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Wenn Harnwegsinfekte wiederkehren: aktuelle Erkenntnisse und klinische Strategien

  • Mittwoch, 1. April 2026
  • Quelle: Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH
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Rezidivierende Harnwegsinfekte gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen – insbesondere Frauen sind betroffen [1]. Trotz der häufig unkomplizierten Erkrankung können Belastungen erheblich sein: Schmerzen, ständiger Harndrang und die Sorge vor dem nächsten Schub [2]. Hinter wiederkehrenden Infekten steckt ein komplexes Zusammenspiel multifaktorieller Ursachen [3]. Ein Blick auf die Hintergründe zeigt, warum manche Menschen besonders anfällig sind und wie erneuten Entzündungen vorzubeugen ist.

©iStockPhoto/Siarhei Khaletski

Rezidivierende Harnwegsinfekte werden in der Regel als ≥ 2 Episoden innerhalb von 6 Monaten oder ≥ 3 Episoden innerhalb von 12 Monaten definiert [1]. Über 50 % aller Frauen erleben mindestens einen unkomplizierten Harnwegsinfekt in ihrem Leben, rund ein Viertel von ihnen entwickelt innerhalb eines Jahres einen rezidivierenden Harnwegsinfekt [1]. Die Inzidenz bei Männern unter 55 Jahren liegt mit 0,9 bis 2,4 Fälle pro 1.000 Männer pro Jahr niedriger, steigt mit zunehmendem Alter jedoch deutlich an [4]. Bemerkenswert: Auch bei Männern liegt der Anteil an Betroffenen, die im Verlauf ein Rezidiv entwickeln bei 13 % [5].

Pathogenese, Symptome & Risikofaktoren

Die häufigsten Erreger von Harnwegsinfekten sind Escherichia coli, gefolgt von u. a. Enterococcus faecalis, Klebsiella Spezies und Staphylococcus saprophyticus [6]. Vor allem der häufigste Erreger E. coli ist sehr anpassungsfähig und in der Lage, schnell Resistenzen zu entwickeln, was das Risiko rezidivierender Infekte erhöht [6]. Typische Symptome sind suprapubische Schmerzen, imperativer Harndrang, Algurie und Pollakisurie [2]. Rezidivierende Harnwegsinfekte werden in der Regel durch persistierende bakterielle Reservoirs, etwa in Form intrazellulärer „Persister“ oder Biofilme, begünstigt [7]. Die hierfür relevantesten Risikofaktoren sind das weibliche Geschlecht, sexuelle Aktivität, die genetische Prädisposition und bestimmte Verhaltensweisen [3]. Zu den postmenopausalen Risikofaktoren zählen vor allem die Harninkontinenz, Restharn, Zystozelen-Bildung sowie eine positive Harnwegsinfektions-Anamnese vor der Menopause [8].

Diagnostik von Harnwegsinfekten

Im Vordergrund der Anamnese steht zunächst die gezielte Erhebung typischer Beschwerden, wie Dysurie, Pollakisurie und imperativer Harndrang. Ergänzend ist es sinnvoll, die subjektive Einschätzung der Patientin oder des Patienten einzubeziehen, da die Eigenvermutung einer Harnwegsinfektion eine hohe prädiktive Bedeutung haben kann. Gleichzeitig sollte aktiv nach vaginalen Beschwerden, wie Ausfluss, Juckreiz oder lokalen Irritationen, gefragt werden. Die Diagnose wird durch mindestens eine Urinkultur mit Erregernachweis bestätigt. Bildgebende Verfahren sind ausschließlich bei Verdacht auf komplizierte Verläufe indiziert. Bei rezidivierenden Harnwegsinfekten ist eine urologische Abklärung unerlässlich, um anatomische Ursachen systematisch auszuschließen zu können [2].

Therapie und Prävention

Bei der Therapie einer akuten unkomplizierten Zystitis steht die schnelle Reduktion der klinischen Symptome im Vordergrund [2]. In der Regel wird in dieser Situation auf eine kurzzeitige Antibiotika-Therapie zurückgegriffen. Bei der Auswahl sollte u. a. auf das Erregerspektrum, die Effektivität der antimikrobiellen Substanz sowie die individuelle Resistenzsituation bei Betroffenen geachtet werden [2]. Um rezidivierenden Harnwegsinfekten vorzubeugen, empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie eine antibiotische Langzeitprävention aufgrund der möglichen Resistenzentwicklung erst nach Versagen anderer Maßnahmen und bei hohem Leidensdruck [2]. Optional kann u. a. Methenamin (Cystohipp®), das bald in Deutschland erhältlich ist und sich als ähnlich wirksam wie eine Antibiotika-Prophylaxe erwiesen hat, genutzt werden [2, 9]. Daneben kann auch auf Immunprophylaxe (z. B. OM-89) oder Phytotherapie bzw. Naturheilmittel wie z. B. Cranberry-Produkte oder D-Mannose zurückgegriffen werden.


Quellen

  1. Advani SD et al.: Clin Infect Dis. 2025 Mar 17; 80(3): e31-e42.

  2. Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (Hrsg.): S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen – Aktualisierung 2024. Langversion, 3.0, AWMF-Registernummer: 043/044, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/043-044

  3. Ackerson BK et al.: The Journal of Infectious Diseases. 2024; 230(5): e1101–e1111.

  4. Schaeffer AJ, Nicolle LE. The New England Journal of Medicine. 2016; 374(6): 562–571.

  5. Drekonja DM et al.: JAMA Internal Medicine. 2013; 173(1): 62–68.

  6. Brubaker et al.: Female Pelvic Medicine & Reconstructive Surgery. 2018; 24(5): 321–335.

  7. Murray BO et al.: Front. Cell. Infect. Microbiol. 2021; 11: 691210.

  8. Raz R et al.: Clinical Infectious Diseases: An Official Publication of the Infectious Diseases Society of America. 2000; 30(1): 152–156.

  9. Fachinformation Cystohipp®; Stand: November 2025

  10. Schmiemann G et al.: Dtsch Arztebl Int. 2024; 121(11): 373–382.

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