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Politik

COVID-19: Start der Medikamentenstudie Solidarity

Donnerstag, 9. April 2020

/Eisenhans, stock.adobe.com

Berlin − Bun­des­for­schungs­minis­terin Anja Karliczek (CDU) hat heute in Berlin offiziell den Startschuss gegeben für die deutsche Beteiligung an der Medikamentenstudie Solidarity, die von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) anlässlich der SARS-CoV-2-Pandemie ins Leben gerufen worden ist.

Es soll die Frage geklärt werden, welche bereits zugelassenen Arzneimittel gegen Mala­ria, Ebola oder HIV einen Mehrwert bei der Behandlung von COVID-19-Patienten haben könnten. Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und das Zentrum für Lun­genforschung (DZL) werden die Studie für Deutschland koordinieren. Bereits zum Starttag haben zehn deutsche Kliniken ihre Teilnahme zugesagt.

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„Überall auf der Welt und auch in Deutschland gibt es bereits Heilversuche und frühe klinische Studien, bei denen bereits bekannte Medikamente nun auch gegen COVID-19 eingesetzt werden“, sagte Karliczek. Im Moment sei die Erforschung der Wirksamkeit sol­cher Arzneimittel der Weg, der die schnellste Hilfe im Kampf gegen COVID-19 verspreche, denn ein wirksamer Impfstoff werde voraussichtlich erst Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres zur Verfügung stehen.

70 Länder haben nach Angaben von Karliczek bereits ihre Teilnahme an der WHO-Studie zugesagt. Die Ergebnisse sollen gebündelt werden, um herausfinden, welche Medika­men­te in welcher Dosierung helfen und welche Nebenwirkungen auftreten können. Das Bun­desforschungsministerium stelle für die Finanzierung der Studie in einem ersten Schritt 1,5 Millionen Euro bereit.

Nach Angabe der Infektiologin Susanne Herold, Universitätsklinikum Gießen, werden vier Medikamente beziehungsweise Kombinationen getestet: das Virostatikum Remdesivir, das Malariamedikament Chloroquin, die HIV-Kombination Lopinavir/Rito­navir und diese Kom­bination ergänzt um Beta-Interferon. Hierfür sollen international mehr als 10.000 Patien­ten eingeschlossen werden.

Endpunkte der randomisierten, Open-Label-Studie sind das Gesamtüberleben, die Dauer des Klinikaufenthaltes, die Notwendigkeit einer Sauerstoffgabe oder künstlicher Beat­mung. „Das Studiendesign ist bewusst einfach gehalten worden, um dem bereits stark beanspruchten medizinischen Personal keine zusätzlichen Dokumentations­pflichten aufzubürden“, sagte Herold.

Als besonderen Vorteil der Studie wertet Hans Georg Kräusslich, Dekan der Medizini­schen Fakultät Heidelberg, die Möglichkeit, flexibel auf kurzfristige Verände­rungen rea­gieren zu können.

„Das adaptive Design erlaubt eine Erweiterung um andere potenzielle Wirkstoffe oder auch den raschen Stopp eines Medikamentenarms, falls zu viele Nebenwirkungen beob­ach­tet werden“, so Kräusslich. Dies könne recht kurzfristig geschehen, da das Global Data and Safety Monitoring Committee der WHO parallel online die Entwicklung der Ergeb­nisse verfolge.

Antivirale Medikamente, die sofort zum Einsatz kommen könnten, würden in dieser Krise dringend benötigt. „Und doch ist es unerlässlich“, betont Kräusslich, „sie in großen klini­schen Studien auf Wirksamkeit und Sicherheit zu testen und dann die besten für eine breite Behandlung freizugeben.

Bun­des­for­schungs­minis­terin Karliczek lobte ausdrücklich den Einsatz der WHO, diese Studie in kurzer Zeit auf den Weg gebracht zu haben: „Ich bin der WHO sehr dankbar für diese wichtige Initiative. Die Corona-Pandemie ist eine globale Herausforderung. Wir müssen daher auch global reagieren. Die Welt muss von dem Virus befreit werden, nicht ein einzelnes Land. Es ist daher wichtig, dass wir gemeinsam unsere Stärken im Kampf gegen die Pandemie ausspielen.“

Rationale für die vier ausgewählten Studienarme:

  • Remdesivir wurde bereits gegen Ebola getestet, allerdings wenig erfolgreich. Der Wirkstoff hat vielversprechende Ergebnisse in Tierstudien für das Middle East Respiratory Syndrome (MERS-CoV) und das schwere akute respiratorische Syndrom (SARS) erzielt, die ebenfalls durch Coronaviren verursacht werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Remdesivir auch bei Patienten mit COVID-19 eine gewisse Wirkung haben könnte.
  • Lopinavir/Ritonavir ist eine bewährte Therapie der HIV-Infektion. Während es Hinweise aus Laborexperimenten gibt, dass diese Kombination gegen COVID-19 wirksam sein könnte, waren Studien, die bisher an COVID-19-Patienten durchgeführt wurden, nicht schlüssig.
  • Interferon beta-1a hat antivirale, antiproliferative, antitumorale und immunmodu­lie­rende Eigenschaften.
  • Chloroquin und Hydroxychloroquin werden zur Behandlung von Malaria- und Rheumakrankheiten eingesetzt. In China und Frankreich lieferten kleine Studien einige Hinweise auf einen möglichen Nutzen von Chloroquinphosphat bei der Behandlung von COVID-19. Die Ergebnisse müssen jedoch durch randomisierte Studien bestätigt werden.
© zyl/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #779032
Dr.W.schoeps@gmx.de
am Donnerstag, 9. April 2020, 18:40

Es fehlen Wikstoffe

Warum sind folgende theoretisch ebenfalls erfolgversprechende Substanzen nicht aufgenommen:
Tocilizumab > teuere Behandlung
Ivermectin > sehr preiswerte Behandlung
Wir haben doch bisher keine Therapie. Die jetzt getesteten hatten in China keinen großen Erfolg gezeigt. (Handbuch zur Prävention und Behandlung von COVID-19)
Wir brauchen jeden Strohhalm!
LNS