Im Maschinenraum der Krebsforschung – wie Präzisionsmedizin, Zelltherapien und künstliche Intelligenz die Onkologie verändern
Krebs bleibt eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Weltweit ist die Erkrankung inzwischen für nahezu jeden sechsten Todesfall verantwortlich. Und die Zahl der Betroffenen wird weiter steigen: Bis 2050 rechnen Experten mit einem Anstieg der Krebsinzidenz um 57 %. Besonders beunruhigend ist dabei ein Trend, den Onkologen zunehmend beobachten: Immer häufiger erkranken auch jüngere Menschen.

Für die Forschung bedeutet das vor allem eines: Tempo. Neue Erkenntnisse müssen schneller in neue Therapien übersetzt werden. Entsprechend ambitioniert formuliert John C. Reed, Executive Vice President Innovative Medicine R&D bei Johnson & Johnson, das Ziel seiner Forscherteams: „Wir arbeiten unermüdlich daran, dem Krebs einen Schritt voraus zu sein, und werden nicht ruhen, bis alle Menschen diese Krankheit hinter sich gelassen haben.“ Doch wie realistisch ist ein solcher Anspruch?
Ein Blick in die Forschungslabore des Johnson-&-Johnson-Campus im belgischen Beerse zeigt, wie stark sich die Krebsmedizin derzeit verändert. Während klassische Krebstherapien häufig nach dem Prinzip „eine Behandlung für viele Patienten“ entwickelt wurden, steht heute die Präzisionsmedizin im Mittelpunkt. Tumoren werden immer genauer molekular charakterisiert, genetische Veränderungen identifiziert und daraus individuelle Behandlungsstrategien abgeleitet. „Wir erleben derzeit einen grundlegenden Wandel in der Krebsmedizin. Statt Tumoren allein nach ihrem Ursprungsorgan zu behandeln, verstehen wir immer besser die biologischen Mechanismen, die das Tumorwachstum antreiben. Dadurch können wir Therapien deutlich gezielter entwickeln“, sagt Ulrike Philippar, Global Head of Discovery Hematological & Solid Malignancies bei Johnson & Johnson. Angesichts der steigenden Erkrankungszahlen sei es entscheidend, völlig neue wissenschaftliche Wege zu beschreiten. Diese neuen Wege führen weit über klassische Chemotherapien hinaus.

Die nächste Generation der Krebsmedizin
Zu den vielversprechendsten Entwicklungen bei Johnson & Johnson gehören Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, multispezifische Antikörper und sogenannte Degrader-Technologien. Ihr gemeinsames Ziel: Krebszellen möglichst präzise zu erkennen und gezielt auszuschalten, während gesundes Gewebe weitgehend verschont werden soll.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhalten außerdem neue Wirkstoffklassen wie RIPTACs. Dabei handelt es sich um Moleküle, die gezielt Prozesse im Inneren von Krebszellen manipulieren und diese dadurch selektiv zerstören können. Ebenfalls in der Entwicklung befinden sich sogenannte Degrader Antibody Conjugates (DACs), die krankheitsrelevante Proteine direkt in Tumorzellen abbauen sollen.
Hinzu kommen neue Antikörpergenerationen, die mehrere Angriffspunkte gleichzeitig adressieren. Ein Beispiel dafür ist ein trispezifischer Antikörper, der in frühen klinischen Studien bei stark vorbehandelten Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom hohe Ansprechraten zeigte und darüber hinaus Aktivität bei bestimmten Lymphomen erkennen ließ.

Wenn die Therapie direkt im Körper entsteht
Noch futuristischer wirkt die Vision hinter den sogenannten In-vivo-CAR-T-Therapien. Bereits heute gehören CAR-T-Zelltherapien zu den bedeutendsten Innovationen in der Behandlung bestimmter Blutkrebserkrankungen. Bislang müssen hierfür Immunzellen von Patientinnen und Patienten entnommen, außerhalb des Körpers genetisch verändert und anschließend zurückgegeben werden. Forscher untersuchen, ob dieser aufwendige Herstellungsprozess teilweise entfallen könnte. Statt fertiger Zellen würde lediglich der genetische Bauplan für den künstlichen Rezeptor verabreicht. Die Umprogrammierung der T-Zellen fände direkt im Körper statt. Forschende hoffen, damit Behandlungen irgendwann schneller verfügbar und perspektivisch auch für mehr Patienten zugänglich machen zu können.
Künstliche Intelligenz als Beschleuniger
Parallel dazu hält künstliche Intelligenz Einzug in nahezu jede Phase der Arzneimittelentwicklung. Algorithmen analysieren riesige Datenmengen, identifizieren potenzielle Angriffspunkte für neue Medikamente und helfen dabei, erfolgversprechende Wirkstoffe schneller auszuwählen. Für Wissenschaftler ist dies ein entscheidender Hebel. Denn obwohl die molekularen Ursachen vieler Tumorerkrankungen inzwischen deutlich besser verstanden werden als noch vor wenigen Jahren, bleiben zahlreiche Krebsarten schwer behandelbar. Jede Verkürzung des Entwicklungsprozesses kann daher letztlich Leben retten.

Mehr als nur längeres Überleben
Bei allem technologischen Fortschritt geht es den Forschenden jedoch um mehr als neue Wirkmechanismen. Das eigentliche Ziel sei es, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und ihnen mehr Zeit zu schenken. Die Forschungspipeline reicht heute von Menin-Inhibitoren gegen akute myeloische Leukämie über neuartige Immuntherapien bis hin zu zielgerichteten Ansätzen gegen Prostatakrebs. Viele dieser Projekte befinden sich noch in klinischer Entwicklung. Einige könnten jedoch schon in den kommenden Jahren die Behandlung bestimmter Tumorarten grundlegend verändern. Ob daraus eines Tages tatsächlich eine Welt entsteht, in der Krebs seinen Schrecken verliert, kann heute niemand vorhersagen. Doch der wissenschaftliche Fortschritt der vergangenen Jahre zeigt: Die Werkzeuge, mit denen Forscher Krebs bekämpfen, werden immer präziser. Und genau darin liegt die Hoffnung von Millionen Patientinnen und Patienten weltweit.
Quelle: live media site visit at the Johnson & Johnson (J&J) Campus in Belgium „Johnson & Johnson: R&D Visit „Oncology Innovation Unveiled: Inside the Breakthroughs Transforming Patient Care“, 29th of September 2026 in Beerse; Veranstalter: Johnson & Johnson GmbH
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