Akute Atemwegserkrankungen: Was die Saison 2025/26 für die Versorgung zeigt
Die Saison 2025/26 verlief bei den akuten Atemwegserkrankungen (ARE) insgesamt moderat, war aber weiterhin mit einer erheblichen Krankheitslast verbunden. Während Influenza und RSV ausgeprägte Winterwellen zeigten, zirkulierte SARS-CoV-2 mit einem weniger ausgeprägten saisonalen Muster.

Eine moderate Saison mit hoher Krankheitslast
Akute Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche und Krankenhauseinweisungen. Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst ihr Ausmaß mithilfe verschiedener Surveillance-Systeme, die Erkrankungen in der Bevölkerung, ambulante Konsultationen, schwere Verläufe im Krankenhaus sowie die jeweils zirkulierenden Erreger abbilden.
Für die Wintersaison 2025/26 schätzt das RKI rund 180 Millionen ARE. Allein in der 5. Kalenderwoche (KW) 2026 wurden etwa 7,2 Millionen Erkrankungen registriert. In der darauffolgenden Woche kam es zu rund 1,7 Millionen Arztbesuchen wegen neu aufgetretener ARE und etwa 23.000 Hospitalisierungen aufgrund einer schweren akuten respiratorischen Infektion (SARI).
Damit war die Saison weniger ausgeprägt als die beiden vorangegangenen Wintersaisons, blieb für die Versorgung aber von erheblicher Bedeutung.
Influenza bestimmte den Höhepunkt der Wintersaison
Die Grippewelle begann 2025/26 bereits in der 48. KW und damit zwei bis drei Wochen früher als in den beiden Vorsaisons. Sie dauerte 15 Wochen und erreichte Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar ihren Höhepunkt – zeitgleich mit der höchsten ARE-Aktivität.
Das RKI schätzt für die Wintersaison rund 12 Millionen Influenza-ARE-Erkrankungen, entsprechend etwa 14 % der Bevölkerung. Die Krankheitslast war bei Menschen ab 60 Jahren höher als in der Vorsaison, während sie bei den 5- bis 59-Jährigen niedriger lag. Die Influenza betraf damit alle Altersgruppen, schwere Verläufe konzentrierten sich jedoch insbesondere auf ältere und vorerkrankte Menschen.
RSV: Säuglinge und ältere Menschen besonders im Blick
Die RSV-Welle begann in der 2. KW 2026 und endete nach 14 Wochen mit der 15. KW; ihr Höhepunkt lag im Februar. Die Aktivität war insgesamt etwas höher als in der Vorsaison. Besonders häufig betroffen waren Säuglinge und Kleinkinder. Während der RSV-Welle wurden rund 7,9 Millionen RSV-ARE-Erkrankungen geschätzt; im SARI-Krankenhaus-Sentinel erhielten 8 % der Fälle eine RSV-Diagnose.
Auch ältere Menschen waren relevant betroffen: Von den 67.716 im Winter 2025/26 übermittelten RSV-Fällen entfielen 34 % auf Menschen ab 60 Jahren. Noch deutlicher zeigte sich die Bedeutung dieser Altersgruppe bei schweren Verläufen: 95 % der 421 übermittelten Todesfälle betrafen Menschen ab 60 Jahren.
Bei Säuglingen lag die Zahl der RSV-bedingten Arztkonsultationen dagegen niedriger als in der Vorsaison und etwa halb so hoch wie 2023/24. Der Rückgang fällt mit der seit 2024 bestehenden STIKO-Empfehlung zur RSV-Prophylaxe bei Neugeborenen und Säuglingen in ihrer ersten RSV-Saison zusammen und dürfte zumindest teilweise auf deren Umsetzung zurückzuführen sein.
SARS-CoV-2 bleibt für vulnerable Menschen relevant
SARS-CoV-2 zeigte auch 2025/26 ein anderes saisonales Muster als Influenza und RSV. Das Virus zirkulierte ganzjährig, Phasen höherer Aktivität traten jedoch häufiger in der zweiten Jahreshälfte auf. Insgesamt war die SARS-CoV-2-Aktivität niedriger als in den beiden vorherigen postpandemischen Saisons. Für den betrachteten Zeitraum wurden rund 20 Millionen COVID-ARE-Erkrankungen geschätzt, etwa zwei Drittel davon im Winter.
Schwere COVID-19-Verläufe wurden in allen Altersgruppen beobachtet, die Krankheitsschwere nahm jedoch mit zunehmendem Alter deutlich zu und war insbesondere bei Menschen ab 80 Jahren hoch. Damit blieb COVID-19 auch bei insgesamt rückläufiger Krankheitslast vor allem für ältere und vulnerable Menschen relevant.
Der Blick auf die neue Saison
Mit dem Ende der Saison 2025/26 ist das respiratorische Geschehen nicht zum Stillstand gekommen. Die aktuellen RKI-Daten aus der 40. KW 2026 zeigen bereits einen saisonalen Anstieg der ARE-Aktivität. Auf Bevölkerungsebene und im ambulanten Bereich ist sie derzeit moderat, im stationären Bereich noch niedrig.
Anfang Oktober dominieren vor allem Rhino-/Entero- und Parainfluenzaviren. Influenza, RSV und SARS-CoV-2 weisen dagegen noch eine niedrige Aktivität auf. Bei Influenza und SARS-CoV-2 sind jedoch erste Anstiege erkennbar. Wie sich das Erregerspektrum und die Krankheitslast in den kommenden Wochen entwickeln werden, lässt sich derzeit noch nicht verlässlich vorhersagen.
Fazit für den ärztlichen Versorgungsalltag
Die Saison 2025/26 war insgesamt moderat, verursachte aber weiterhin eine erhebliche Krankheitslast. Für die ärztliche Praxis bleibt daher vor allem die alters- und risikoadaptierte Prävention relevant: RSV kann insbesondere Säuglinge und ältere Menschen schwer belasten, während Influenza und COVID-19 vor allem für ältere und vorerkrankte Menschen ein relevantes Risiko darstellen.
Der Beginn der Herbstsaison ist damit ein guter Zeitpunkt, den Impfschutz gezielt zu überprüfen und empfohlene Impfungen anzubieten. Dies gilt insbesondere für ältere Menschen, Personen mit relevanten Grunderkrankungen und weitere Risikogruppen. Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) und das RKI rufen dazu auf, den Impfschutz jetzt zu überprüfen. Für die individuelle Impfberatung bieten die STIKO-Empfehlungen zu Influenza, COVID-19, RSV und Pneumokokken einen wichtigen Orientierungsrahmen.
Quellen:
Robert Koch-Institut (RKI): Bericht zu akuten respiratorischen Erkrankungen in der Saison 2025/26. Stand: 01.10.2026; https://doi.org/10.25646/14398
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Impfschutz im Herbst: Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Grippe, Corona, RSV und Pneumokokken. Pressemitteilung 06.10.2026; https://www.bioeg.de/presse/pressemitteilungen/2026-10-06-impfschutz-im-herbst-die-wichtigsten-fragen-und-antworten-rund-um-grippe-corona-rsv-und-pneumokokken/
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