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Reiseimpfungen 2026 (Teil 1): Individuelle Beratung im Fokus

  • Dienstag, 21. Juli 2026
  • Quelle: Robert Koch-Institut
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Die reisemedizinische Impfberatung sollte sich nicht allein am Reiseziel orientieren, sondern das individuelle Erkrankungsrisiko der Reisenden berücksichtigen. Die aktualisierten gemeinsamen Empfehlungen von Ständiger Impfkommission (STIKO) und Deutscher Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) tragen den veränderten epidemiologischen Bedingungen Rechnung und bieten Ärztinnen und Ärzten eine praxisnahe Grundlage für die Beratung vor Auslandsreisen.

/Stockfotos-MG, stock.adobe.com
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Empfehlungen an aktuelle epidemiologische Situation angepasst

Internationale Reisetätigkeit, sich wandelnde Infektionslagen und neue Impfstoffe stellen die Reisemedizin vor wachsende Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund haben STIKO und DTG ihre gemeinsamen Empfehlungen zu Reiseimpfungen aktualisiert. Die evidenzbasierten Empfehlungen bleiben im Kern unverändert, sämtliche epidemiologischen Daten, Risikobewertungen und Ländertabellen wurden jedoch an den aktuellen Wissensstand angepasst.

Erstmals erscheint die Publikation zudem in einem neuen Format. Neben dem klassischen Dokument stehen die Empfehlungen als kostenlose App und browserbasierte Web-Anwendung (www.STIKO-web-app.de) zur Verfügung. Die Ländertabellen können erstmals separat heruntergeladen werden und enthalten zusätzlich Verweise auf die Empfehlungen des Ständigen Ausschusses Reisemedizin (StAR) zur Malariaprophylaxe. Außerdem wurden die aktuellen Vorgaben des WHO-Polio-Notfallausschusses zu Einreisebestimmungen integriert.

Individuelle Bewertung rückt in den Mittelpunkt

Ein zentrales Anliegen der überarbeiteten Empfehlungen ist die stärkere Individualisierung der reisemedizinischen Beratung. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren reicht es nicht aus, Impfentscheidungen ausschließlich anhand des Reiseziels zu treffen. Vielmehr sollte das persönliche Infektionsrisiko anhand mehrerer Faktoren bewertet werden.

Neben Reiseziel und Reisedauer spielen unter anderem Reisezeit, Art der Reise und geplante Aktivitäten eine wichtige Rolle. Ebenso fließen Alter, Vorerkrankungen und der Immunstatus der Reisenden in die Entscheidung ein. So unterscheidet sich das Infektionsrisiko einer Hotelreise in einer Großstadt deutlich von dem eines längeren Aufenthalts in ländlichen Regionen oder einer Backpacking-Reise. Auch wiederholte Kurzreisen können das Expositionsrisiko erhöhen und die Indikation für bestimmte Impfungen beeinflussen.

Risikogruppen erfordern besondere Aufmerksamkeit

Schwangere und Stillende, Säuglinge und Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit Immundefizienz oder anderen Grunderkrankungen werden in den Empfehlungen gesondert berücksichtigt. Auch Langzeitreisende, Katastrophenhelfer sowie Menschen, die Freunde oder Verwandte im Ausland besuchen (Visiting Friends and Relatives, VFR-Reisende), benötigen häufig eine individuell angepasste reisemedizinische Beratung.

Für diese Gruppen können je nach Reiseziel, Exposition und Gesundheitszustand abweichende Impfempfehlungen oder zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sein.

Reiseberatung als Chance, um Impflücken zu schließen

Jede reisemedizinische Beratung sollte genutzt werden, um den allgemeinen Impfstatus zu überprüfen. Standard- und Indikationsimpfungen gemäß STIKO sollten möglichst vollständig sein, bevor über zusätzliche Reiseimpfungen entschieden wird. Eine bevorstehende Auslandsreise bietet häufig einen geeigneten Anlass, bestehende Impflücken zu schließen.

Grundsätzlich sollten Impfserien möglichst spätestens zwei Wochen vor Reisebeginn abgeschlossen sein, damit ein ausreichender Immunschutz aufgebaut werden kann. Ist die Zeit bis zur Abreise knapp, können für einzelne Impfungen Schnellimpfschemata eingesetzt werden. Diese sind jedoch nicht für alle Reisenden geeignet und erfordern teilweise spätere Auffrischimpfungen.

Impfschutz durch weitere Präventionsmaßnahmen ergänzen

Die aktualisierten Empfehlungen machen zugleich deutlich, dass Impfungen allein keinen vollständigen Schutz vor reiseassoziierten Infektionskrankheiten bieten. Ebenso wichtig sind konsequente Hygienemaßnahmen, eine sichere Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene sowie ein wirksamer Schutz vor Mücken- und Zeckenstichen. Dazu gehören unter anderem die Anwendung von Repellentien, das Schlafen unter imprägnierten Moskitonetzen, lange Kleidung sowie die konsequente Beachtung der Lebensmittelregel „Cook it, boil it, peel it or forget it“.

Nach der Rückkehr aus Regionen mit durch Mücken übertragenen Erkrankungen wird zudem ein konsequenter Mückenschutz empfohlen, um eine mögliche Weiterverbreitung importierter Erreger in Deutschland zu verhindern.

Fazit für die Praxis

Die aktualisierten Empfehlungen unterstützen Ärztinnen und Ärzte dabei, die reisemedizinische Beratung noch gezielter an das individuelle Risiko anzupassen. Neben aktuellen epidemiologischen Entwicklungen erleichtern die neuen digitalen Angebote und überarbeiteten Ländertabellen den schnellen Zugang zu praxisrelevanten Informationen und können die Beratung im Praxisalltag effizienter gestalten.


Quelle: Robert Koch-Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG) zu Reiseimpfungen. Epid Bull 27/2026; 02.07.2026; https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2026/27_26.html

Dr. Anja Lütke

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