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Medizin

Nikotinarme Zigaretten mindern Abhängigkeit in Studie

Freitag, 2. Oktober 2015

dpa

Pittsburgh - Die kostenlose Ausgabe von Zigaretten mit einem niedrigen Nikotingehalt hat in einer US-Studie die Zahl der gerauchten Zigaretten gesenkt, ohne dass die Raucher den Nikotinmangel durch tiefere Inhalation ausgeglichen hätten. Dies geht aus den im New England Journal of Medicine (2015; 373: 1340-1349) publizierten Ergebnissen hervor.

Rauchen ist nicht nur eine Sucht, sondern auch eine Gewohnheit. Der Raucher befriedigt nicht nur sein körperliches Verlangen nach Nikotin. Es kommt auch zu einer psychologischen Abhängigkeit, die mit den sozialen und situativen Belohnungen zusammenhängt, die das Rauchen (trotz der Isolierung in kalten Raucherecken) bietet. Es hat in den letzten Jahrzehnten bereits einen Versuch gegeben, Raucher von der Sucht zu befreien, ohne ihnen ihre Gewohnheit zu nehmen.

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Dies waren die Light-Zigaretten, die aus medizinischer Sicht ein Misserfolg waren. Light-Zigaretten enthalten den gleichen Tabak wie konventionelle Zigaretten, die Aufnahme des Nikotins wird lediglich durch Luft verdünnt, die der Raucher durch kleine Öffnungen im Filter inhaliert. Die meisten Light-Raucher haben gelernt, dass sie durch Bedecken der Luftöffnungen die Nikotinzufuhr verstärken können.

In der von der Universität Pittsburgh gesponserten P1S1-Studie (für „Project 1, Study 1“) wurden dagegen Zigaretten mit einem tatsächlich verminderten Nikotin-Gehalt ausgegeben. Die Teilnehmer konnten die Nikotinzufuhr nicht durch stärkere Inhalation, sondern durch Steigerung der Zahl oder den zusätzlichen Konsum von kommerziell erhältlichen Zigaretten erhöhen. Dies ist, wie Eric Donny von der Universität Pittsburgh und Mitarbeiter jetzt berichten, nicht geschehen.

An der Studie hatten 840 Raucher teilgenommen, die nicht die Absicht hatten, das Rauchen in nächster Zeit aufzugeben. Für die Dauer von sechs Wochen erhielten sie ihre Zigaretten kostenlos. Dies war allerdings nur bei einem Sechstel der Teilnehmer die aktuelle Lieblingsmarke. Die anderen Teilnehmer waren auf eine von fünf Gruppen gelost worden, in denen der Nikotingehalt in verschiedenen Stufen zwischen 0,4 und 15,8 mg/g Tabak betrug.

Die höchste Konzentration liegt im Bereich von kommerziell erhältlichen Zigaretten. Die niedrigen Konzentrationen liegen möglicherweise unterhalb der Schwelle, die eine Abhängigkeit auslöst. Alle Teilnehmer waren langjährige Raucher und hatten im Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit im Durchschnitt über 5 Punkte, was eine starke körperliche Abhängigkeit anzeigt.

Die Erwartung war, dass die Teilnehmer mit den Nikotin-armen Zigaretten ihre tägliche Nikotin-Zufuhr durch eine Steigerung der gerauchten Zigaretten (oder durch einen Beikonsum anderer Zigaretten) aufrechterhalten. Dies war nach den jetzt mitgeteilten Ergebnissen nicht der Fall. In der Gruppe mit einem Nikotingehalt von 2,4, 1,3 und 0,4 mg/g war die Zahl der gerauchten Zigaretten sogar um 25 Prozent niedriger als in den Gruppen mit den stärkeren Zigaretten. Diejenigen, die Zigaretten mit 5,2 mg/g Nikotin erhalten hatten, rauchten die gleiche Anzahl wie zuvor. Die wöchentlichen Urinkontrollen zeigten, dass der Nikotinkonsum insgesamt zurückgingen ist (und die Raucher die Drogen nicht auf andere Wege konsumiert hatten). Es gab sogar Hinweise, dass die nikotinarmen Zigaretten einen Rauchstopp erleichtern: Die Teilnehmer aus dem 0,4 mg/g-Arm der Studie unternahmen in den 30 Tagen nach dem Ende der Studie doppelt so häufig einen Abstinenzversuch wie die Teilnehmer, deren Zigaretten 15,8 mg/g Nikotin enthielten.

Hoffnungsvoll stimmt die Autoren auch, dass die Teilnehmer der niedrig-dosierten Ziga­retten in den Tests eine verminderte Abhängigkeit angegeben hatten. Auch die Zahl der Teilnehmer, die in den ersten 30 Tagen nach dem Ende der Studie einen Absti­nenz­versuch unternommen hatten, war mit 34,7 Prozent im 0,4 mg/g-Dosis-Arm doppelt so hoch wie im 15,8 mg/g-Dosis-Arm.

Die Autoren halten es deshalb tatsächlich für möglich, dass Zigaretten mit einem sehr niedrigen Nikotin-Gehalt die körperliche Abhängigkeit durchbrechen können. Weitere Ergebnisse werden von der laufenden P2-Studie erwartet, in an 1.250 Rauchern untersucht, ob ein sofortiger oder allmählicher Umstieg auf niedrig dosierte Zigaretten die Raucher von der Nikotinsucht befreien kann. Laufzeit der Studie ist 20 Wochen. 

Die Studienergebnisse dürften bei der Food and Drug Administration (FDA) aufmerksam verfolgt werden. Die US-Arzneibehörde hat nämlich per Gesetz die Möglichkeit erhalten, die Zigaretten wie ein Medikament zu regulieren. Dies schließt auch die Festsetzung der Dosis ein.

© rme/aerzteblatt.de

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