Adipositas in der Gynäkologie: Die Abwärtsspirale verlassen
Fast jede fünfte Frau in Deutschland lebt mit Adipositas und damit potenziell einer Verstärkung gynäkologischer Krankheitsbilder ausgesetzt. Die Folgen reichen von Fertilitätsstörungen bis hin zu stark erhöhten kardiometabolischen Risiken. Erfahren Sie am Beispiel des polyendokrinen metabolischen Ovarialsyndroms (PMOS, vormals PCOS), wie Sie Adipositas in der gynäkologischen Praxis konkret angehen können.

Ein Blick in das Wartezimmer einer gynäkologischen Praxis zeigt: Adipositas ist auch in der Frauenheilkunde angekommen. Fast jede fünfte Frau in Deutschland lebt mit Adipositas, fast jede zweite ist übergewichtig [1]. Dabei ist Adipositas mit mehr als 200 Folge- und Begleiterkrankungen assoziiert [2, 3]. Besonders deutlich wird dies beim polyendokrinen metabolischen Ovarialsyndrom (PMOS – vormals PCOS), bei dem etwa jede zweite Patientin übergewichtig oder adipös ist [4].
Neuer Name, altes Problem
Dies hat sich nun auch auf die Nomenklatur ausgewirkt, denn für PCOS hat ein internationales Fachgremium die Namensänderung zu PMOS festgelegt [5]. Die Abkürzung steht für polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom, und das Gremium begründete dies damit, dass dem Syndrom endokrine Störungen zugrunde liegen, und dies neben neuroendokrinen und ovariellen Hormonen auch Androgene und Insulin umfasse [5]. Bei dem Begriff PMOS steht demnach die Ursache der Störung des gesamten hormonellen und metabolischen Gleichgewichts im Zentrum.
Und das Wechselspiel aus Adipositas und hormoneller Dysregulation hat erhebliche Konsequenzen: Bis zu 73 % der Fertilitätsprobleme bei Frauen könnten auf PMOS zurückgehen [6]. Zudem gilt das PMOS als eigenständiger Risikofaktor für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Pathologien: Liegt zusätzlich eine Adipositas vor, wird das Risiko für diese Erkrankungen weiter erhöht [7]. Die noch in der alten Nomenklatur verfasste deutsche Leitlinie empfiehlt daher die Gewichtsreduktion als zentralen therapeutischen Baustein. Verbessern sich Zyklusstörungen und Anovulation durch einen Gewichtsverlust, erholt sich auch die Reproduktionsfunktion wieder spürbar [7].
Obwohl die physiologischen Voraussetzungen zur Gewichtsabnahme bei Frauen mit PMOS im speziellen nicht gestört sind, führen konservative Diäten bei manifester Adipositas oft nicht zum Erfolg. Das liegt nicht an mangelnder Disziplin der Frauen, sondern an der starken biologischen Gegenregulation des Körpers [7–9]. Umso wichtiger ist es, diesen Teufelskreis in der Praxis zu beenden. Für Patientinnen bedeutet eine erfolgreiche Gewichtsreduktion weit mehr als eine verbesserte Ausgangslage: Sie gewinnen ein großes Stück Lebensqualität und Selbstbestimmung zurück.
Wie kann eine Adipositas-Therapie angesprochen werden?
Viele betroffene Frauen haben eine lange Historie von gescheiterten Diätversuchen über Schuldzuweisungen bis hin zu Stigmatisierungen hinter sich. Umso wichtiger ist daher im Beratungsgespräch ein wertschätzender und empathischer Gesprächseinstieg: Mit einer offenen Frage wie „Darf ich mit Ihnen über Ihr Gewicht sprechen?“ respektieren Sie die Grenzen der Patientin und nehmen den Druck aus der Situation. Für die Gesprächsführung hat sich dabei das klinisch validierte 5A-Modell (Ask, Assess, Advise, Agree, Assist) in der Praxis bewährt [10].

Wie wird eine zeitgemäße Adipositas-Therapie gestartet?
Der Start einer Adipositas-Behandlung ist ohne aufwändige Diagnostik möglich: Erfasst werden sollten Body Mass Index (BMI), Taillenumfang als Maß für das Viszeralfett und Blutdruck. Ein Basis-Labor kann hilfreich sein und sollte gegebenenfalls der Patientin empfohlen bzw. in der Hausarztpraxis angefragt werden (kleines Blutbild, Nüchternblutzucker, HbA1c-Wert, Sexualhormonen, Lipidprofil, Nieren- und Leberwerte).
Für die PCOS-Leitlinie hat das Gewichtsmanagement einen hohen Stellenwert und sollte in der Therapie stets beachtet werden. Die Leitlinie empfiehlt bei Frauen mit Übergewicht bzw. Adipositas zunächst eine multimodale Basistherapie aus Ernährung, Bewegung und Verhaltensmodifikation [7]. Führen diese Lebensstilmaßnahmen nach drei bis sechs Monaten nicht zu einer gewünschten Gewichtsreduktion, sollte über eine medikamentöse Eskalation nachgedacht werden.
Zur medikamentösen Gewichtsreduktion nennt die Leitlinie aufgrund ihrer Wirksamkeit auch inkretinbasierte Medikamente [7], zumal diese bei Frauen oft stärker wirken als bei Männern [11]. Für die Verordnung von Inkretinanaloga sollten Sie bei Patientinnen im reproduktiven Alter grundsätzlich auf eine sichere Kontrazeption achten und die Therapie bei konkretem Kinderwunsch rechtzeitig absetzen [7].
Warum ist besonders Mounjaro® [12, *] so gut für die Adipositas-Therapie geeignet?
Für die Leitlinienautor:innen sind Inkretinanaloga aber nicht nur eine wirksame Option zur Gewichtsreduktion. Denn sie verbessern auch metabolische und kardiovaskuläre Parameter und haben positive Effekte auf Hormonspiegel und nachfolgend auf Ovulations- und Schwangerschaftsraten [7]. Damit profitieren Patient:innen von den Folgen einer starken Gewichtsreduktion ganzheitlich und können sicht- und spürbare Ergebnisse bei der Therapie der Adipositas und ihrer Komorbiditäten erzielen.
Die aktuelle PCOS-Leitlinie empfiehlt u.a. den GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonisten Mounjaro® (Tirzepatid) zur Gewichtsreduktion bei Adipositas [7]. Mounjaro® fördert das Sättigungsgefühl, verzögert die Magenentleerung und verbessert die Insulinsensitivität [12, 13]. Gegenüber einem reinen GLP-1-Rezeptor-Agonisten wirkt es durch die zusätzliche GIP-Aktivität auch direkt am weißen Fettgewebe [12]. Mit diesem einzigartigen Wirkmechanismus wurden in der Zulassungsstudie bei Menschen mit Adipositas durchschnittliche Gewichtsreduktion nach 72 Wochen von 22,5 % [a, b] erzielt [12, 14]. Eine Gewichtsreduktion um 5–10 % des Ausgangsgewichtes zeigt bereits positive Effekte auf verschiedene Parameter des PCOS [7].
Im direkten Vergleich (Open-label-Studie [c]) mit dem GLP-1-Rezeptor-Agonist Semaglutid (Wegovy®) zeigte Mounjaro® eine überlegene Reduktion von Körpergewicht und Taillenumfang und eine Verbesserung kardiometabolischer Parameter wie Blutdruck, Serumtriglyzeride, HDL- und LDL-Cholesterin [15, d]. Dabei besitzt Mounjaro® ein vergleichbares Nebenwirkungsprofil wie reine GLP-1-Rezeptor-Agonisten.
Wie wird Mounjaro® dosiert?
Die patientenindividuelle Einstellung erfolgt schrittweise: Gestartet wird mit 2,5 mg einmal wöchentlich subkutan. Bereits nach 4 Wochen wird auf die erste Erhaltungsdosis von 5 mg erhöht – durch die gegenüber Semaglutid kürzere Therapieeinleitung können Zielwerte mit Mounjaro® schneller und mit weniger Dosiseskalationen erreicht werden [12, 16]. Falls benötigt, kann die Dosis alle vier Wochen um 2,5 mg gesteigert und auf die Erhaltungsdosen 10 mg bzw. 15 mg eingestellt werden. Die maximale Wochendosis liegt bei 15 mg.
Ist die Therapie mit Mounjaro® erstattungsfähig?
Da Adipositas-Medikamente in Deutschland nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, erfolgt die Verordnung auf Privatrezept (Selbstzahlerleistung). Eine proaktive Transparenz bei den Kosten hilft den Patientinnen bei der Entscheidungsfindung. Ärztliche Beratungs- und Untersuchungsleistungen können als IGeL-Leistung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet werden.
Jetzt informieren, um eine Adipositas-Therapie erfolgreich einzuleiten
Hürden abbauen und direkt loslegen: Unsere speziell für Fachkreise entwickelte Adipositas-Beratungsmappe nimmt Sie an die Hand. Sie enthält Hintergrundinformationen rund um die Erkrankung Adipositas, praxisnahe Gesprächsleitfäden, Labor-Checklisten, konkrete GOÄ-Abrechnungstipps und Hands-on-Informationen zum Einsatz von Mounjaro®. Das Bestellformular finden Sie hier!
CMAT-29602
Fußnoten
[*] Mounjaro® (Tirzepatid) ist angezeigt als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Diät und erhöhter körperlicher Aktivität zum Gewichtsmanagement, einschließlich Gewichtsabnahme und Gewichtserhaltung, bei Erwachsenen mit einem Ausgangs-BMI von ≥ 30 kg/m2 (Adipositas) oder ≥ 27 kg/m2 bis < 30 kg/m2 (Übergewicht) bei Vorliegen mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung (z.B. Hypertonie, Dyslipidämie, obstruktive Schlafapnoe, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes mellitus) [12].
[a] p < 0,001 gegenüber Placebo nach 72 Wochen für Mounjaro® 15 mg (Wirksamkeitsestimand) [12, 14]
[b] Bei kalorienreduzierter Ernährung und erhöhter körperlicher Aktivität[14].
[c] Studienmedikation nicht verblindet: Probanden wussten, ob Mounjaro® oder Wegovy® verabreicht wurde (Open-Label). Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die fehlende Verblindung auf die Ergebnisse und Validität der Studie ausgewirkt hat. Kein Placebo-Arm in Studie vorhanden. Semaglutid 7,2 mg wurde in dieser Studie nicht untersucht [15].
[d] p < 0,001 nach 72 Wochen (Wirksamkeitsestimand) [15].
Quellen
Robert-Koch-Institut. Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA 2019/2020-EHIS). https://public.tableau.com/app/profile/robert.koch.institut/viz/Gesundheit_in_Deutschland_aktuell/GEDA_20192020-EHIS (letzter Zugriff: 17.04.2026)
Horn DB, Almandoz JP. Postgrad Med. 2022; 134(4): 359–375.
Fitch AK, Bays HE. 2022. Obes Pillars. 2022; 15: 1: 100004.
Glueck CJ, et al. Metabolism. 2019; 92: 108–120.
Teede H, et al. The Lancet. 2026; 0 In press.
Stanczak NA, et al. Ann Med. 2024; 56(1): 2357737.
DGE, BDI. S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS)“. Version 1.1 (August 2024), gültig bis August 2029. AWMF 089-004.
DAG, DDG, DGE, DGEM. Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas“. Version 5.0 (Oktober 2024), gültig bis Oktober 2029. AWMF 050-001.
Blüher M. Diabetes Obes Metab. 2025; 27(Suppl. 2): 3–19.
Vallis M, et al. Can Fam Physician. 2013; 59(1): 27–31.
Alexander GC, et al. JAMA Intern Med. 2026: e258222.
Fachinformation Mounjaro®, aktueller Stand.
Heise T, et al. Lancet Diabetes Endocrinol. 2022; 10(6): 418-429.
Jastreboff AM, et al. N Engl J Med. 2022; 387(3): 205–216.
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