Neue Maßstäbe in der Therapie des Nasopharynxkarzinoms
Das Nasopharynxkarzinom (NPC) gehört in Europa zu den seltenen Krebserkrankungen. Die Inzidenz liegt bei 0,5 bis 1 / 100.000 Patienten [1]. Die bisherige Standardtherapie für Patienten mit einem rezidivierenden oder metastasierenden Nasopharynxkarzinom ist die Chemotherapie mit Cisplatin und Gemcitabin. Die Ergebnisse einer solchen Behandlung sind in der Regel schlecht [2].
Neue Behandlungsansätze sind deshalb dringend erforderlich. Immuntherapien bieten aufgrund ihrer Wirksamkeit und ihres Sicherheitsprofils vielversprechende Ansätze für Patienten. Wie die Ergänzung eines Immuncheckpointinhibitors zur Chemotherapie die Behandlung von Patienten mit rezidivierendem, für eine Operation oder Strahlentherapie nicht infrage kommendem oder metastasiertem Nasopharynxkarzinom eindrucksvoll verbessern kann, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Zulassungsstudie.

LOQTORZI® (Toripalimab) ist in Kombination mit Cisplatin und Gemcitabin für die Erstlinienbehandlung erwachsener Patienten mit rezidivierendem, für eine Operation oder Strahlentherapie nicht infrage kommendem oder metastasiertem Nasopharynxkarzinom (NPC) indiziert [3]. In der randomisierten, multizentrischen, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Zulassungsstudie JUPITER-02 wurden insgesamt 289 Patienten dieser Indikation eingeschlossen und geprüft, ob die Ergänzung von LOQTORZI® zu dem Chemobackbone Cisplatin und Gemcitabin zu einer Verbesserung im PFS und OS führt [4].
Die Teilnehmenden wurden 1:1 randomisiert auf die Behandlung mit 6 Zyklen Toripalimab (240 mg) und Chemotherapie (Cisplatin und Gemcitabin) oder Placebo und Chemotherapie. Im Anschluss folgte eine Erhaltungstherapie mit Toripalimab oder Placebo bis zum Fortschreiten der Erkrankung, dem Auftreten einer nicht tolerierbaren Toxizität oder bis zu einer Behandlungsdauer von nach max. 2 Jahren [4].
Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben (PFS). Sekundäre Endpunkte umfassten OS, objektive Ansprechrate (ORR), Dauer des Ansprechens (DoR) und Sicherheit. Für das mediane PFS in der Toripalimab-Gruppe ergab sich ein signifikanter Zugewinn von 13,2 Monaten (Abb. 1) gegenüber Placebo (21,4 vs. 8,2 Monate; Hazard Ratio = 0,52; p < 0,001).

Damit setzt Toripalimab in Bezug auf die Wirksamkeit neue Maßstäbe bei der Erstlinientherapie des Nasopharynxkarzinoms: Die Wirksamkeit von Toripalimab war signifikant – unabhängig vom PD-L1-Status der Subgruppen und des EBV-Titers [4]. Zusätzlich zeigte sich eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) mit einer Reduktion des Sterberisikos um 37 % (Hazard Ratio = 0,63; p = 0,008) [4] (Abb. 2). Das mediane Gesamtüberleben (mOS) lag unter Placebo bei 33,7 Monaten, in der Toripalimab-Gruppe wurde es nicht erreicht [4].

In einer Post-hoc-Analyse der Jupiter-02 Studie zeigte sich zudem, dass im LOQTORZI®-Arm auch nach 5 Jahren Behandlung ein signifikanter Überlebensvorteil bestand: 52 % der mit LOQTORZI® behandelten Patienten lebten noch, gegenüber 33,9 % unter Placebo [5] (Abb. 3).

Die Gesamtansprechrate (ORR) unter Toripalimab lag bei 78,8 % gegenüber 67,1 % unter Placebo [4]. Bei jedem vierten Patienten kam es unter Toripalimab zu einer Komplettremission (CRR: 26,7 % versus 13,3 %) [4]. Darüber hinaus hielt das Ansprechen auf die Therapie (DoR) dreimal so lange an (18,0 vs. 6,0 Monate; Hazard Ratio = 0,49; p < 0,001) (Tabelle 1) [4].

Es gab zwischen der LOQTORZI® plus Chemotherapie-Gruppe und der Placebo plus Chemotherapie-Gruppe keinen relevanten Unterschied in der Rate von unerwünschten Ereignissen insgesamt und der Rate von unerwünschten Ereignissen ≥ Grad 3 [4]. Die Abbruchraten aufgrund von unerwünschten Ereignissen lagen bei 11,7 % in der LOQTORZI® plus Chemotherapie-Gruppe und bei 6,2 % in der Placebo plus Chemotherapie-Gruppe. Im LOQTORZI®-Behandlungsarm gab es 37 % immunbedingte unerwünschte Ereignisse und im Placebo-Arm 26,5 %. Die häufigsten immunvermittelten Nebenwirkungen ≥ Grad 3 waren Hautausschlag (3,4 % der Patienten), Thrombozytopenie (2,1 % der Patienten) und Pneumonie (1,4 % der Patienten) [4]. Damit war das Sicherheitsprofil in Summe gut handhabbar und entsprach dem anderer PD-1- Inhibitoren.
LOQTORZI® (Toripalimab) ist der erste PD-1-Inhibitor, der in Europa für die Behandlung des fortgeschrittenen Nasopharynxkarzinoms (NPC) zugelassen wurde und der einzige, der eine signifikante Verbesserung des Mortalitätsrisikos zeigen konnte [4].
Mit einer Verlängerung des medianen PFS um 13,2 Monate, einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um 37 % und einem gut handhabbaren Sicherheitsprofil besitzt LOQTORZI® in Kombination mit Cisplatin und Gemcitabin das Potenzial sich als neuer Standard für die Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Nasopharynxkarzinoms zu etablieren. Toripalimab ist bereits zur Erstlinientherapie des NPC in die internationalen ESMO-Leitlinien aufgenommen worden [6].
Wirkmechanismus
LOQTORZI® ist ein humanisierter monoklonaler IgG4-Antikörper, der als potenter und hochspezifischer PD-1-Inhibitor wirkt. Der Checkpointinhibitor blockiert die Interaktion von PD-1 mit seinen Liganden PD-L1 und PD-L2 , hebt so die immunsuppressive Signalübertragung auf und reaktiviert die Anti-Tumor-Immunantwort. Toripalimab bindet gezielt an die FG-Schleife von PD-1, eine zentrale Bindungsstelle für PD-L1/PD-L27-9.
Literatur
Zech HB, Matnjani G, Schafhausen P, Betz CS. Nasopharynxkarzinom – ein aktueller Überblick über eine spezielle Tumorentität. Best practice onkologie 2024; 19 (3): 74-83.
Liang, R. Precision drugs for recurrent or metastatic nasopharyngeal carcinoma (Review). Experimental and Therapeutic Medicine 2023, 26, 585. https://doi.org/10.3892/etm.2023.12284
Fachinformation LOQTORZI®, Stand September 2025, Topalliance Biosciences Europe Limited.
Mai H-Q et al.: JAMA 2023; 330(20): 1961-70.
Chen QY et al.: J Clin Oncol 2024; 42(16_suppl): Abstr 6039.
Bossi P et al.: Ann Oncol 2023; 34(3): 247-50. ESMO eUpdate/Leitlinien-UpdateNPC. Verfugbar unter: https://www.esmo.org/guidelines/eupdate-nasopharyngeal-carcinomatreatment-recommendations
Chen D et al.: iScience 2019; 14: 113-24.
Liu H et al.: MAbs 2019; 11(4): 681-90.
Lázár-Molnár E et al.: Proc Natl Acad Sci USA 2008; 105(30): 10483-8.