Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Moderne Therapien ermöglichen neue Therapieziele

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beginnen häufig im jungen Erwachsenenalter [1, 2]. Eine Therapie sollte deshalb die Entzündung langfristig kontrollieren und die Lebensqualität nachhaltig verbessern. Moderne Medikamente ermöglichen dabei mehr als Symptomlinderung: Angestrebt wird eine endoskopische Remission, bei der je nach Erkrankung keine oder nur noch sehr geringe entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut sichtbar sind [3].
Eine CED wird häufig in einer Lebensphase diagnostiziert, in der Ausbildung, Berufseinstieg und persönliche Zukunftspläne anstehen. Da die Erkrankungen chronisch verlaufen, begleiten sie viele Patient:innen über Jahrzehnte und bis ins höhere Lebensalter.
CED verlaufen häufig in Schüben: Phasen mit verstärkten Beschwerden wechseln sich mit beschwerdearmen oder beschwerdefreien Zeiten ab. Durchfälle, Bauchschmerzen und plötzlich einsetzender Stuhldrang schränken den Alltag und die gesellschaftliche Teilhabe mitunter stark ein. Die Sorge, jederzeit eine Toilette zu benötigen, erschwert Unternehmungen und soziale Kontakte. Ausgeprägte Erschöpfung kann zusätzlich belasten [4]. Die Folgen betreffen damit sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit als auch das psychische Wohlbefinden und die persönliche Lebensgestaltung [4, 5].
CED: Entzündungsprozesse und Begleiterkrankungen
Bei CED trägt eine fehlgesteuerte Immunantwort zu anhaltenden Entzündungen im Darm bei. Bei Colitis ulcerosa ist vor allem die Schleimhaut des Dickdarms betroffen [2]. Bei Morbus Crohn kann die Entzündung verschiedene Abschnitte des Verdauungstrakts und tiefere Darmwandschichten erfassen [1].
Entzündliche Veränderungen können sich auch außerhalb des Darms zeigen, etwa an den Gelenken oder der Haut. Weitere Begleiterkrankungen können die Behandlung beeinflussen, darunter Osteoporose und Typ-2-Diabetes, für die Menschen mit CED ein erhöhtes Risiko aufweisen können [6, 7].
Insbesondere bei älteren Patient:innen sollten deshalb neben dem Verlauf der CED auch Begleiterkrankungen, Begleitmedikationen sowie die gesundheitliche Gesamtsituation berücksichtigt werden [8].
Moderne Therapien setzen direkt an der Entzündung an
Moderne, gezielt wirkende Therapien haben die Behandlungsmöglichkeiten bei CED erweitert. Dazu zählen unter anderem Biologika. Einige dieser biotechnologisch hergestellten Arzneimittel enthalten Antikörper, die Wirkung bestimmter entzündungsfördernder Botenstoffe wie Interleukine blockieren [9].
Die Therapie verfolgt mehrere Ziele: Zunächst sollen Beschwerden rasch zurückgehen und eine klinische Remission erreicht werden – also eine Phase, in der die Beschwerden weitgehend oder vollständig abgeklungen sind. Mittelfristig sollen auch Entzündungswerte in Blut und Stuhl in den angestrebten Bereich zurückgehen [3].
Für den langfristigen Verlauf ist entscheidend, die Entzündung anhaltend zu kontrollieren. Fortbestehende oder wiederkehrende Entzündung kann den Darm schädigen und bei Morbus Crohn zu Vernarbungen und Engstellen führen [1, 2].
Endoskopische Remission als langfristiges Therapieziel
Mit den modernen Behandlungsmöglichkeiten hat sich auch der therapeutische Anspruch verändert: Neben der klinischen Remission wird die Abheilung entzündlicher Veränderungen der Darmschleimhaut angestrebt. Diese endoskopische Remission ist heute ein wichtiges langfristiges Therapieziel [3].
Die Unterscheidung ist bedeutsam, weil Beschwerderückgang und Entzündungskontrolle nicht immer übereinstimmen. Besonders bei Morbus Crohn kann trotz gebesserter Symptomatik weiterhin eine aktive Entzündung bestehen [3].
Eine Darmspiegelung zeigt, in welchem Ausmaß die Schleimhautentzündung abgeheilt ist. Gastroenterolog:innen beurteilen dabei sichtbare Befunde wie Rötungen, Blutungen und Geschwüre nach standardisierten Kriterien.
Bei Colitis ulcerosa wird angestrebt, dass bei der Darmspiegelung keine Entzündungszeichen mehr sichtbar sind. Bei Morbus Crohn soll die endoskopisch erkennbare Entzündungsaktivität auf ein sehr geringes Maß zurückgehen [3].
Eine endoskopische Remission ist mit einem günstigeren Krankheitsverlauf verbunden: Patient:innen bleiben nach ihrem Erreichen häufiger langfristig beschwerdearm oder beschwerdefrei [10, 11]. Bei Colitis ulcerosa ist sie außerdem mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für eine operative Entfernung des Dickdarms assoziiert [10].
Langfristige Krankheitskontrolle sichern
Die CED bleibt auch bei abgeheilter Darmschleimhaut chronisch. Eine remissionserhaltende Therapie kann deshalb auch bei Beschwerdefreiheit erforderlich sein. Sie soll erneuten Schüben vorbeugen und die Krankheitskontrolle erhalten [1, 2].
Regelmäßige Verlaufskontrollen erfassen sowohl die Beschwerden als auch die Entzündungsaktivität. Hierzu zählen wiederholte Blut- und Stuhluntersuchungen sowie je nach Krankheitsverlauf Darmultraschall und endoskopische Untersuchungen [3, 12].
Ob die Behandlung angepasst wird, entscheiden Ärzt:innen und Patient:innen anhand des Verlaufs, der Befunde und der individuellen Situation. Wird die endoskopische Remission trotz ausreichend langer und optimierter Behandlung nicht erreicht, sollte die Strategie überprüft werden. Ein einzelner Messwert löst keinen automatischen Therapiewechsel aus [3].
Eine langfristig stabile Krankheitskontrolle soll die Krankheitslast senken und einen Alltag ermöglichen, der weniger von der CED bestimmt wird. Weitere eigenständige Ziele sind eine möglichst normale Lebensqualität sowie weniger Erschöpfung und Alltagseinschränkungen. Bestehen Belastungen trotz kontrollierter Entzündung fort, sollten auch andere Ursachen abgeklärt und behandelt werden [3].
Weitere Informationen zu Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gibt es auf www.meineCED.de
EM-211569
Referenzen
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