ALTAR-Studie: Methenaminhippurat ist Antibiotika bei der Prophylaxe rezidivierender HWI nicht unterlegen
Unkomplizierte rezidivierende Harnwegsinfektionen sind für viele Frauen eine erhebliche Belastung und gehen oft mit wiederholten Antibiotikagaben einher. Angesichts der wachsenden Resistenzproblematik sind wissenschaftliche Studien, die eine antibiotikafreie Prophylaxe als mögliche Alternative untersuchen, von besonderer Relevanz für die klinische Versorgung. Eine dieser Erhebungen ist die ALTAR-Studie.

Die ALTAR-Studie [1] (Alternative to prophylactic Antibiotics tRial) ist eine multizentrische, offene, randomisierte Nicht-Unterlegenheitsstudie. Zwischen 2016 und 2018 wurden in acht britischen Zentren 240 Frauen ab 18 Jahren rekrutiert, die bereits mindestens zwei rezidivierende unkomplizierte Harnwegsinfektionen (HWI) in den letzten sechs Monaten oder drei in zwölf Monaten erlebt hatten. Ausgeschlossen waren Patientinnen mit behebbaren Harnwegsanomalien, die zu wiederkehrenden Harnwegsinfektionen beitragen (z. B. Harnsteine), sowie Frauen mit neurogener Funktionsstörung des unteren Harntrakts. Die Frauen wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe erhielt tägliche Standard-Antibiotika (z. B. Trimethoprim 100 mg, Nitrofurantoin 50–100 mg oder Cefalexin 250 mg), die andere Methenaminhippurat (MH) in einer Dosis von 1 g zweimal täglich. Die Behandlung dauerte 12 Monate, gefolgt von sechs Monaten Beobachtung ohne Medikamente. Der Hauptzielwert war die Anzahl der antibiotisch behandelten symptomatischen HWI pro Patientin und Jahr – definiert durch die Betroffenen selbst oder einen Arzt. Weitere Ziele umfassten unter anderem mikrobiell bestätigte Infektionen, asymptomatische Bakteriurie (ABU), Nebenwirkungen, Resistenzentwicklungen und Zufriedenheit. Die Auswertung erfolgte bei 205 Frauen (modifizierte Intention-to-Treat), die mindestens sechs Monate in die Studie inkludiert waren. Die Teilnehmerinnen waren durchschnittlich 51 Jahre alt (von 18 bis über 90), zu ca. 60 % postmenopausale Frauen. Die Gruppen waren ausgeglichen verteilt (102 unter Antibiotika, 103 unter MH).
Die Studienergebnisse im Überblick
Unter Antibiotika traten 0,89 HWI pro Patientin und Jahr auf (95%-Konfidenzintervall: 0,65–1,12), unter MH 1,38 (95%-KI: 1,05–1,72). Der Unterschied betrug 0,49 Infektionen – die Obergrenze des 90 %-Konfidenzintervalls lag unter 1, was die Nicht-Unterlegenheit von MH bestätigt. Mikrobiell bestätigte HWI waren etwas häufiger unter MH (0,41 vs. 0,53 pro Jahr). Es wurden zwei Fälle von schwerwiegenden Nebenwirkungen gemeldet, beide bei Teilnehmerinnen, denen eine antibiotische Prophylaxe verabreicht worden war. Unter Antibiotika stieg die Resistenz von E. coli gegen Trimethoprim an, bei MH blieb sie stabil. Nach Bedarfstherapien wuchs in der MH-Gruppe die Mehrfachresistenz. Die Zufriedenheit mit der Behandlung war im Durchschnitt in beiden Gruppen hoch.
Relevanz für die klinische Praxis
Die Studiendaten zeigen, dass Methenaminhippurat Antibiotika bei der Prophylaxe rezidivierender HWI nicht unterlegen ist. Es reduziert das Resistenzrisiko und unterstützt den sparsamen Antibiotikaeinsatz (Antibiotic Stewardship). Die Empfehlung, die sich ableiten lässt: Gemeinsam mit der Patientin entscheiden – Methenaminhippurat als Antibiotika-Alternative in der Prophylaxe bevorzugen.
Quelle
Harding C et al.: Alternative to prophylactic antibiotics for the treatment of recurrent urinary tract infections in women: multicentre, open label, randomised, non-inferiority trial. BMJ. 2022; 376: e068229.
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