Kardiovaskuläre Risikoreduktion: Update für die Therapie des Typ-2-Diabetes
Aktuelle Studienergebnisse haben das Potenzial die Therapie des Typ-2-Diabetes (T2D) nachhaltig zu verändern – und den Blick nun auch auf Herz und Niere lenken. Eine Entwicklung, die sich auch in den DDG-Praxisempfehlungen widerspiegelt. Hier klicken, um mehr Details zu erfahren.

Zur Behandlung des Typ-2-Diabetes empfehlen Fachgesellschaften eine frühzeitige und effektive Intervention, um Blutzucker- und Gewichtsziele zu erreichen und das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen zu verringern [1, 2].
Der GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist Mounjaro® [3, a] kann hier neue Maßstäbe setzen, die auch im Zusammenhang mit der direkten Wirkung des Inkretinhormons GIP (glucoseabhängiges insulinotropes Peptid) auf Adipozyten des weißen Fettgewebes stehen [4, 5]. Damit hebt sich der Wirkstoff von der Aktivität reiner Rezeptor-Agonisten des Inkretins GLP-1 (glucose-like peptide 1) ab.
Mounjaro® wurde in der Studie SURPASS-CVOT direkt mit dem GLP-1-Rezeptor-Agonisten Dulaglutid (Trulicity®) [6] verglichen. Dulaglutid diente dabei als aktiver Komparator, da für diesen Wirkstoff bereits eine signifikante Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber Placebo in der REWIND-Studie gezeigt worden war [7, b]. Die kardiovaskuläre Langzeitstudie wurde über eine mediane Laufzeit von vier Jahren mit mehr als 13.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes durchgeführt, bei denen zu Studienbeginn bereits eine atherosklerotische Erkrankung vorlag [8, c].
Die Ergebnisse der Studie belegen die kardiovaskuläre Risikoreduktion durch Mounjaro® [3, d, e]. Darüber hinaus wurden in der Studie SURPASS-CVOT positive assoziierte Effekte auf die Niere beobachtet: In einer Studiensubgruppe von Menschen mit Typ-2-Diabetes und hohem bis sehr hohem Risiko für chronische Nierenerkrankungen [9, 10] zeigte Mounjaro® eine signifikant geringere Reduktion der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) [3, f].
Starke Blutzucker- und Gewichtssenkung
In SURPASS-CVOT führte die Gabe von Mounjaro® auch zu einer stärkeren HbA1c- und Gewichtsreduktion gegen-über Dulaglutid [8]. Die starke Wirksamkeit auf Blutzucker und Körpergewicht wurde bereits in der zulassungsrelevanten Studie SURPASS-2 gezeigt: Dabei erzielte Mounjaro® eine überlegene HbA1c-Senkung und Gewichtsreduktiong gegenüber Semaglutid 1 mg bei vergleichbarer Verträglichkeit [11, h].
Eine Studie für die kardiometabolische Praxis
Die Erkenntnisse aus der Studie SURPASS-CVOT haben mittlerweile auch in der Praxisempfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Anwendung gefunden. Die DDG attestiert Mounjaro® in ihrer 2026 aktualisierten Praxisempfehlung eine Verbesserung kardiovaskulärer und renaler Endpunkte und erweiterte ihren Therapiealgorithmus: Bereits zuvor hatte sie Mounjaro® als Zweitlinientherapie nach Metformin für eine starke Blutzucker- und Gewichtskontrolle bei Typ-2-Diabetes empfohlen. Dies gilt nun unabhängig davon, ob eine kardiovaskuläre Vorerkrankung besteht oder nur ein niedriges Risiko vorliegt [1].
CMAT-45243
Fußnoten
[a] Mounjaro® (Tirzepatid) ist angezeigt zur Behandlung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 10 Jahren mit unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes als Ergänzung zu Diät und Bewegung als Monotherapie, wenn die Einnahme von Metformin wegen Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen nicht angezeigt ist, zusätzlich zu anderen Arzneimitteln zur Behandlung von Diabetes mellitus. Die Veränderung des Körpergewichts war ein sekundärer Endpunkt in den SURPASS -Studien. Mounjaro® (Tirzepatid) ist nicht zugelassen zur Reduktion des Risikos kardiovaskulärer Ereignisse [3].
[b] Belegt durch eine placebokontrollierte, doppelblinde kardiovaskuläre Langzeit-Outcome-Studie REWIND, bei welcher Patienten mit Typ-2-Diabetes und unterschiedlich hohem kardiovaskulären Risiko (Alter ≥ 50 Jahre und klinisch manifeste Gefäßerkrankung, Alter ≥ 55 Jahre und subklinische Gefäßerkrankung; Alter ≥ 60 Jahre und Zutreffen von mind. 2 weiteren Risikofaktoren) [1] Dulaglutid 1,5 mg oder Placebo jeweils in Kombination mit einer Standardtherapie verabreicht wurde [6, 7, 9].
[c] Bestehende atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung, einschließlich ≥ 1 der folgenden Erkrankungen: Koronare Herzkrankheit, zerebrovaskuläre Erkrankung oder periphere arterielle Verschluss-krankheit (jeweils gemäß Protokolldefinition) [8].
[d] Bei erwachsenen Patienten mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes mellitus und nachgewiesener kardiovaskulärer Erkrankung war Tirzepatid Dulaglutid hinsichtlich der Reduktion des Auftretens von MACE mit einer Hazard Ratio von 0,92 nicht unterlegen (95,3 % KI: 0,83; 1,01; die Nicht-Unterlegenheitsmarge wurde auf 1,05 festgelegt). Dieses Ergebnis belegte den Nutzen einer kardiovaskulären Risikoreduktion durch Tirzepatid [3].
[e] Tirzepatid ist nicht zugelassen zur Reduktion des Risikos kardiovaskulärer Ereignisse [3].
[f] Bei erwachsenen Patienten mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes mellitus und nachgewiesener kardiovaskulärer Erkrankung. In Monat 36 wurde in der Tirzepatid-Behandlungsgruppe eine signifikant geringere Reduktion der eGFR bei Teilnehmern mit hohem und sehr hohem CKD-Risiko [2] (-4,50 ml/min/1,73 m2) als in der Dulaglutid-Behandlungsgruppe (-8,40 ml/min/1,73 m2) beobachtet. Der geschätzte Unterschied betrug 3,90 ml/min/1,73 m2 (95 % CI: 2,90 bis 5,00), was eine klinisch bedeutsame langsamere Progression der eGFR-Abnahme für die Tirzepatid-Gruppe im Vergleich zu Dulaglutid zeigt.
[g] Die Veränderung des Körpergewichts war ein sekundärer Endpunkt in den SURPASS-Studien [3].
[h] p < 0,001 für Überlegenheit, adjustiert für Multiplizität [11].
Quellen
Gallwitz B, et al. Exp Clin Endocrinol Diabetes 2026; 134: 99–114.
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeits-gemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes – Langfassung. Version 3.0. 2023. DOI: 10.6101/AZQ/000503. https://www.leitlinien.de/themen/diabetes .
Fachinformation Mounjaro®, aktueller Stand.
Samms RJ, et al. Trends Endocrinol Metab. 2020; 31(6): 410–421.
Rudovich, N, et al. Regul. Pept. 2007; 142: 138–145.
Fachinformation Trulicity®, aktueller Stand.
Gerstein HC, et al. Lancet. 2019; 394(10193): 121–130.
Nicholls SJ et al., N Engl J Med 2025;393:2409–2420.
Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 clinical practice guideline for the evaluation and management of chronic kid-ney disease. Kidney Int 2024;105: S117–S314.
Zoungas S. et al, Lancet Diabetes Endocrinol. 2026; S2213-8587.
Frias JP, et al. N Engl J Med. 2021; 385: 503–515.
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