STIKO-Impfempfehlungen 2026 veröffentlicht: Was sich im Impfalltag ändert
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Impfempfehlungen für 2026 umfassend aktualisiert. Die im Epidemiologischen Bulletin vom 22. Januar 2026 veröffentlichten Empfehlungen ersetzen die Vorjahresfassung und übernehmen zugleich mehrere bereits 2025 gefasste Beschlüsse nun offiziell in den Impfkalender 2026.

Die Aktualisierung betrifft sowohl Standard- als auch Indikationsimpfungen und umfasst relevante Anpassungen unter anderem bei RSV, Chikungunya, Mpox, Influenza, Herpes zoster, Hib, Pneumokokken und Meningokokken.
RSV: Erweiterte Impfoptionen im höheren Lebensalter
Im Bereich RSV erweitert die STIKO die verfügbaren Impfoptionen: Neben proteinbasierten Impfstoffen wird nun auch der mRNA-Impfstoff mResvia empfohlen. Vorgesehen ist eine einmalige Impfung als Standardimpfung für alle Personen ab 75 Jahren sowie als Indikationsimpfung für 60- bis 74-Jährige mit relevanten Grunderkrankungen und für Bewohnende von Pflegeeinrichtungen. Eine Präferenz für einen bestimmten Impfstoff besteht nicht, sodass die Auswahl pragmatisch nach Verfügbarkeit und individueller Situation erfolgen kann.
Chikungunya: Neue Empfehlung für Reise- und Expositionsrisiken
Erstmals spricht die STIKO eine Empfehlung zur Impfung gegen Chikungunya aus, die zuvor nicht Bestandteil des regulären STIKO-Impfkalenders war. Diese richtet sich an Reisende in aktuelle Ausbruchsgebiete, Personen mit wiederholten Aufenthalten in Endemiegebieten sowie an bestimmte Berufsgruppen mit gezielter Exposition gegenüber Chikungunya-Viren. Zur Verfügung stehen ein attenuierter Lebendimpfstoff (Ixchiq) sowie ein Totimpfstoff (Vimkunya), deren Einsatz altersabhängig erfolgt. Damit trägt die STIKO der zunehmenden globalen Ausbreitung des Virus und der steigenden Relevanz für die Reisemedizin Rechnung.
Mpox: Präzisierte Definition der Risikogruppen
Die STIKO hat ihre Mpox-Impfempfehlung weiter präzisiert. Die Impfung wird nun ausdrücklich für Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko empfohlen – insbesondere für Männer sowie trans und nicht-binäre Personen, die Sex mit Männern haben und dabei häufig wechselnde Partner, sowie für Sexarbeitende. Die Anpassung stützt sich auf aktuelle Surveillance-Daten und trägt dazu bei, die Zielgruppen mit relevantem Infektionsrisiko noch klarer zu definieren.
Influenza: Erweiterte Indikation bei zoonotischem Expositionsrisiko
Vor dem Hintergrund der weltweiten Zirkulation hochpathogener H5Nx-Influenzaviren erweitert die STIKO die Indikationsgruppe für die jährliche Influenzaimpfung. Neu aufgenommen wurden Personen mit regelmäßigem, direktem Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben – sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext. Ziel ist es, potenzielle zoonotische Übertragungsereignisse frühzeitig zu adressieren.
Hib: Anpassungen nach Ausbruchsgeschehen
Bei Haemophilus influenzae Typ b (Hib) wurden nach einem Ausbruchsgeschehen unter Erwachsenen in Norddeutschland sowohl die Indikationsimpfungen als auch die Empfehlungen zur postexpositionellen Chemoprophylaxe angepasst. Damit reagiert die STIKO auf veränderte epidemiologische Muster jenseits des klassischen pädiatrischen Settings.
Herpes zoster: Früherer Schutz für vulnerable Gruppen
Eine weitere relevante Erweiterung betrifft die Herpes-zoster-Impfung: Der Totimpfstoff wird nun bereits ab dem 18. Lebensjahr für Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz sowie für Patientinnen und Patienten mit schweren chronischen Grunderkrankungen empfohlen. Damit wird der präventive Ansatz deutlich früher im Lebensverlauf verankert und trägt dem erhöhten Erkrankungs- und Komplikationsrisiko dieser Gruppen Rechnung.
Meningokokken: MenACWY als neue Standardimpfung im Jugendalter
Mit der Einführung der MenACWY-Standardimpfung im Jugendalter bei gleichzeitigem Wegfall der MenC-Impfung im Kleinkindalter nimmt die STIKO eine strukturelle Neuausrichtung der Meningokokken-Impfstrategie im Impfkalender vor. Empfohlen wird nun eine MenACWY-Impfung für alle Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren mit Nachholmöglichkeit bis zum vollendeten 24. Lebensjahr. Ziel dieser Umstellung ist ein breiterer Schutz vor den klinisch relevanten Serogruppen A, C, W und Y im besonders exponierten Jugendalter.
Pneumokokken: Umstellung auf PCV20 bei Risikokindern und -jugendlichen
Für Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 17 Jahren mit erhöhtem Risiko empfiehlt die STIKO nun den 20‑valenten konjugierten Pneumokokkenimpfstoff PCV20. Die Anwendung des 23‑valenten Polysaccharidimpfstoffs (PPSV23) – sowohl als Einzelimpfung als auch im Rahmen eines sequenziellen Impfschemas – entfällt vollständig. Dadurch wird die Impfstrategie in dieser Patientengruppe vereinfacht. PCV20 deckt ein erweitertes Serotypenspektrum ab und bietet damit einen breiteren Schutz als die bisher verfügbaren Konjugatimpfstoffe.
Fazit für die Praxis
Die STIKO-Empfehlungen 2026 enthalten mehrere substanzielle Neuerungen mit unmittelbarer Relevanz für die Versorgung. Für die tägliche Praxis bedeutet dies, den aktualisierten Impfkalender zu prüfen, bestehende Impfstrategien und Abläufe anzupassen, Impflücken zu erkennen und Patientinnen und Patienten über neue Indikationen und geänderte Schemata zu informieren.
Quelle: Robert Koch-Institut (RKI): STIKO: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026. Epidemiologisches Bulletin 4/2026. 22. Januar 2026; https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2026/04_26.html