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Rezidivierende Harnwegsinfekte – Warum Prophylaxe den Kreislauf durchbrechen kann

  • Donnerstag, 16. April 2026
  • Quelle: Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH
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Rezidivierende Harnwegsinfekte sind für viele Patientinnen ein zermürbender Kreislauf: jährlich mehrere schmerzhafte Episoden, wiederholte Arztbesuche und die Gefahr der Resistenzbildung durch häufige Antibiotikaeinnahme. Hier gewinnen prophylaktische Maßnahmen immense klinische Relevanz. Sie können unterstützen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern. Darüber hinaus entsprechen Prophylaxemaßnahmen den klaren Empfehlungen der S3-Leitlinie „Harnwegsinfektionen“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

© iStockPhoto/Lacheev

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen stellen in der täglichen Praxis eine häufige Herausforderung dar – insbesondere bei ansonsten gesunden Frauen ohne strukturelle oder funktionelle Auffälligkeiten des Harntrakts. Während eine unkomplizierte Harnwegsinfektion per Definition das Fehlen relevanter Risikofaktoren voraussetzt, verändert sich die klinische Perspektive deutlich, sobald Episoden gehäuft auftreten: Von rezidivierenden Harnwegsinfekten spricht man bereits bei mindestens drei Infektionen pro Jahr oder zwei innerhalb von sechs Monaten [1]. Mit steigender Rezidivrate rückt neben der Akuttherapie zunehmend die Prävention in den Fokus. Ziel ist es, die Infektlast zu reduzieren und gleichzeitig den Einsatz antibiotischer Langzeitstrategien kritisch zu hinterfragen. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzentwicklung und potenzieller Nebenwirkungen gewinnen Alternativen zu einer antibiotischen Langzeittherapie an Bedeutung. Entsprechend widmet die aktuelle Leitlinie diesen Ansätzen besondere Aufmerksamkeit – mit einer Konsensusstärke von 100 Prozent, was die klinische Relevanz der Empfehlungen unterstreicht [2].

Nicht-antibiotische Präventionsstrategien im Überblick

Für prämenopausale Frauen ohne relevante Begleiterkrankungen stehen verschiedene alternative Optionen zur Verfügung, deren Evidenz jedoch heterogen ist und differenziert betrachtet werden muss. Vor jeder medikamentösen Langzeitprävention soll eine ausführliche Beratung der Patientin zur Vermeidung von Risikoverhalten erfolgen. So lassen sich häufige Auslöser oft durch Verhaltensänderungen angehen. Beispielsweise wird reichliches Trinken (mindestens 1,5–2 Liter täglich) explizit empfohlen. Daneben spricht die Leitlinie empirische alternative, nicht-antimikrobielle Präventionsoptionen bei rezidivierenden Harnwegsinfekten für Frauen ohne sonstige Begleiterkrankungen aus. Die Einnahme von Cranberry-Produkten, vorzugsweise als Saft, wird aufgrund des vorteilhaften Nutzen-Schaden-Verhältnisses als empfehlenswert angesehen. Spezifische Angaben zu Dosierung, Dauer oder Darreichungsform werden in die Empfehlung nicht einbezogen [2, 3]. Die Anwendung von D-Mannose gilt als erwägbar. Systematische Reviews deuten auf eine Wirksamkeit hin, die Placebo oder Antibiotika annähert, wenngleich die Evidenz insgesamt schwach bleibt [2, 3]. Auch pflanzliche Harnwegsdesinfizienzien, wie Bärentraubenblätter, Brunnenkressekraut, Meerrettichwurzel oder weißes Sandelholz sind zur unterstützenden Therapie zugelassen. Eine Langzeitnutzung (> 1 Monat) wird jedoch abgelehnt – insbesondere bei Sandelholz aufgrund möglicher Nierenschäden [2]. Forschungsdaten zur harnansäuernden Aminosäure L-Methionin zeigen widersprüchliche Ergebnisse in der Forschung, daher sind mögliche Kontraindikationen strikt zu prüfen [2, 3]. Zusätzlich kommt OM-89, eine orale Immunprophylaxe, über drei Monate infrage, speziell bei nicht-geriatrischen Frauen ohne Komorbiditäten [2, 3]. Der Wirkstoff Methenaminhippurat überzeugt besonders: Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2012 [4] bestätigt Wirksamkeit in der Kurzzeitprophylaxe, eine Metaanalyse [5] zeigt einen positiven Trend und eine Nicht-Unterlegenheitsstudie [6] belegt Äquivalenz zu Antibiotika bei vergleichbarem Sicherheitsprofil [2, 3]. Die Leitlinienempfehlung basiert auf einem Expertenkonsens. Methenaminhippurat (Cystohipp®) ist bald neu in Deutschland erhältlich.

Die Leitlinie verdeutlicht, dass nicht-antibiotische Präventionsstrategien einen festen Platz im Management der rezidivierenden unkomplizierten Zystitis einnehmen können – auch wenn die Evidenz für viele Ansätze limitiert ist. Entscheidend bleibt die individuelle Aufklärung der Patientinnen über Nutzen, Unsicherheiten und potenzielle Risiken der jeweiligen Maßnahmen.


Quellen

  1. Advani SD et al. Clin Infect Dis. 2025; 80(3): e31–e42.

  2. Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (Hrsg.): S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen – Aktualisierung 2024. Langversion, 3.0, AWMF-Registernummer: 043/044, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/043-044

  3. EAU Guidelines. Edn. presented at the EAU Annual Congress London, United Kingdom 2026. ISBN 978-94-92671-32-5

  4. Lee BS et al. Cochrane Database Syst Rev 2012; 10: CD003265.

  5. Bakhit M et al. Br J Gen Pract, 2021; 71: e528.

  6. Harding C et al. Health Technol Assess 2022; 26: 1.

  7. Fachinformation Cystohipp®; Stand: November 2025

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