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Medizin

Ketogene Diät bei resistenter Epilepsie wirksam

Montag, 5. Mai 2008

London – Die ketogene Diät kann bei Kindern mit therapieresistenter Epilepsie die Zahl der Krampfanfälle deutlich senken. Dies belegt jetzt erstmals eine größere randomisierte Studie in Lancet Neurology (2008; doi: 10.1016/S1474-4422(08)70092-9). Die Diät ist jedoch schwer einzuhalten und nicht ohne Nebenwirkungen.

Die Idee, die Epilepsie durch Nahrungsentzug zu behandeln, ist alt. Schon Hippokrates beschrieb einen Patienten, dessen Anfallsleiden durch eine Nulldiät geheilt worden sei. Der völlige Verzicht auf Nahrung ist auf Dauer natürlich keine Lösung und so wurde in den 1920er-Jahren von amerikanischen Wissenschaftlern die ketogene Diät entwickelt. Sie reduziert drastisch die Zufuhr von Kohlenhydraten und simuliert für das Gehirn, das seinen Energiebedarf hauptsächlich aus Glukose deckt, einen Hungerzustand.

In diesem Zustand wird das Gehirn durch Ketonkörper ernährt. Bei der Nulldiät entstehen die Ketonkörper durch den Abbau des Fettgewebes. Bei der ketogenen Diät besteht die Quelle in einer sehr fettreichen Nahrung. Bei der traditionellen LCT-Diät (long-chain triglycerides) werden bis zu 90 Energieprozent als Fett verabreicht. Bei der MCT-Diät sind es nur 60 Prozent, da die MCT (medium-chain triglycerides) ketogener sind als die LCT. Die Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen und Durchfall treten allerdings deutlich häufiger auf.

Die Diät ist isokalorisch und die Patienten nehmen nicht ab. Sehr wohlschmeckend ist die Nahrung jedoch auf Dauer nicht. Von den 145 Kindern im Alter von zwei bis 16 Jahren, die sich an der Studie beteiligten, hielten nur 103 die ersten drei Monate durch. Es handelte sich um Patienten mit zumeist täglichen epileptischen Anfällen (sieben oder mehr pro Woche), die durch wenigstens zwei Anti-Epileptika nicht kontrolliert werden konnten.

Die Patienten wurden auf zwei Gruppen randomisiert. In einer wurde sofort mit einer ketogenen Diät begonnen, bei den anderen wurde der Beginn um drei Monate hinausgeschoben. Da die ketogene Diät bei der therapie-refraktären Epilepsie oft die einzige Behandlungsmöglichkeit ist, wäre eine echte Vergleichsgruppe ohne Therapie nicht zu vertreten gewesen. 

Doch bereits in den drei Monaten der Therapie konnte die Gruppe um Helen Cross vom Institute of Child Health am University College London die Wirkung der Therapie belegen. Die Zahl der Krampfanfälle ging um ein Drittel zurück, während sie in der Vergleichsgruppe um ein Drittel anstieg. 28 Kinder (38 Prozent) erzielten unter der ketogenen Diät eine Reduktion der Anfälle um mehr als 50 Prozent im Vergleich zu vier Patienten (sechs Prozent) in der Kontrollgruppe. Bei fünf Kindern senkte die ketogene Diät die Anfallshäufigkeit sogar um mehr als 90 Prozent, was in der Kontrollgruppe nicht erreicht wurde.

Die Diät ist jedoch nicht frei von Nebenwirkungen. Viele Kinder leiden unter Obstipation und Erbrechen. Auch ein Energiemangel und starke Hungergefühle quälen die Patienten. Deshalb kommt die Diät nur bei Patienten infrage, bei denen die Anfallshäufigkeit durch Medikamente nicht ausreichend gesenkt werden kann. Der genaue Wirkungsmechanismus der ketogenen Diät konnte aber bis heute nicht geklärt werden. © rme/aerzteblatt.de

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