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Alzheimer-­Diagnose: Kennen Sie diese fünf kognitiven Kurz­tests?

  • Montag, 26. Februar 2024
  • Quelle: Lilly Deutschland GmbH

Kognitionstests wie der MoCA oder MMST können bei Verdacht auf eine kognitive Störung die Entscheidung für eine weiterführende Diagnostik unterstützen [1]. Dieser Überblick fasst wichtige Charakteristika von leitliniengerechten Kurztests mit praxisrelevanten Merkmalen für Sie zusammen.

IC Lilly Neuro B8 Abb
©iStock / AlexRaths

Kognitive Kurztests zur Erstabklärung bei Demenzverdacht

Die vor kurzem aktualisierte S3-Leitlinie Demenzen betont, dass eine „[…] zeitgerechte Diagnose die Grundlage der Behandlung und Versorgung von Menschen mit Demenz ist […]“ (Empfehlung 13). Auch im „nicht-spezialisierten Setting“ – wie im hausärztlichen Bereich oder Krankenhaus – soll es möglich sein, eine Demenz oder kognitive Störung zu erkennen. Daher empfiehlt die S3-Leitlinie (Empfehlungsgrad: ↑↑ stark) den Einsatz kognitiver Kurztests wie den Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder das Montreal Cognitive Assessment (MoCA), sofern die betroffenen Personen einverstanden sind, in den folgenden Fällen (Empfehlung 17) [1]:

  • bei selbstberichteten kognitiven Beschwerden – auch auf aktive Nachfrage

  • bei anderen Hinweisen für eine Demenz

Hohe Sensitivität und Spezifität

Die Evidenz für die Erkennung einer kognitiven Störung oder Demenz ist bei vielen Kurztests und über alle Settings hinweg hoch [1]:

  • 81 % Sensitivität

  • 89 % Spezifität

Daher können kognitive Kurztests dazu beitragen, die Symptome einer leichten kognitiven Störung (mild cognitive impairment, MCI) und die Notwendigkeit einer weiteren diagnostischen Abklärung hinsichtlich der Alzheimer-Krankheit zu bewerten [2]. Im Vergleich zu einer subjektiven ärztlichen Beurteilung können kognitive Kurztests [3,4]#

  • 9x empfindlicher bei MCI und

  • 2x empfindlicher bei leichten Formen der Alzheimer-Krankheit sein.

Diese Werte beziehen sich auf eine Studie zum Mini Cognitive Scale (Mini-Cog©) [3,4] #

Fünf Kurztests von MMST bis DemTect

Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie Demenzen nennt den MMST und das MoCA als mögliche Testmethoden [1]. Daneben stehen weitere kognitive Kurztests mit unterschiedlicher Durchführungsdauer, Sensitivität und Spezifität zur Verfügung (Tab. 1), wie diese Beispiele zeigen.

1. Mini-Mental-Status-Test (MMST)

Der MMST gehört zu den am häufigsten verwendeten kognitiven Kurztests in Deutschland [1]. Er wird als Interview durchgeführt und enthält unter anderem Fragen zur Orientierung, Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit sowie Rechenaufgaben. Diese Aspekte werden anhand einer 30-Punkte-Skala bewertet [5-7].

2. Montreal Cognitive Assessment (MoCA)

Auch beim MoCA können maximal 30 Punkte erreicht werden. Anhand von 12 Aufgaben werden acht Dimensionen überprüft. Zu den getesteten kognitiven Fähigkeiten gehören z. B. die Gedächtnisleistung und die Ausführung von Aufgaben sowie das Sprach-, Orientierungs- (Zeit und Ort) und räumliche Vorstellungsvermögen. Studiendaten zeigen, dass das MoCA in diesen Dimensionen sensitiver als der MMST ist [2-8].

3. Uhrentest

Mit den verschiedenen Versionen des Uhrentests lässt sich die Fähigkeit zur Visuokonstruktion prüfen. Er kann auch als Verlaufskontrolle eingesetzt werden. Das generelle Testkonzept sieht vor, dass die Betroffenen das Zifferblatt einer Uhr mit einer bestimmten Uhrzeit zeichnen. Das Ergebnis wird nach einem Score bewertet, dessen Skala von der jeweiligen Testversion abhängt. Die S3-Leitlinie Demenzen weist darauf hin, dass der Uhrentest nicht die diagnostische Genauigkeit eines gedächtnisbasierten Tests erreicht [1,9-11].

4. EASY

Der nonverbale EASY-Test erfordert keine Lese- oder Schreibkenntnisse. In Deutschland ist er für Menschen mit deutscher und türkischer Abstammung normiert. Der 3-teilige Test umfasst die folgenden Aufgaben: das Wiedererkennen von Figuren, einen Labyrinth-Test und einen Objekt-Symbol-Test. Es sind maximal 18 Punkte erreichbar [12,13].

5. Demenz-Detektion (DemTect)

Mit dem DemTect können verschiedene kognitive Fähigkeiten bewertet werden. Er besteht aus fünf Teilen, wobei der Schwerpunkt auf der Gedächtnisleistung liegt – zum Beispiel mithilfe von Wortlisten oder rückwärts zu wiederholender Zahlenfolgen. Es sind maximal 18 Punkte erreichbar [14].

Tab. 1: Überblick zu ausgewählten kognitiven Kurztests; Sensitivität: korrekte Identifikation von Menschen mit einer bestimmten Erkrankung; Spezifizität: korrekte Identifikation von Menschen ohne eine bestimmte Erkrankung [1,2,5-14]

Kurztest

Dauer der Durchführung

Sensitivität / Spezifizität

Score-Wert für kognitive Störung

MMST [1, 5-7]

5 – 10 Minuten

Für den Schwellenwert 24:
Sensitivität: 85 %
Spezifizität: 90 %

Empfohlener Schwellenwert für eine mögliche Demenz:
24-26 von 30 Punkten

MoCA [2, 8]

10 Minuten

Für MCI
Sensitivität: 90 %
Spezifizität: 87 %

Schwellenwert für eine mögliche MCI:
< 26 von 30 Punkten

Uhrentest [1, 9-11]

5 – 10 Minuten

Abhängig von der Testversion;
Sensitivität:
72,6 %-82 %
Spezifizität:
75,7 %-87,9 %

Abhängig von der Version des Uhrentests

EASY [12, 13]

5 Minuten

n. a.

Schwellenwert für eine vermutete kognitive Beeinträchtigung:
9-11 von 18 Punkten
Schwellenwert für eine wahrscheinliche demenzielle Symptomatik: ≤ 8 von 18 Punkten

DemTect [14]

8 – 10 Minuten

Für MCI:
Sensitivität: 80 %
Spezifität: 92 %
Für Alzheimer-Krankheit (MMST 21):
Sensitivität: 100 %
Spezifität: 92 %

Schwellenwert für MCI:
9-12 Punkte von 18 Punkten
Schwellenwert für Alzheimer-Krankheit:
≤ 8 von 18 Punkten

Kognitive Tests als Ausgangspunkt für biomarkerbasierte Diagnostik

Bei einem positiven Kognitionstest empfiehlt die S3-Leitlinie weiterführende Untersuchungen zur ätiologischen Differenzialdiagnostik: Nach einer neuropsychologischen Untersuchung und dem Ausschluss potenziell reversibler anderer Ursachen sollte eine biomarkerbasierte Diagnostik durchgeführt werden [1].

[#] In einer Studie zur Bewertung des Mini-Cog© im Vergleich zur alleinigen Beurteilung durch den Arzt

Literatur

  1. DGN e. V. & DGPPN e. V. (Hrsg.) S3-Leitlinie Demenzen, Version 5.2, 28.02.2025, verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013, Zugriff am 06.08.2025.

  2. Porsteinsson AP, et al.: Diagnosis of Early Alzheimer's Disease: Clinical Practice in 2021. J Prev Alzheimers Dis. 2021;8(3):371-386. doi: 10.14283/jpad.2021.23. PMID: 34101796.

  3. Cordell CB, et al.: Alzheimer's Association recommendations for operationalizing the detection of cognitive impairment during the Medicare Annual Wellness Visit in a primary care setting. Alzheimers Dement. 2013 Mar;9(2):141-50. doi: 10.1016/j.jalz.2012.09.011. Epub 2012 Dec 20. PMID: 23265826.

  4. Borson S, et al.: Improving identification of cognitive impairment in primary care. Int J Geriatr Psychiatry. 2006 Apr;21(4):349-55. doi: 10.1002/gps.1470. PMID: 16534774.

  5. Folstein MF, et al.: "Mini-mental state". A practical method for grading the cognitive state of patients for the clinician. J Psychiatr Res. 1975 Nov;12(3):189-98. doi: 10.1016/0022-3956(75)90026-6. PMID: 1202204.

  6. Schatz, P. (2011) Mini-Mental State Exam. In: Kreutzer, J.S., DeLuca, J., Caplan, B. (eds) Encyclopedia of Clinical Neuropsychology. Springer, New York, NY. https://doi.org/10.1007/978-0-387-79948-3_199

  7. Creavin ST, et al.: Mini-Mental State Examination (MMSE) for the detection of dementia in clinically unevaluated people aged 65 and over in community and primary care populations. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Jan 13;2016(1):CD011145. doi: 10.1002/14651858.CD011145.pub2. PMID: 26760674; PMCID: PMC8812342.

  8. Nasreddine ZS, et al.: The Montreal Cognitive Assessment, MoCA: a brief screening tool for mild cognitive impairment. J Am Geriatr Soc. 2005 Apr;53(4):695-9. doi: 10.1111/j.1532-5415.2005.53221.x. Erratum in: J Am Geriatr Soc. 2019 Sep;67(9):1991. PMID: 15817019.

  9. Shulman KI. Clock-drawing: is it the ideal cognitive screening test? Int J Geriatr Psychiatry. 2000 Jun;15(6):548-61. doi: 10.1002/1099-1166(200006)15:6<548::aid-gps242>3.0.co;2-u. PMID: 10861923.

  10. Park J, et al.: The clock drawing test: A systematic review and meta-analysis of diagnostic accuracy. J Adv Nurs. 2018 Dec;74(12):2742-2754. doi: 10.1111/jan.13810. Epub 2018 Sep 2. PMID: 30047147.

  11. Agrell B, Dehlin O. The clock-drawing test. 1998. Age Ageing. 2012 Nov;41 Suppl 3:iii41-5. doi: 10.1093/ageing/afs149. PMID: 23144287.

  12. Kalbe E, et al.: DemTect, PANDA, EASY, and MUSIC: cognitive screening tools with age correction and weighting of subtests according to their sensitivity and specificity. J Alzheimers Dis. 2013;34(4):813-34. doi: 10.3233/JAD-122128. PMID: 23313929.

  13. Kalbe E. et al.: Demenz — welcher Test kann was?. DNP. 2017;18, 32–39. https://doi.org/10.1007/s15202-017-1706-7.

  14. Kalbe E, et al.: DemTect: a new, sensitive cognitive screening test to support the diagnosis of mild cognitive impairment and early dementia. Int J Geriatr Psychiatry. 2004 Feb;19(2):136-43. doi: 10.1002/gps.1042. PMID: 14758579.

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