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Medizin

Probiotika verändern Kohlenhydrat­stoffwechsel

Donnerstag, 27. Oktober 2011

St. Louis – Probiotika wirken möglicherweise anders als bisher angenommen. Ein Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora war in einer Studie in Science Translational Medicine (2011; 3: 106ra106) nicht nachweisbar. Die Vorverdauung von Kohlenhydraten im Darm wurde jedoch modifiziert.

Probiotika, die als Joghurt angeboten werden, enthalten lebende Bakterienkulturen. Die Bakterien sollen, so eine gängige Theorie, unbeschädigt von Magensäure und Verdauungsenzymen in den Dickdarm gelangen und dort die Zusammensetzung der Darmflora verändern.

Dies ist angesichts eines krassen Missverhältnisses von wenigen Milliarden Bakterien im Joghurt-Becher zu Abertrillionen Bakterien im Darm eine kühne Idee – die sich jetzt in einer experimentellen Studie auch nicht bestätigen ließ.

An der Studie beteiligten sich sieben weibliche Zwillingspaare, von denen ein Geschwister über 7 Wochen jeweils zwei probiotische Joghurts pro Tag verzehrte. Das Präparat enthielt fünf verschiedene Bakterienarten.

Der Mikrobiologe Nathan McNulty von der Washington University in St. Louis/Missouri untersuchte Stuhlproben der Teilnehmerinnen und ihrer Geschwister vier Wochen vor, während und vier Wochen nach der Interventionsphase. Sein Ergebnis: Die Joghurts hatten eigentlich keinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora.

Ein ähnliches Ergebnis lieferten Experimente mit gnotobiotischen Mäusen. Diese Tiere wurden unter sterilen Bedingungen aufgezogen. Ihr Darm wurde dann kontrolliert mit 15 Bewohnern der menschlichen Darmflora besiedelt.

Es handelte sich um Bakterien, deren Gene bekannt sind, so dass jede Veränderung der Darmflora durch die probiotischen Bakterien nachgewiesen werden konnte. Die Veränderungen waren laut McNulty jedoch minimal und sicherlich keine Erklärung für die postulierten Wirkungen der Probiotika.

Auf der Ebene der RNA und und in den massenspektrometrischen Untersuchungen des Urins – über den vom Darm resorbierte Metabolite der Darmbakterien ausgeschieden werden – konnte McNulty dann aber doch Auswirkungen der Probiotika nachweisen.

Danach beeinflussen die Probiotika die Fermentation komplexer Kohlenhydrate (Xylooligosaccharide), die erst von den Darmbakterien aufgeschlossen werden müssen, bevor sie resorbiert werden können. Untersuchungen bei den Zwillingspaaren zeigten, dass es dort zu ähnlichen Veränderungen im Kohlenhydratstoffwechsel gekommen war.

Die Studie wurde vom National Institutes of Health und der Firma Danone gesponsert. Für den Hersteller von probiotischen Joghurts mögen die Ergebnisse als Argument gelten, beim Verbraucher für den regelmäßigen Verzehr seiner Produkte zu werben. Eine klinische Wirkung lässt sich allerdings aus dieser Studie der Grundlagenforschung nicht ableiten. Dies ist nur in randomisierten klinischen Studien möglich. © rme/aerzteblatt.de

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