Therapeutische Strategien bei Harnwegsinfekten in der Menopause
Das beginnende Klimakterium kann Frauen vor einige gesundheitliche Herausforderungen stellen, die unter anderem auf die rückläufige Produktion ovarieller Hormone, wie Östrogen und Progesteron zurückgeführt werden können. Der zunehmende Östrogenmangel begünstigt zum Beispiel eine Atrophie der vaginalen Schleimhäute sowie lokale pH-Wert-Veränderungen und damit einhergehende Veränderungen der physiologischen bakteriellen Komposition. Eine verminderte Lactobacillen-Besiedelung schafft Voraussetzungen für die Entstehung von Dysbiosen mit vermehrter Kolonisation durch uropathogene Enterobacterales und Anaerobiern im Vaginalbereich.

Schleimhäute werden anfälliger für bakterielle Infektionen
Persistierende bakterielle Veränderungen können Auslöser für asymptomatische Bakteriurien sowie akute und rezidivierende Harnwegsinfektionen sein. Eine asymptomatische Bakteriurie erfordern sowohl bei Frauen in der Prämenopause, als auch in der postmenopausalen Lebensphase keine Interventionen. Tendenziell kann bei postmenopausalen Frauen die Inzidenz einer asymptomatischen Bakteriurie erhöht sein.
Die Häufigkeit von rezidivierenden Harnwegsinfektionen liegt zwischen 8-20 % bei jüngeren Frauen und in der postmenopausalen Phase bei etwa 16 %. Zu den allgemeinen Risikofaktoren, die eine Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Harnwegsinfektion erhöhen, gehören zum Beispiel Geschlechtsverkehr sowie der Gebrauch von Diaphragmen und Spermiziden zu Verhütung bei prämenopausalen Frauen. So ist der Gebrauch von Intravaginal-Ovula bzw. mit Spermiziden beschichteten Diaphragmen oder Kondomen und Intrauterin-Spiralen mit einem 2- bis 14-fach erhöhten Harnwegsinfektionsrisiko korreliert. Frühere Harnwegsinfektionen, Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus) sowie eine vorherige Antibiotikaeinnahme in den letzten zwei bis vier Wochen können ebenfalls Auslöser für Harnwegsinfektionen darstellen.
Anamnestische Angaben der Frau, wie Schmerzen beim Wasserlassen (Algurie), häufigeres Wasserlassen (Pollakisurie), imperativer Harndrang und einer gelegentlich damit verbundenen Hämaturie, erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Harnwegsinfektion. Bei symptomatischen und akuten, unkomplizierten Harnwegsinfektionen bei Patientinnen vor und nach der Menopause kommt ggf. eine Kurzzeittherapie mit Antibiotika in Betracht.
Bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen liegt der Fokus auf Prävention
Bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen stehen nicht-antimikrobielle Maßnahmen zur Prävention an erster Stelle. Diese setzen sich zum Beispiel aus Verhaltensempfehlungen, nicht-antimikrobiellen Präventionsmaßnahmen sowie bei Versagen aller vorheriger Interventionen aus antibiotischen Präparaten zur Langzeitprävention zusammen. Differenzialdiagnostisch kann eine interdisziplinäre urologische und gynäkologische Abklärung zum Ausschluss behandelbarer Ursachen rezidivierender Harnwegsinfektionen sinnvoll sein.
Unter den Verhaltensempfehlungen können eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr, ein angepasstes Miktionsverhalten ohne habituelle Harneinhaltung sowie mehr Bewegung das Risiko rezidivierender Harnwegsinfektionen zu reduzieren.
Etablierte nicht-antimikrobielle Substanzen zur Prophylaxe unkomplizierter rezidivierender bakterieller Harnwegsinfekte umfassen beispielsweise eine topische Östrogenisierung (vaginale Rezidivprävention mit 0,5 mg Estriol/Tag) speziell bei postmenopausalen Frauen. Darüber hinaus kommen Behandlungsoptionen, wie D-Mannose, GAG-Schicht-Substituenten oder Methenaminhippurat (Cystohipp®) genauso wie bei Frauen in der Prämenopause in Betracht.
Antibiotika-Alternativen in der Prophylaxe zuerst voll ausschöpfen
Erst nach ausschöpfen der Strategien zur individuellen Risikovermeidung und nicht-antibiotischer Präventionsmaßnahmen sowie bei hohem Leidensdruck der Patientin sollte eine kontinuierliche antibiotische Langzeitprävention über drei bis sechs Monate angeboten werden, heben die Autoren der S3-Leitlinie mit einer Konsensstärke von 100 % hervor.
Quelle:
S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (HWI) https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-044l_S3_Epidemiologie-Diagnostik-Therapie-Praevention-Management-Harnwegsinfektione-Erwachsene-HWI_2024-09.pdf (letzter Zugriff am 11.08.2026)
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