Synergieeffekte nutzen: Adipositas-Therapie in der dermatologischen Praxis
Adipositas gilt als aktiver Treiber vieler chronisch-entzündlicher Dermatosen. Entdecken Sie, welche Vorteile eine parallel durchgeführte Gewichtsreduktion bei Menschen mit Adipositas für dermatologische Therapien haben kann.

Im klinischen Alltag wird oft sichtbar, welche Bedeutung eine Gewichtsreduktion für Menschen mit dermatologischen Erkrankungen haben kann: Eine Patientin mit ausgeprägter Psoriasis und schwerer Adipositas berichtet, dass sie nach erfolgreichem Gewichtsverlust erstmals seit Jahren wieder T-Shirt und Shorts trägt – statt ihren Körper wie zuvor unter langer Kleidung zu verbergen. Ihre verbesserte Lebensqualität spiegelt die tiefgreifenden physischen und psychischen Auswirkungen der Adipositas wider. Die medizinische Relevanz dieser Zusammenhänge bestätigt Dr. Florian Schenck, Hannover:
Sichtbare und unsichtbare Belastungen
Die dermatologischen Auswirkungen der Adipositas sind vielschichtig und multifaktoriell [1]: Das überschüssige Fettgewebe übt mechanischen Druck aus und in den feucht-warmen Bereichen vergrößerter Hautfalten werden infektiöse Erkrankungen begünstigt. Besonders das pathologische weiße Fettgewebe des Bauchraums, das Viszeralfett, wirkt als aktives immunologisches Organ. Durch die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine kann es systemische Entzündungsprozesse fördern und chronisch-entzündliche Dermatosen begünstigen oder verstärken. Außerdem begünstigen Insulinresistenz und zunehmende hormonelle Dysbalancen akneiforme Erkrankungen [1]. Neben der körperlichen Belastung leiden Betroffene häufig unter einer zunehmenden Scham und einer sozialen Isolation, während gleichzeitig die Lebensqualität und die Motivation zur Verhaltensänderung schwindet [2, 3]. Eine begleitende Gewichtsreduktion kann bei Patientinnen und Patienten mit Adipositas den Erfolg dermatologischer Therapien unterstützen – in der Praxis profitieren Betroffene dabei auf vielen Ebenen (s. Abbildung 1).

Die Entstigmatisierung von Menschen mit Adipositas ist der erste und entscheidende Schritt auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Adipositas-Therapie. Adipositas ist eine komplexe, multifaktorielle, chronische Erkrankung und nicht das Ergebnis mangelnder Disziplin. Gerade in der dermatologischen Praxis, in der körperliche Untersuchungen notwendig sind, entsteht eine empathische Beziehung – eine gute Basis für ein vertrauensvolles Gespräch über Therapieoptionen. Dr. Florian Schenck benennt jedoch die praktische Herausforderung: „Aus meiner Sicht wäre eine Anleitung zu Lebensstilinterventionen für eine nachhaltige Gewichtsreduktion wichtig. Dies ist allerdings im Rahmen einer normalen Sprechstunde nur schwer auflösbar – fast alle Menschen mit Adipositas haben bereits mehrfach erfolglos versucht abzunehmen.“
Mounjaro®: Gewichtsreduktion und Senkung inflammatorischer Biomarker [8]
Genau hier setzen moderne pharmakologische Lösungen an, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Aus Sicht von Dr. Florian Schenck bieten sie einen vielversprechenden Ansatz: „Moderne Inkretinanaloga wie Tirzepatid können inzwischen eine klinisch relevante und stabile Gewichtsreduktion ermöglichen – und dies sprechen wir im Moment zumindest in aller Regel aktiv an. Entscheidend ist, dass die Therapie langfristig angelegt ist, zu Lebensstiländerungen animiert und nicht als kurzfristige Maßnahme verstanden wird“.
Aber warum gerade Tirzepatid (Mounjaro®) [9, *]? Der duale GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist (RA) aktiviert die Rezeptoren beider Inkretinhormone gleichermaßen und kann über seine GIP-Aktivität das Fettgewebe direkt beeinflussen [9]. Klinische Daten belegen eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 22,5 % über 72 Wochen [a], positive Effekte auf kardiometabolische Parameter sowie auf schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Prädiabetes oder Schlafapnoe [9-12]. Auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Menschen mit Adipositas verbesserte sich [10]. In der Studie SURMOUNT-5 (Open-Label-Studie) zeigte Mounjaro® in der maximal tolerierten Dosis (MTD 10 mg oder 15 mg) gegenüber dem GLP-1-RA Semaglutid (MTD 1,7 mg oder 2,4 mg) eine überlegene Gewichtsreduktion und Abnahme des Taillenumfangs [13, b, c]. Darüber hinaus wurde unter Mounjaro® in klinischen Studien eine dosisabhängige Reduktion des hochsensitiven C-reaktiven Proteins (hsCRP), eines Biomarkers systemischer Entzündungsaktivität, beobachtet [8]. Der mögliche Stellenwert von Mounjaro® liegt daher in der additiven Behandlung von Patientinnen und Patienten mit metabolischen Störungen sowie in der Verbesserung systemischer Entzündungs- und Gewichtsparameter.
Zwar gelten medikamentöse Therapien zur Regulierung des Körpergewichts als „Lifestyle-Arzneimittel“ und sind mangels Kostenerstattung eine Selbstzahlerleistung, Praxen können diese spezialisierte Behandlung jedoch als IGeL-Leistung auf Basis der Adipositas-Diagnose anbieten. Eine begleitende Gewichtsreduktion kann den Verlauf bestehender Hauterkrankungen positiv beeinflussen und damit den dermatologischen Therapieerfolg verbessern. Unterstützen Sie Ihre Patientinnen und Patienten auf dem Weg in ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben mit unserem Praxisleitfaden für die Adipositas-Therapie. Hier bestellen.
CMAT-54614
Fußnoten
[*] Mounjaro® (Tirzepatid) ist angezeigt zur Behandlung von Erwachsenen als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Diät und erhöhter körperlicher Aktivität zum Gewichtsmanagement, einschließlich Gewichtsabnahme und Gewichtserhaltung, bei Erwachsenen mit einem Ausgangs-BMI von ≥ 30 kg/m2 (Adipositas) oder ≥ 27 kg/m2 bis < 30 kg/m2 (Übergewicht) bei Vorliegen mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung (z. B. Hypertonie, Dyslipidämie, obstruktive Schlafapnoe, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes mellitus) [8].
[a] Prozentuale Gewichtsreduktion vom Ausgangsgewicht unter Mounjaro® 15 mg nach 72 Wochen. Unter Placebo Gewichtsreduktion um 2,4 % (-2,4 kg) in diesem Zeitraum (p < 0,001 für Überlegenheit gegenüber Placebo, adjustiert für Multiplizität). Bei kalorienreduzierter Ernährung und erhöhter körperlicher Aktivität. Berechnung mit Wirksamkeitsestimand [8, 9].
[b] Die Studienmedikation war nicht verblindet: Proband:innen wussten, ob Tirzepatid oder Semaglutid verabreicht wurde (Open-Label). Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die fehlende Verblindung auf die Ergebnisse und Validität der Studie ausgewirkt hat. Kein Placebo-Arm in Studie vorhanden. SURMOUNT-5 verglich Tirzepatid in der max. verträglichen Dosis (MTD; 10 mg oder 15 mg) mit Semaglutid in der max. verträglichen Dosis (1,7 mg oder 2,4 mg), der zum Zeitpunkt des Studienbeginns max. zugelassenen Dosis von Semaglutid für das Gewichtsmanagement. Semaglutid 7,2 mg wurde in dieser Studie nicht untersucht [12].
[c] Für beide Substanzen wurden die gepoolten Datensätze der jeweiligen Dosierungen zur Berechnung eingesetzt [12].
Quellen
Darlenski R, et al. Front Nutr. 2022; 9:855573.
Mazurkiewicz N, et al. Front Psychiatry 2021; 12: 788439.
Pavlova NT, et al. Skin Health Dis 2021; 1 (2): e33.
Bremmer S, et al. J Am Acad Dermatol 2010; 63 (6): 1058–1069.
Tobin AM, et al. Int J Dermatol 2013; 52 (8): 927–932.
Shipman AR, Millington GWM. Brit J Dermatol 2011; 165 (4): 743–750.
Barros G, et al. Int J Mol Sci 2022; 23: 7499.
Sattar N et al. J Am Coll Cardiol. 2026 Aug 11;88(6):652-666.
Fachinformation Mounjaro®, aktueller Stand.
Jastreboff AM, et al. N Engl J Med. 2022; 387(3): 205–216.
Jastreboff AM, et al. N Engl J Med. 2025; 392(10):958–971.
Malhotra A, et al.: N Engl J Med. 2024; 391: 1193–1205.
Aronne LJ, et al. N Engl J Med 2025; 393 (1): 26–36.
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