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Dissoziation bei Kindern und Jugendlichen: Eine Fülle von klinischen Anregungen

Naumann-Lenzen, Michael

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An der Schnittstelle von Bindungs-, Trauma- und Neuroentwicklungsforschung sind in den letzten zehn bis 15 Jahren im Bereich der biografisch früh induzierten Belastungsstörungen wesentliche Verständnisfortschritte erzielt worden. Neue diagnostische Nomenklaturen wurden aus der Taufe gehoben (zum Beispiel komplexe Traumafolgestörung oder Bindungs- und Entwicklungstraumatisierung). Den diesen Störungen zugrunde liegenden Erfahrungen ist gemein, dass sie in der Regel lebensgeschichtlich früh „gesetzt“ werden, über einen längeren Zeitraum andauern und regelhaft bei vielen Betroffenen in der Folge mit ausgedehntem dissoziativem Erleben als kompensatorischem Behelf einhergehen.

Wie kann man diese Störungsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie wirkungsvoll behandeln? Dies ruft noch immer bei den meisten große Verlegenheit hervor, da die für den Erwachsenenbereich inzwischen vorliegenden Manuale nicht einfach übertragbar sind. Insofern ist dies ein im deutschen Sprachraum lang erwartetes Buch. Vor allem in puncto klinische Detailliertheit schließt es eine Lücke, die das PITT-Manual von Krüger und Reddemann sowie der eher einen verfahrensbezogenen Überblick bietende Sammelband von Landolt und Hensel (Traumatherapie bei Kindern und Jugendlichen) gelassen hatten. Auch das wunderbare Buch von Bruce D. Perry (Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde) war eher ein Richtungsweiser vor klinisch-stationärem Hintergrund. Zu Recht spricht Karl Heinz Brisch deshalb in seinem Vorwort von einer „Pionierarbeit“. Dies betrifft zum einen die konzeptuelle Geschlossenheit und Stringenz, vor allem jedoch, dass dem Leser für alle Altersgruppen (vier bis 16 Jahre, Jungen und Mädchen) sieben ausführliche Fallverläufe unterschiedlicher Länge und in unterschiedlichen Settings vorgestellt werden.

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Sandra Wieland eröffnet das Buch mit einem gelungenen Stateof- the-Art-Überblick zur Dissoziation im Kindesalter; es folgen die sieben Fallverläufe – das Herzstück des Buches –, sehr detaillierte und zum Teil sehr berührende SchildeErrungen, die eine Fülle von klinischen Anregungen bieten. Abgerundet wird der Band durch eine Art Take-Home-Message, wiederum von Wieland, in der sie nochmals die klinisch-konzeptuellen Essentials versammelt, die in den Berichten ausbuchstabiert werden: die gemeinsamen konzeptuellen Schnittmengen der Autoren; die Frage der Stabilität der „Lernerfolge“ der Kinder; die Rolle der Eltern und der Therapeuten als Bindungspersonen; die Frage der „realen“ und der „gefühlten“ Sicherheit und der Fähigkeit zur beruhigenden Selbstregulation; der Stellenwert von Psychoedukation und aufklärender Information; das Fördern der „inneren“ Kommunikation zwischen den intrapsychischen Anteilen/ Teilpersönlichkeiten; Techniken der Traumakonfrontation und -verarbeitung; das Drei-Phasen-Modell. Das Buch ist uneingeschränkt empfehlenswert.. Michael Naumann-Lenzen

Sandra Wieland (Hrsg.): Dissoziation bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen. Klett-Cotta, Stuttgart 2014, 368 Seiten, kartoniert, 44,95 Euro

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