Alzheimer-Diagnostik: Wichtige Empfehlungen für die Lumbalpunktion
Lumbalpunktion und Liquoranalyse gehören zur leitliniengerechten Alzheimer-Diagnostik, um relevante Biomarker in vitro zu messen [1-5]. Wichtig ist, dabei standardisierte Protokolle einzuhalten [2, 3, 6-8]. Mehr erklärt dieser Beitrag mit Empfehlungen für die Praxis.

Biomarker: Paradigmenwechsel in der Alzheimer-Diagnostik
Eine Biomarker-basierte Alzheimer-Diagnostik ist wichtig, um die Krankheit frühzeitig und sicher zu erkennen [1, 9-11]. Biomarker sind die Wegbereiter für den diagnostischen Paradigmenwechsel: Weg von der ausschließlich klinischen Verdachtsdiagnose − hin zur klinischen und Biomarker-gestützten gesicherten Diagnose der Alzheimer-Krankheit [1, 9-12]. Denn mit der Kombination aus Liquor-basierten Biomarkern und klinischer Beurteilung lässt sich eine Alzheimer-Krankheit bestätigen oder ausschließen [1, 11].
S3-Leitlinie: Liquor-Biomarker richtig interpretieren
Die aktuelle S3-Leitlinie Demenzen empfiehlt eine Liquordiagnostik bei Menschen mit Demenz oder leichter kognitiver Störung [1, §]:
mit unklarer Ursache nach einer klinischen und neuropsychologischen Untersuchung und
nach dem Ausschluss potenziell reversibler Ursachen
zur ätiologischen Differenzialdiagnostik primärer Demenz-Erkrankungen – darunter die Alzheimer-Krankheit –
Dabei sollen diese drei Biomarker bestimmt werden, deren Liquor-Konzentrationen sich bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit im Vergleich zu Gesunden wie folgt verändern [1, §]:
Das Peptid Amyloid-beta 42 (Aβ42) und die Ratio Aβ42/40 ist erniedrigt.
Das phosphorylierte Tau-Protein (pTau) – meist als Threonin 181-phophorylierte Tau (pTau 181) – ist erhöht.
Das Gesamt-Tau ist erhöht.
Zum Nachweis dieser Biomarker stehen verschiedene enzymbasierte Immunoassays zur Verfügung [5].
In ihren Empfehlungen sprechen sich auch verschiedene europäische Fachgesellschaften für eine Biomarker-basierte Liquordiagnostik zum Nachweis einer β-Amyloid- und Tau-Pathologie bei Menschen mit Verdacht auf die Alzheimer-Krankheit aus [11].
Empfehlungen: So gelingt die Lumbalpunktion
Die Lumbalpunktion zur Liquorentnahme ist die Voraussetzung, um diese wichtigen Biomarker der Alzheimer-Krankheit in vitro zu messen [1-4, 8]. Dazu wird eine dünne Hohlnadel in den Subarachnoidalraum unterhalb des Rückenmarks des Lendensacks (zwischen dem 3. und 5. Lendenwirbeldornfortsatz) eingeführt. Die Punktion lässt sich im Liegen oder Sitzen sowie mit oder ohne Lokalanästhesie durchführen [2, 3, 7].
Die Lumbalpunktion gilt als minimalinvasives gut verträgliches Verfahren, bei dessen Durchführung die folgenden Empfehlungen unterstützen können [13]:
Kontraindikationen prüfen – zum Beispiel Behandlung mit Antikoagulanzien.
Risikofaktoren identifizieren – zum Beispiel eine Verkrümmung der Wirbelsäule
Atraumatische Nadel mit ≥ 22 Gauge verwenden
Mehrfachversuche (≤ 4) vermeiden
Effizient mit den Patientinnen und Patienten kommunizieren, um Sorgen und Ängste zu lindern
In Deutschland werden Lumbalpunktionen im spezialisierten Setting durchgeführt, also neurologischen Facharztpraxen oder Gedächtnisambulanzen [14-16].
Wichtig: Standardisierte Protokolle für die Lumbalpunktion
Bei der Lumbalpunktion ist es wichtig, standardisierte Protokolle strikt einzuhalten, um die Variabilität zwischen den Tests zu reduzieren und Vergleiche zwischen verschiedenen Standorten zu ermöglichen. Dazu gehört unter anderem [6-8]:
Den gleichen Röhrchentyp in allen Laboren verwenden.
Liquor ausschließlich in niedrig-bindenden Polypropylen-Röhrchen sammeln.
Röhrchen mit dem kleinsten erforderlichen Volumen verwenden und zu ≥ 50 % ihres verfügbaren Volumens füllen.
Eine nicht-traumatisierende Nadel verwenden, um das Risiko einer Blutkontamination zur verringern.
[§] Für die Empfehlung zur Biomarker-gestützten Diagnostik wurde ein Konsens von 90 % erreicht. Dagegen votierte die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) mit einem Sondervotum [1].
Literatur
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CMAT-05919