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Alzheimer-­Diagnostik: Vier Testbatterien im Überblick

  • Montag, 9. September 2024
  • Quelle: Lilly Deutschland GmbH

Neuropsychologische Testverfahren gehören zur leitliniengerechten (Früh)-Diagnostik demenzieller Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit [1]. Dieser Beitrag gibt einen Überblick zu häufig eingesetzten demenzspezifischen Testbatterien und stellt ausgewählte Verfahren vor.

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©iStock /FatCamera/Symbolbild mit Modellen

Umfrage zu häufig verwendeten demenzspezifischen Testbatterien

Wie sieht die klinische Praxis in der neuropsychologischen Demenzdiagnostik in deutschen Gedächtnisambulanzen aus? Dieser Frage gingen Schild et al. im Jahr 2023 mit einer Online-Befragung von 28 Zentren des Deutschen Netzwerks Gedächtnisambulanzen e. V. (DNG) nach. Sie untersuchten u. a., welche neuropsychologischen Testverfahren hierzulande am häufigsten eingesetzt werden und unterteilten sie in drei Kategorien [2]:

  • kognitive Leistungstests (orientierende Kurztests und demenzspezifische Testbatterien)

  • kognitive Leistungstests bei ausführlicher neuropsychologischer Untersuchung

  • ergänzende psychometrische Verfahren (Fragebögen, Ratings, Interviews)

Tabelle 1 zeigt die Häufigkeitsverteilung mit Blick auf demenzspezifische Testbatterien [2].

Tab. 1: Einsatz demenzspezifischer Testbatterien in den 28 befragten DNG-Zentren; modifiziert nach Schild et al. [2].

IC Lilly Neuro B23 Tab1

Leitlinienempfehlungen zu neuropsychologischen Testverfahren

Die Ergebnisse der DNG-Umfrage finden sich 1:1 in der aktuellen S3-Leitlinie Demenzen wieder [1, 2]. Deren Autorinnen und Autoren unterscheiden bei ihren Empfehlungen zur neuropsychologischen Diagnostik in zwei Versorgungsbereiche. Für das hausärztliche Setting empfehlen sie, bei selbstberichteten Beschwerden – auch auf aktive Nachfrage – oder anderen Hinweisen für eine Demenz nach Einwilligung der betroffenen Person, kognitive Kurztests zur Objektivierung einer kognitiven Störung durchzuführen (Empfehlung 17). Eine weiterführende neuropsychologische Diagnostik sollte im spezialisierten Setting durchgeführt werden. Dazu finden sich in der S3-Leitline folgende Empfehlungen [1]:

  • Bei Personen mit Verdacht auf eine leichte kognitive Störung (mild cognitive impairment, MCI) oder eine leichte Demenz empfiehlt die Leitlinie, eine neuropsychologische Diagnostik zur Erkennung und Beschreibung des kognitiven Defizits durchzuführen, auch wenn kognitive Kurztests unauffällige Befunde erbracht haben oder differenzialdiagnostische Fragestellungen beantwortet werden sollen (Empfehlung 21) [1].

  • Zur Erkennung einer Alzheimer-Krankheit im Stadium der MCI oder der leichten Demenz empfehlen die Leitlinienautorinnen und -autoren im Rahmen der neuropsychologischen Diagnostik die formalisierte Erfassung des prämorbiden Leistungsniveaus und der Alltagsfunktionalität (ADL) sowie die Untersuchung des episodischen Gedächtnisses zusammen mit anderen Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen einschließlich sprachlichen und visuell räumlichen Fähigkeiten (Empfehlung 22) [1].

Von CERAD NAB+ bis CDR: Eckdaten zu drei neuropsychologischen Testverfahren

Welche neuropsychologischen Tests werden von der S3-Leitlinie Demenzen empfohlen? Statt einer eindeutigen Antwort gibt sie eine Liste aus der DNG-Umfrage an, die mehrere Dutzende Testverfahren mit jeweils unterschiedlichen Zielsetzungen enthält [1, 2]. Die im Folgenden vorgestellten Test-Beispiele unterscheiden sich u. a. hinsichtlich des Anwendungsbereichs und der Testkomponenten (Tab. 2) [3-7].

CERAD NAB+

Consortium to Establish a Registry for Alzheimer’s Disease – Neuropsychological Assessment Battery – plus (CERAD NAB+) wurde 1986 zur Früherkennung von Symptomen der Alzheimer-Krankheit entwickelt. Die in Deutschland häufig verwendete Testbatterie ist in rund 20 Sprachen verfügbar und setzt sich aus sieben Einzeltests zusammen – darunter der Mini-Mental Status-Test [2, 3]. Mit der CERAD NAB+ lässt sich die kognitive Leistung in verschiedenen Domänen wie Erinnerung, Sprache, Praxie und Orientierung untersuchen. Die Auswertung der CERAD NAB+ ist sehr aufwändig. So lassen sich aus den Einzeltests verschiedene Scores berechnen. Außerdem hängen ihre Normwerte und damit Interpretation von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Bildungsstatus ab. Die CERAD NAB+ eignet sich für Menschen mit einer leichten bis mittelschweren Alzheimer-Krankheit und gilt in diesem Anwendungsbereich als eines der genausten Testverfahren [3].

ADAS-cog

Die „Alzheimer’s disease assessment scale – cognitive subscale (ADAS-cog)“ wurde in den 1980er-Jahren als eine von zwei Subskalen des ADAS entwickelt. Sie wird eingesetzt, um den Schweregrad der kognitiven Beeinträchtigung bei Menschen mit der Alzheimer-Krankheit festzustellen [4, 5]. Die ADAS-cog-11 besteht aus insgesamt elf Aufgaben zur Beurteilung der kognitiven Domänen Gedächtnis, Sprache und Praxie – darunter das Erinnern an Wörter, das Benennen von Objekten und Fingern, Fragen zur Orientierung, Vorstellungsvermögen, Abzeichnen geometrischer Figuren und das Befolgen von Anweisungen. Es sind Skalenwerte von 0 bis 70 möglich, wobei höhere Werte eine schlechtere kognitive Leistungsfähigkeit bedeuten [4, 5]. Neben der ADAS-cog-11 wird die ADAS-cog-13 mit zwei zusätzlichen Testdomänen verwendet, um unter anderem das Ansprechen auf Antidementiva zu untersuchen [4].

CDR

Das Clinical Dementia Rating (CDR) ist ein ergänzendes psychometrisches Verfahren zur Beurteilung der Demenzschwere auf der Basis halbstrukturierter Interviews mit der betroffenen Person sowie mit einer nahestehenden weiteren Person (Informant) [1, 6, 7]. Das CDR besteht aus sechs verschiedenen Tests für die folgenden Domänen: Gedächtnis, Orientierungsvermögen, Urteilsvermögen und Problemlösung, Leben in der Gemeinschaft, Haushalt und Hobbies, Körperpflege [6, 7]. Jeder Test wird mit einer 5-Punkte-Skala (0; 0,5; 1; 2; 3) bewertet. Dabei bedeutet „0“ keine und „3“ schwere kognitive Einschränkungen. Die Skala kann mit einem globalen Algorithmus als „CDR-GB“ oder einfacher anhand der Summen der Einzeldomänen („Sum of Boxes“, CDR-SoB) ausgewertet werden. CDR-GB ermöglicht eine bessere Schweregradeinteilung der Alzheimer-Krankheit während SoB mehr Informationen hinsichtlich der frühen Alzheimer-Krankheit bietet [7].

Tab. 2: Überblick zu ausgewählten neuropsychologischen Testverfahren [3-10]

IC Lilly Neuro B23 Tab 2 neu

Für klinische Studien: iADRS

Die Integrated Alzheimer’s Disease Rating Scale (iADRS) wird nicht in der S3-Leitlinie Demenzen erwähnt [1]. Sie ist eine Kombination der (normierten) ADAS-cog-13 und der Alzheimer’s Disease Cooperative Study-Instrumental Activities of Daily Living scale (ADCS-iADL). Die iADRS wurde für den Einsatz in klinischen Studien entwickelt, um die kognitiven und funktionellen Beeinträchtigungen in frühen symptomatischen Phasen der Alzheimer-Krankheit zu beschreiben [8-10]. Der Wertebereich reicht von 0 bis 144, wobei geringere Werte eine höhere kognitive Beeinträchtigung bedeuten [8]. Mit der iADRS lässt sich der klinische Verlauf der Alzheimer-Krankheit von der leichten kognitiven Beeinträchtigung bis zur mittelschweren Demenz erfassen [8].

Literatur

  1. DGN e. V. & DGPPN e. V. (Hrsg.) S3-Leitlinie Demenzen, Version 4.0, 8.11.2023, verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013, Zugriff am 05.08.2024

  2. Schild AK, et al.: Neuropsychologische Demenzdiagnostik: Umfrage zum klinischen Standardvorgehen im Rahmen des Deutschen Netzwerks Gedächtnisambulanzen e. V. Zeitschrift für Neuropsychologie. 2023; 34 (4): 183–202.

  3. Fillenbaum GG, Mohs R. CERAD (Consortium to Establish a Registry for Alzheimer's Disease) Neuropsychology Assessment Battery: 35 Years and Counting. J Alzheimers Dis. 2023; 93(1): 1-27. doi: 10.3233/JAD-230026. PMID: 36938738; PMCID: PMC10175144.

  4. Kueper JK, et al.: The Alzheimer's Disease Assessment Scale-Cognitive Subscale (ADAS-Cog): Modifications and Responsiveness in Pre-Dementia Populations. A Narrative Review. J Alzheimers Dis. 2018; 63(2): 423-444. doi: 10.3233/JAD-170991. PMID: 29660938; PMCID: PMC5929311.

  5. Rosen WG, et al.: A new rating scale for Alzheimer's disease. Am J Psychiatry. 1984 Nov;141(11): 1356-64. doi: 10.1176/ajp.141.11.1356. PMID: 6496779.

  6. Khan TK. Chapter 2 – Clinical Diagnosis of Alzheimer‘s Disease. 2.2.5 Clinical Dementia Rating. Biomarkers in Alzheimer‘s Disease, 2016. Kapitel 2, 27-48. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-804832-0.00002-X

  7. O'Bryant SE, et al.: Staging dementia using Clinical Dementia Rating Scale Sum of Boxes scores: a Texas Alzheimer's research consortium study. Arch Neurol. 2008 Aug;65(8):1091-5. doi: 10.1001/archneur.65.8.1091. PMID: 18695059; PMCID: PMC3409562.

  8. Wessels AM, et al.: Integrated Alzheimer's Disease Rating Scale: Clinically meaningful change estimates. Alzheimers Dement (N Y). 2022 Jun 6; 8(1): e12312. doi: 10.1002/trc2.12312. PMID: 35676941; PMCID: PMC9169866.

  9. Wessels AM, et al.: A Combined Measure of Cognition and Function for Clinical Trials: The Integrated Alzheimer's Disease Rating Scale (iADRS). J Prev Alzheimers Dis. 2015 Dec 1; 2(4): 227-241. doi: 10.14283/jpad.2015.82. PMID: 27019841; PMCID: PMC4806404.

  10. Wessels AM, et al.: The Integrated Alzheimer's Disease Rating Scale (iADRS) Findings from the EXPEDITION3 Trial. J Prev Alzheimers Dis. 2018; 5(2): 134-136. doi: 10.14283/jpad.2018.10. PMID: 29616706.

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