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Strategien zur Differenzialdiagnostik zwischen rezidivierenden Harnwegsinfektionen und interstitieller Zystitis

  • Dienstag, 1. September 2026
  • Quelle: Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH
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Bei der Differenzialdiagnostik zwischen rezidivierenden Harnwegsinfektionen (rHWI) und interstitieller Zystitis (IC) bzw. Blasenschmerzsyndrom (Primary Bladder Pain Syndrome, BPS/PBPS) lautet die Kernfrage, auf welcher Pathogenese die von den Patientinnen und Patienten berichteten infektähnlichen Beschwerden tatsächlich beruhen.

Gründliche Differenzialdiagnostik essenziell

Da beide Erkrankungen sich klinisch sehr ähnlich manifestieren können, insbesondere mit Dysurie, imperativem Harndrang, Pollakisurie, suprapubischen Schmerzen oder Druckgefühl, kann dies Ausschlussdiagnosen erforderlich machen. Die korrekte Abgrenzung ist essenziell, da jeweils unterschiedliche therapeutische Managementstrategien angesetzt werden. Bei Menschen mit rHWI ist zum Beispiel die Rezidivprophylaxe primäres Therapieziel, wohingegen Erkrankte mit IC/BPS oft von interdisziplinären Maßnahmen profitieren, zum Beispiel mit Beckenbodenphysiotherapie und einer multimodalen Schmerztherapie. Zu den wichtigsten diagnostischen Unterschieden zählt außerdem, dass sich bei rHWI wiederholt bakterielle Infektionen nachweisen lassen, während bei IC/BPS keine nachweisbare Infektion und ggf. andere lokale Ursache vorliegen.

Definitionsgemäß liegt eine rHWI vor, wenn Erkrankte mit mindestens drei HWI-Episoden pro Jahr oder zwei HWI-Episoden innerhalb von sechs Monaten in der Sprechstunde vorstellig werden. Die häufigste Ursache stellen aszendente bakterielle Infektionen, zum Beispiel mit Erregern wie Escherichia coli (E. coli), aus dem periurethralen bzw. vaginalen Bereich, dar. Daher lassen sich bei rHWI wiederholt bakterielle Infektionen nachweisen, die per Urinteststreifen, Urinkultur und ggf. Keimzahlbestimmung bestätigt werden [1].

Bei Erkrankten, die häufig mit wiederkehrenden Blasenentzündungen vorstellig werden, sollte auch an IC/BPS gedacht werden, wenn typische Beschwerden chronisch oder nahezu kontinuierlich bestehen, der Schmerz mit zunehmender Blasenfüllung zunimmt und Urinkulturen wiederholt negativ sind. Die Diagnose von bakteriellen rHWI sollte stets kulturell abgesichert werden und bei atypischen Verläufen bzw. Verdacht auf IC/BPS eine weiterführende Abklärung, zum Beispiel mit Zytoskopie zur Detektion von Urothel-Defekten oder Hunner-Läsionen und gynäkologischer Untersuchung, initiiert werden [2].

Bei IC/BPS erfolgt eine ausführliche Schmerzanamnese mit Rückfragen nach der individuellen Schmerz-Lokalisation, -Ausstrahlung, -Qualität, Blasenfüllungs- und Miktionsabhängigkeit, Sexualität, Menopausen-Status, Ernährungsgewohnheiten und vorhandenen Stressoren. Das Management rezidivierender bakterieller HWI und IC/BPS beginnt jeweils mit einer Verhaltensberatung zur Vermeidung individueller Triggerfaktoren. Bei rHWI sollte zunächst entsprechendes Risikoverhalten, zum Beispiel mit zu geringer Trinkmenge, übermäßiger Intimhygiene, Harneinhalten und individuelle sexuelle Trigger (z.B. Verwendung von Spermiziden), überprüft werden [2].

IC/BPS: Schmerzanamnese und entspannungsorientierte Interventionen

Die individuelle Triggerkontrolle steht auch bei IC/BPS an erster Stelle, wo Sexualpraktiken, Ernährung, Getränke, Sport, Miktionsverhalten, Stress und ein aktiver Raucher-Status ggf. Anpassungen erforderlich machen. Hinzu kommen Maßnahmen zur Stärkung des Selbstmanagements (z.B. mit Atem- und Entspannungsverfahren, Wärme- oder Kälteanwendung, Blasentraining und ein Ernährungs-Symptom-Tagebuch) bei IC/BPS. Das entspannungsorientierte Management des IC/BPS kann bei erhöhtem Muskeltonus oder myofaszialen Schmerzen zum Beispiel noch durch eine gezielte Beckenbodenphysiotherapie ergänzt werden. Bei IC/BPS mit chronischer Schmerzkomponente sollte immer ein interdisziplinäres multimodales Assessment erfolgen, um geeignete schmerzmedizinische Interventionen patientenindividuell festzulegen. Bei persistierenden IC/BPS-Beschwerden wird die Behandlung durch pharmakologische und intravesikale Therapieoptionen sowie Neuromodulation oder chirurgische Maßnahmen stufenweise intensiviert [2].

Bei rHWI ist die Rezidivprophylaxe primäres Therapieziel

Bei Menschen mit rHWI sollte eine prophylaktische Antibiotikatherapie erst dann in Betracht kommen, wenn andere Maßnahmen zur Rezidivprophylaxe erfolglos ausgeschöpft wurden. Zur langfristigen Prophylaxe und Suppression rezidivierender unkomplizierter bakterieller Harnwegsinfektionen kommen daher nicht-antibiotische Alternativen, wie beispielsweise Methenaminhippurat (Cystohipp®) [3], bevorzugt zum Einsatz.


Quellen:

[1] S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (HWI) https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-044l_S3_Epidemiologie-Diagnostik-Therapie-Praevention-Management-Harnwegsinfektione-Erwachsene-HWI_2024-09.pdf

[2] S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS) https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-050l_S2k_Diagnostik-Therapie-Interstitielle-Zystitis-IC-BPS_2025-07.pdf

[3] Fachinformation Cystohipp®; Stand: Januar 2026

Dr. Christine Willen

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