Kölner ALFie-Projekt bringt Alzheimer-Frühdiagnostik in die Praxis
Einen leitliniengerechten Versorgungspfad entwickeln, um die Diagnose und Versorgung von Menschen in einem frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit zu verbessern: Dieses Ziel verfolgt das Kölner Projekt ALFie [1]. Rund ein Jahr nach seinem Start ist es Zeit für eine erste Bilanz.

Mit ALFie auf dem Weg zur leitliniengerechten Alzheimer-Frühdiagnostik
Anfang 2024 wurde in Köln das Versorgungsprojekt ALFie (Alzheimer - Leitliniengerechte Früherkennung in Koeln) mit den folgenden Zielen initiiert [1]:
Entwicklung eines leitliniengerechten Versorgungspfades für die Alzheimer-Frühdiagnostik auf der Grundlage der aktuellen S3-Leitlinie Demenzen [1, 2].
Verbesserung der frühzeitigen Diagnose und sektorenübergreifenden Versorgung für Menschen mit leichter kognitiver Störung (mild cognitive impairment, MCI) [1].
Im Rahmen von ALFie sollen dabei die Anforderungen aller an der Alzheimer-Versorgung beteiligten Gruppen berücksichtigt werden: Von den hausärztlichen und internistischen Praxen, den niedergelassenen Neurologinnen und Neurologen über die psychiatrischen und neurologischen Gedächtnisambulanzen bis hin zu den Beratungseinrichtungen für Betroffene und ihre Angehörigen [1].
Kölner Projekt als Blaupause für andere Regionen
Das Ballungszentrum Köln bietet mit seinen bestehenden Versorgungsangeboten das ideale Umfeld, um die genannten Beteiligten miteinander zu vernetzen. So engagieren sich im Projekt ALFie die Gedächtnisambulanzen der Uniklinik Köln, der NeuroMed Campus/Gemeinschaftspraxis für Neurologie in Köln, das Hausärzte-Gesundheitsnetz Köln Süd, die Gesundheitsregion KölnBonn e. V. sowie die Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz in der Region Köln. Dabei sollen die Ergebnisse von ALFie über die Kölner Stadtgrenzen hinausreichen. Denn das Konzept versteht sich als Blaupause, die Impulse für andere Regionen geben kann [1].
Das Unternehmen Lilly Deutschland GmbH unterstützt das Projekt finanziell. Damit unterstreicht das Unternehmen sein Engagement für eine Verbesserung der Alzheimer-Diagnostik und -Versorgung in Deutschland.
Zwischenbilanz nach rund einem Jahr Projektdauer
Inzwischen liegen die ersten Arbeitsergebnisse des ALFie-Projekts vor:
In einer Umfrage zur Alzheimer-Versorgung unter Ärztinnen und Ärzten sowie Beratungsstellen wurden wichtige Erkenntnisse zum Status der Alzheimer-Versorgung gewonnen [1, 3].
Mit der „Charta Köln“ erarbeiteten die Projektpartner Maßnahmen und Empfehlungen, um die frühzeitige Diagnose und sektorübergreifende Versorgung von Menschen mit der Alzheimer-Krankheit in Köln zu verbessern. Weitere Städte und Regionen können diesen 7-Punkte-Plan übernehmen [1].
Die neu entwickelte digitale Plattform ALFie digital soll den Alzheimer-Diagnosepfad strukturieren und die verschiedenen Versorgungsbeteiligten miteinander vernetzen, um so eine effizientere Alzheimer-Versorgung zu ermöglichen. ALFie digital kann in Zukunft auch in anderen Regionen implementiert werden [1].
So sehen die drei Projektergebnisse im Detail aus:
1. Umfrage lieferte wichtige Erkenntnisse
Zu Projektbeginn führten die Initiatoren eine Befragung im haus- und fachärztlichen Bereich sowie in Beratungsstellen durch. Diese umfassende Bestandsaufnahme der Versorgungssituation von Menschen mit früher Alzheimer-Krankheit im Raum Köln brachte wichtige Erkenntnisse, z.B. [3]:
Die Befragten aus dem niedergelassenen ärztlichen Bereich wünschten sich mehr Informationen zur S3-Leitlinie Demenzen [2], zu Diagnostikmöglichkeiten und zu städtischen Beratungsangeboten. Als besonders wichtig wurde zudem eine bessere Vernetzung aller an der Alzheimer-Diagnostik und Versorgung beteiligten Akteure gesehen.
Die Mehrheit der Kölner Hausärztinnen und -ärzte sowie Fachärztinnen und -ärzte bewertete eine frühe Alzheimer-Diagnose als „eher positiv“.
Diese und weitere Umfrageergebnisse gaben Anregungen für die Konzeption der digitalen Plattform ALFie digital [1].
2. „Charta Köln“ als 7-Punkte-Plan für eine bessere Alzheimer-Versorgung
Die Projektpartner leiteten aus den Ergebnissen und ihren Diskussionen folgende Empfehlungen und Maßnahmen ab, um v. a. die Rahmenbedingungen für eine frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Krankheit zu verbessern. Diese „Köln-Charta“ wird bundesweit genutzt, um auf die dringend erforderlichen Änderungen unseres Gesundheitssystems im Umgang mit der Krankheit Alzheimer aufmerksam zu machen [1]:
Die Alzheimer-Krankheit neu denken! – Umgang mit der Erkrankung verbessern
Beratungsstellen für Betroffene und Angehörige bundesweit implementieren
Adäquate Ausbildungsmöglichkeiten für Beraterinnen und Berater anbieten
Korrekte und zeitnahe Diagnostik sicherstellen
Verbesserung der Versorgungsstruktur (Diagnostik, Monitoring und Gesprächsleistungen)
Erweiterung der bestehenden Infrastruktur
Patientenpfad klar strukturieren und an der S3-Leitlinie Demenzen [2] ausrichten
Verknüpfung von Hausarzt-, Facharzt- und Krankenhausstrukturen
Unterstützende Präventionsmaßnahmen durch ausreichend Therapieplätze in Neuropsychologie, Ernährungsberatung, Ergo- und Psychotherapie sicherstellen
Aus-, Fort- und Weiterbildung unterstützen
Entwicklung von passenden Angeboten für alle an der Versorgung Beteiligten in haus- und fachärztlicher Versorgung sowie in Beratungsstellen
Ausbau der bereits existierenden Informationsangebote
Starke Versorgungsnetzwerke bilden
Einrichtung eines Case-Managements
Aufbau von Versorgungsnetzwerken
Alzheimer-Versorgung von Beginn an digital planen
Aufbau und Etablierung von digitalen Plattformen zur besseren Vernetzung und Versorgung von Patientinnen und Patienten
Innovative Versorgungskonzepte für Alzheimer adaptieren
Integration der Alzheimer-Versorgung in die Disease Management Programme (DMP) und in die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV)
3. Pilotphase der Versorgungsplattform ALFie digital gestartet [4]
Wer die Alzheimer-Versorgung in der Zukunft verbessern möchte – der muss sie bereits heute digital gestalten – dies ist die zentrale Erkenntnis nach einem Jahr Projektarbeit. Die Herausforderungen im Umgang mit dieser Krankheit und die Anforderungen an eine frühe und akkurate Diagnostik sind zu komplex, als dass man sie mit herkömmlichen analogen Maßnahmen effizient lösen könnte. Daher hat sich die Projektgruppe entschieden, gemeinsam eine digitale Plattform ALFie digital zu entwickeln. Damit werden Gedächtnisambulanzen und die niedergelassene Ärzteschaft mit Beratungsstellen, Betroffenen und Angehörigen vernetzt. Mithilfe von ALFie digital können Diagnose- und Versorgungsprozesse schneller und standardisiert auf Basis der S3-Leitlinie Demenzen [2] ablaufen. Dabei wird der Alzheimer-Diagnosepfad in einzelne Prozessschritte unterteilt, die es den Netzwerkpartnern ermöglichen, einzelne Diagnoseprozesse untereinander aufzuteilen und damit gemeinsam an einem Patientenpfad zu arbeiten. Die Terminkoordination wird vereinfacht durch die Möglichkeit, regionale Netzwerkpartner über die Plattform zu identifizieren und Termine für die jeweiligen Untersuchungsschritte einzutragen. Außerdem trägt der gemeinsame Zugriff auf Patientendokumente zu schnelleren Prozessen bei.
Ausblick: Das sind die nächsten Schritte
Die Plattform wird nun in Köln mit ersten Patientendaten konkret getestet und weiterentwickelt. Sie soll keine „Kölner-Lösung“ bleiben, sondern auch in anderen Regionen Anwendung finden. Dabei gehen der Aufbau von starken Versorgungsnetzen und die Entwicklung digitaler Lösungen Hand in Hand. Eine Patienten-orientierte Versorgung in Netzwerken braucht die digitale Infrastruktur. Ohne sie sind die Probleme unseres Gesundheitssystems wie lange Wartezeiten auf Facharzttermine, Doppel- und Mehrfachuntersuchungen und der Verlust von Patienteninformationen langfristig nicht gut lösbar.
PP-AD-DE-0684
Gesundheitsregion KölnBonn e.V., ALFie – Alzheimer-Leitliniengerechte Früherkennung in Koeln, verfügbar unter: https://www.health-region.de/alfie-alzheimer-leitliniengerechte-frueherkennung-in-koeln/ und https://www.health-region.de/wp-content/uploads/2024/11/DE_ALZ_Leitliniengerechte_Frueherkennung_Koeln.pdf, Zugriff am 22.04.2025.
DGN e. V. & DGPPN e. V. (Hrsg.) S3-Leitlinie Demenzen, Version 5.0, 28.02.2025, verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013, Zugriff am 22.04.2025.
gewi-Institut für Gesundheitswirtschaft e. V., 2024, Umfragen zur Alzheimer-Versorgung in Köln: Ergebnisse von Fragebogenerhebungen unter Ärzt:innen und Beratungsstellen.
HRCB Projekt GmbH, ALFie – Alzheimer – Leitliniengerechte Früherkennung in Koeln, verfügbar unter: https://alzheimer-versorgung.org/, Zugriff am 22.04.2025.