Hepatitis C: Rückgang der Meldungen – aber unverändert hohe Belastung in Risikogruppen
Die Zahl der gemeldeten Hepatitis-C-Fälle ist 2025 in Deutschland um 16 % zurückgegangen. Die epidemiologische Belastung konzentriert sich jedoch weiterhin auf klar definierte Risikogruppen, sodass gezielte Test- und Behandlungsangebote für die ärztliche Versorgung unverändert von zentraler Bedeutung bleiben.

Im Jahr 2025 wurden bundesweit 8.085 nach den Kriterien des Robert Koch-Instituts bestätigte Hepatitis-C-Fälle übermittelt. Dies entspricht einer Inzidenz von 9,7 pro 100.000 Einwohner und einem Rückgang um 16 % gegenüber dem Vorjahr.
Diese Entwicklung bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass auch die Zahl der Neuinfektionen gesunken ist. Die Meldedaten bilden in erster Linie das Diagnosegeschehen ab und erlauben daher nur eingeschränkt Rückschlüsse auf die aktuelle Übertragungssituation. Da Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) häufig über Jahre asymptomatisch verlaufen, werden viele chronische Fälle erst im Rahmen von Screening- oder Routineuntersuchungen erkannt. Die Zahl der Meldungen hängt somit wesentlich von der Testintensität und dem Zeitpunkt der Diagnosestellung ab.
Die Verteilung der gemeldeten Fälle entspricht dem Muster der Vorjahre: Besonders betroffen sind Männer im Alter zwischen 30 und 59 Jahren. Regional zeigen sich überdurchschnittlich hohe Inzidenzen insbesondere in den Stadtstaaten sowie in mehreren westdeutschen Bundesländern.
Besonders betroffenen Gruppen
Der wichtigste bekannte Übertragungsweg von HCV bleibt der injizierende Drogenkonsum. Mehr als die Hälfte der Fälle mit Angaben zum Infektionsweg entfiel auf diesen Expositionsfaktor. Menschen, die Drogen injizieren (PWID, people who inject drugs), stellen damit weiterhin die am stärksten betroffene Gruppe dar.
Eine erhöhte HCV-Belastung zeigt sich außerdem bei Menschen mit Migration aus Ländern mit hoher HCV-Prävalenz. Der Anteil der gemeldeten Fälle mit Geburtsland oder Staatsangehörigkeit Ukraine lag 2025 bei knapp 13 % und damit auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren. Auch Menschen in Haft, wohnungslose Menschen sowie Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), weisen weiterhin eine deutlich höhere HCV-Belastung auf als die Allgemeinbevölkerung.
Diese Unterschiede werden durch ergänzende Studien des Robert Koch-Instituts bestätigt: Bei Menschen, die Drogen injizieren, lag die Prävalenz aktiver HCV-Infektionen je nach Studie zwischen 27 und 44 %. In Justizvollzugsanstalten wurden aktive Infektionen bei rund 19 % der Teilnehmenden nachgewiesen. Auch wohnungslose Menschen weisen hohe Prävalenzen auf. Bei MSM mit HIV ist die Prävalenz zwar rückläufig, bleibt aber weiterhin klinisch relevant. Die Daten verdeutlichen, dass sich die HCV-Belastung in Deutschland besonders auf definierte vulnerable Gruppen konzentriert und gezielte Präventions-, Test- und Versorgungsangebote erfordert.
Späte Diagnose als zentrale Herausforderung
Der überwiegende Teil der gemeldeten Fälle wird als chronische HCV-Infektion eingeordnet; akute Infektionen machen nur einen kleinen Anteil aus. Dies spiegelt wider, dass Hepatitis-C-Infektionen aufgrund ihres häufig asymptomatischen Verlaufs oft über Jahre unentdeckt bleiben und nicht selten erst im Rahmen von Screening- oder Routineuntersuchungen diagnostiziert werden. Treten klinische Beschwerden auf, sind diese meist unspezifisch. Häufig finden sich erhöhte Transaminasen als Laborbefund, während Oberbauchbeschwerden oder ein Ikterus nur selten dokumentiert werden.
Diese häufig lange unerkannte Krankheitsphase unterstreicht die zentrale Bedeutung einer frühzeitigen Diagnostik. Mit direkt antiviral wirkenden Therapien (DAA) stehen heute hochwirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, deren Potenzial jedoch nur durch die rechtzeitige Identifikation und Behandlung infizierter Personen ausgeschöpft werden kann. Neben dem einmaligen HCV-Screening im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung für Erwachsene ab 35 Jahren („Check-up 35“) sollten Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko unabhängig vom Alter gezielt getestet werden. Niedrigschwellige Testangebote und ein frühzeitiger Zugang zur DAA-Therapie sind entscheidend, um Infektionen frühzeitig zu erkennen, zu behandeln und Weiterübertragungen zu verhindern. Auch bei Menschen mit Migration aus Ländern mit hoher HCV-Prävalenz ist ein strukturiertes Screening sinnvoll; seltene nosokomiale Übertragungsrisiken sind im Rahmen der Anamnese ebenfalls zu berücksichtigen.
Fazit für den ärztlichen Alltag
Die Zahl der gemeldeten Hepatitis-C-Fälle ist 2025 zwar zurückgegangen, die Erkrankung bleibt jedoch insbesondere in definierten vulnerablen Gruppen eine relevante Herausforderung. Für die ärztliche Versorgung sind die konsequente Nutzung des HCV-Screenings in der Gesundheitsuntersuchung, eine gezielte Testung vulnerabler Gruppen, niedrigschwellige Testangebote und der frühzeitige Zugang zur kurativen DAA-Therapie entscheidend, um die nationalen und internationalen Eliminationsziele zu erreichen.
Quelle: Robert Koch-Institut (RKI): Epidemiologie von Hepatitis-C-Virusinfektionen in Deutschland im Jahr 2025: Eine Auswertung der Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz. Epid Bull 30/2026. 23. Juli 2026; https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2026/30_26.html
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