Gewicht als zentraler Hebel: Den kardiometabolischen Dominoeffekt frühzeitig stoppen
Übergewicht, erhöhter Blutzucker und Hypertonie sind meist der Anfang eines kardiometabolischen Dominoeffekts. Experten fordern ein Umdenken sowie ein frühes Gewichtsmanagement bei Typ-2-Diabetes und Adipositas. Erfahren Sie mehr.

Übergewicht, ein leicht erhöhter HbA1c-Wert und ein steigender Blutdruck sind Standard-Diagnosen in hausärztlichen Praxen. Was häufig isoliert betrachtet und behandelt wird, ist meist miteinander assoziiert und der Beginn eines fatalen Dominoeffekts, des sogenannten kardiometabolischen Kontinuums. Es beschreibt ein progredientes Syndrom, das mit Übergewicht oder Adipositas beginnt. Am Ende stehen kardiovaskuläre Erkrankungen, die hierzulande die Todesursache Nr. 1 sind [1, 2]. Trotz hoher steigender Gesundheitsausgaben besteht in Deutschland im Vergleich zu den Nachbarländern ein erhöhtes Risiko, daran zu versterben [2]. Deshalb fordern führende Expert:innen ein Umdenken: Ziel müsse eine frühzeitige, effektive Gewichtsreduktion sein, um den Dominoeffekt aus metabolischen Risiken wie Typ-2-Diabetes und schweren kardiovaskulären Ereignissen zu stoppen.
Mounjaro®: Das kardiometabolische Kontinuum durchbrechen
Als erster und einziger dualer GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist greift Mounjaro® [3, *] (Tirzepatid) gezielt an der Wurzel des Problems an. Durch seine GIP-Aktivität besitzt der Wirkstoff spezifische positive Effekte auf das metabolisch hochaktive viszerale Fett [3, 4]. Studiendaten belegen, dass Mounjaro® tief an den Mechanismen des kardiometabolischen Kontinuums ansetzt: In der Studie SURMOUNT-1 führte Mounjaro® bei Erwachsenen mit Adipositas nach 72 Wochen zu einer mittleren Gewichtsreduktion von 22,5 % [a, 3, 4]. Auch andere Folgeerkrankungen von Adipositas werden positiv beeinflusst, beispielsweise Herzinsuffizienz (HFpEF) und obstruktive Schlafapnoe [5, 6].
Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, „das kardiometabolische Kontinuum im Gesamten zu betrachten und früh zu intervenieren“, betont PD Dr. Martin Füchtenbusch, München, und erläutert weiter: „Starkes Übergewicht ist ein zentraler Risikofaktor für Entstehung und Progression des Typ-2-Diabetes. Die Daten zu Tirzepatid liefern uns die Rationale, mit dieser effektiven Therapie das Gewichtsmanagement bei Typ-2-Diabetes so früh wie möglich zu adressieren, um rechtzeitig Progression und Folgeerkrankungen vorzubeugen.“
Nationale und internationale Leitlinien zum Typ-2-Diabetes empfehlen eine frühzeitige Therapie, die besonders das Gewichtsmanagement in den Vordergrund stellt [7, 8]. Da Mounjaro® die Insulinsensitivität verbessert, ist der GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist für viele Menschen mit Typ-2-Diabetes eine wirksame kausale Therapie [7, 9]. Die überlegene Wirksamkeit des dualen Agonisten bei der HbA1c- und Gewichtsreduktion spricht dabei klar für einen frühen therapeutischen Einsatz [10, b].
Dass sich dies auch langfristig lohnt, zeigen Daten zum kardiovaskulären Nutzen [11, 12, c] des Wirkstoffs: In einem präspezifizierten indirekten Vergleich bei Menschen mit Typ-2-Diabetes war Mounjaro® gegenüber Placebo mit einer Reduktion des Risikos für MACE um 28 % (HR 0,72; 95%-KI 0,55–0,94) [11, 12, 13, d] sowie mit einer mit einer Reduktion der Gesamtsterblichkeit von 39 % assoziiert (HR 0,61; 95%-KI 0,45–0,82) [13, d].
Fazit
Die Verbindung zwischen Adipositas und kardiovaskulären Folgeerkrankungen ist tief in der Pathophysiologie verankert. Die mit Adipositas einhergehende Dysfunktion des Fettgewebes löst Entzündungsprozesse sowie die Freisetzung atherogener Signale aus, welche die Gefäßfunktion beeinträchtigen und so das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen können [13]. Genau hier greift der Wirkmechanismus von Mounjaro® an, wie Dr. Berkan Kurt aus der Kardiologie der Uniklinik Aachen, zusammenfasst: „Inkretinbasierte Therapien wie Tirzepatid entfalten ihre Wirkung auch über antiinflammatorische Mechanismen entlang des gesamten Spektrums kardiometabolischer Erkrankungen. Umso wichtiger ist es, präventive Strategien frühzeitig einzuleiten.“ Damit ist klar: Die frühzeitige und kausale Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes kann das kardiometabolische Kontinuum nachhaltig durchbrechen – und die Weichen auf ein gesünderes, längeres Leben stellen.
CMAT-21255
Fußnoten:
[*] Mounjaro® (Tirzepatid) ist angezeigt zur Behandlung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 10 Jahren mit unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes als Ergänzung zu Diät und Bewegung als Monotherapie, wenn die Einnahme von Metformin wegen Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen nicht angezeigt ist, zusätzlich zu anderen Arzneimitteln zur Behandlung von Diabetes mellitus; sowie als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Diät und erhöhter körperlicher Aktivität zum Gewichtsmanagement, einschließlich Gewichtsabnahme und Gewichtserhaltung, bei Erwachsenen mit einem Ausgangs-BMI von ≥ 30 kg/m2 (Adipositas) oder ≥ 27 kg/m2 bis < 30 kg/m2 (Übergewicht) bei Vorliegen mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung (z. B. Hypertonie, Dyslipidämie, obstruktive Schlafapnoe, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes mellitus) [3].
[a] Mittlere Veränderung des Körpergewichts (%) vom Ausgangswert unter Tirzepatid 15 mg nach 72 Wochen. Bei kalorienreduzierter Ernährung und erhöhter körperlicher Aktivität [3, 4].
[b] Explorative Post-Hoc-Analyse des SURPASS-Studienprogramms [10].
[c] SURPASS-CVOT ist eine doppelblinde, aktiv-kontrollierte Nicht-Unterlegenheitsstudie, in der Tirzepatid mit Dulaglutid 1,5 mg verglichen wurde. Der primäre Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall) trat bei 12,2 % (Tirzepatid) gegenüber 13,1 % (Dulaglutid) der Patienten auf (HR 0,92; 95,3 %-KI 0,83–1,01). Die obere Grenze des Konfidenzintervalls lag unterhalb der präspezifizierten Nicht-Unterlegenheitsgrenze von 1,05 (p = 0,003 für Nicht-Unterlegenheit). Tirzepatid erzielte keine statistische Überlegenheit gegenüber Dulaglutid (p = 0,09). Die Nicht-Unterlegenheitsgrenze von 1,05 wurde im Studiendesign so gewählt, dass das Erreichen dieser Grenze – unter Berücksichtigung des nachgewiesenen kardiovaskulären Nutzens von Dulaglutid [e] gegenüber Placebo aus der REWIND-Studie sowie einer Bayesianischen hierarchischen Meta-Analyse von sechs GLP-1-RA-CVOTs – gleichzeitig die kardiovaskuläre Sicherheit gegenüber Dulaglutid als auch den kardioprotektiven Nutzen von Tirzepatid gegenüber einem putativen Placebo belegt. Ein direkter Nachweis des kardiovaskulären Nutzens gegenüber Placebo wurde in SURPASS-CVOT nicht erbracht; der Nutzen-Claim leitet sich ausschließlich aus diesem inferentiellen, präspezifizierten, aktiv-kontrollierten Studiendesign ab.
[d] SURPASS-CVOT: doppelblinde, aktiv-kontrollierte Nicht-Unterlegenheitsstudie (Tirzepatid vs. Dulaglutid 1,5 mg). Primärer Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall): 12,2 % Tirzepatid vs. 13,1 % Dulaglutid (HR 0,92; 95,3 %-KI 0,83 – 1,01; p = 0,003 für Nicht-Unterlegenheit; p = 0,09 für Überlegenheit). Die Nicht-Unterlegenheitsgrenze gegenüber Dulaglutid von 1,05 wurde präspezifiziert so gewählt, dass ihr Erreichen – auf Basis des nachgewiesenen kardiovaskulären Nutzens von Dulaglutid [e] gegenüber Placebo (REWIND) und einer Bayesianischen Meta-Analyse von sechs GLP-1-RA-CVOTs – gleichzeitig kardiovaskuläre Sicherheit gegenüber Dulaglutid und kardioprotektiven Nutzen gegenüber einem putativen Placebo belegt. Ein direkter Wirksamkeitsnachweis gegenüber Placebo wurde in SURPASS-CVOT nicht erbracht; der Nutzen-Claim leitet sich ausschließlich aus diesem präspezifizierten inferentiellen Studiendesign ab.
In einer präspezifizierten explorativen indirekten Vergleichsanalyse unter Verwendung von Daten aus SURPASS-CVOT und der REWIND-Studie (Propensity-Score-adjustiert) war Tirzepatid gegenüber einem imputierten Placebo mit einer Reduktion von MACE-3 (HR 0,72; 95 %-KI 0,55–0,94), kardiovaskulärem Tod oder Herzinsuffizienzereignissen (HR 0,70; 95 %-KI 0,51–0,96) sowie der Gesamtsterblichkeit (HR 0,61; 95 %-KI 0,45–0,82) assoziiert. Dieser Vergleich beruht auf einer indirekten Methodik und ist daher in seinen Schlussfolgerungen durch studienübergreifende Unterschiede – insbesondere hinsichtlich SGLT-2-Inhibitor-Nutzung, Einschlusskriterien und Studienzeitpunkt – limitiert.
[e] Belegt durch eine placebokontrollierte, doppelblinde kardiovaskuläre Langzeit-Outcome-Studie REWIND, bei welcher Patienten mit Typ-2-Diabetes und unterschiedlich hohem kardiovaskulären Risiko (Alter ≥ 50 Jahre und klinisch manifeste Gefäßerkrankung, Alter ≥ 55 Jahre und subklinische Gefäßerkrankung; Alter ≥ 60 Jahre und Zutreffen von mind. 2 weiteren Risikofaktoren) [14] Dulaglutid 1,5 mg oder Placebo jeweils in Kombination mit einer Standardtherapie verabreicht wurde [15].
Quellen:
Ndumele, CE et al.: Circulation. 2023; 148:1606–1635
Das deutsche Gesundheitswesen im europäischen Vergleich, Stand: 08.08.2024 https://www.vdek.com/magazin/ausgaben/2024-04/gesundheitswesen-deutschland-europa-vergleich.html (letzter Zugriff: 17.03.2026)
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