Association in Circulation (2018; 0: CIR.0000000000000599).

Vermutlich 6 Millionen Menschen leiden an einer Chagas-Krankheit. Die hierzulande nahezu unbekannte Infektion wird durch Trypanosoma cruzi ausgelöst, einem einzelligen Parasiten, der sich innerhalb von Zellen vermehrt. Die meisten Menschen infizieren sich in Mittel- und Südamerika (und einigen Südstaaten der USA), wo Raubwanzen der Unterfamilie Triatominae verbreitet sind. Die Parasiten sind im Kot der Insekten enthalten und können bei einem Biss in die Haut gelangen. Die Parasiten können jedoch auch über die Schleimhaut der Augen sowie beim Verzehr von kontaminierten Speisen über den Magen-Darm-Trakt in den Körper gelangen.

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Zunächst kommt es zu einer akuten Erkrankung mit diffuser Vergrößerung von Lymphknoten, Leber und Milz, die jedoch selten diagnostiziert wird. Nach dem Abklingen der akuten Symptome überleben vereinzelte Parasiten im Darm und im Herzmuskel. Die Beschädigungen im Darm, etwa ein Megakolon infolge einer Zerstörung des Plexus myentericus, halten sich meist in Grenzen. Der Befall des Herzmuskels kann jedoch fatale Folgen haben. Etwa 5 bis 15 Jahre nach der akuten Infektion kommt es zu einer Kardiomyopathie mit Vergrößerung aller 4 Herzkammern, die häufig tödlich endet.

Die Mehrzahl der Patienten mit Chagas-Krankheit leben weiterhin in Südamerika, Mittelamerika und Mexiko. Die Migrationsströme der letzten Jahrzehnte haben jedoch dazu geführt, dass die Chagas-Kardiomyopathie auch in anderen Teilen der Erde beobachtet wird. Allein in den USA sollen 300.000 Menschen erkrankt sein. Die zweithöchste Zahl von Infektionen außerhalb der Endemieregionen wird mit 42.000 in Spanien vermutet, das enge Beziehungen zu Lateinamerika hat. Bei Blutuntersuchung waren vor allem Migranten aus Bolivien häufig infiziert. Die Seroprävalenz betrug in dieser Gruppe 21,1 %. Von allen Migranten aus den Endemieländern hatten 5,5 % einen positiven Antikörpertest (PLOS Neglected Tropical Diseases 2012; 6: e1962). Zu den Herkunftsländern, in denen die Chagas-Krankheit verbreitet ist, gehören neben Bolivien noch Argentinien, Brasilien, El Salvador, Mexiko und Paraguay.

Blutspender aus Endemieregionen werden in Spanien seit 2005 auf Antikörper gegen T. cruzi getestet. Da die Parasiten von der Mutter auf das Kind übertragen werden, kann auch die zweite Generation von Migranten erkranken. Die Chagas-Krankheit wurde auch bei Migranten in Großbritannien, Italien, Frankreich und der Schweiz gefunden, bisher aber noch nicht in Deutschland.

Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da die Chagas-Kardiomyopathie von anderen Herzkrankheiten nur schwer zu unterscheiden ist. Laut der American Heart Association kann es neben einer Herzvergrößerung (dilatative Kardiomyopathie) zu verschiedenen Herzrhythmusstörungen, zu Aneurysmen der Herzkammer und zu thromboembolischen Komplikationen kommen. Einen eindeutigen pathognomischen Befund gibt es nicht. Die Diagnose kann bei Verdacht durch einen Antikörpertest und bei einer akuten Infektion (die aber in Europa extrem unwahrscheinlich ist) mit einem PCR-Test gestellt werden (der aber in Europa kaum verfügbar ist).

Das Team um Pereira Nunes von der Universidade Federal de Minas Gerais in Belo Horizonte/Brasilien rät seinen nordamerikanischen und europäischen Kollegen, an die Möglichkeit einer Chagas-Kardiomyopathie zu denken, wenn ihre Patienten in endemischen Zonen geboren wurden oder längere Zeit dort gelebt haben oder wenn die Mutter aus der endemischen Zone kommt. Auch (Abenteuer)-Touristen, die sich fern der Städte längere Zeit in den endemischen Zonen aufhalten, können sich infizieren. Ferner gehören Menschen aus bestimmten ländlichen Gebieten in Florida, Kalifornien und Texas zu den Risikopersonen. © rme/aerzteblatt.de

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