Dengue: Erhöhte Fallzahlen in beliebten Reiseländern
Hohe Dengue-Fallzahlen in Kuba, Brasilien und Bangladesch sowie regionale Ausbrüche auf den Philippinen und in Florida unterstreichen die Bedeutung gezielter Prävention. Das CRM Centrum für Reisemedizin empfiehlt, sich vor einem Aufenthalt in betroffenen Gebieten frühzeitig reisemedizinisch beraten zu lassen, um geeignete Schutzmaßnahmen einschließlich einer Impfung zu prüfen. Auch in Europa werden lokal erworbene Dengue-Infektionen registriert.

Hohe Dengue-Fallzahlen in Kuba, Brasilien und Bangladesch sowie regionale Ausbrüche auf den Philippinen und in Florida unterstreichen die Bedeutung gezielter Prävention. Das CRM Centrum für Reisemedizin empfiehlt, sich vor einem Aufenthalt in betroffenen Gebieten frühzeitig reisemedizinisch beraten zu lassen, um geeignete Schutzmaßnahmen einschließlich einer Impfung zu prüfen. Auch in Europa werden lokal erworbene Dengue-Infektionen registriert.
Regionale Ausbrüche trotz rückläufiger weltweiter Fallzahlen
Weltweit wurden von Jahresbeginn bis Ende September 2026 mehr als zwei Millionen Dengue-Erkrankungen und über 1.000 damit verbundene Todesfälle gemeldet. Damit lagen die Fallzahlen unter denen des Vorjahreszeitraums, wie aus der Übersicht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervorgeht. Die globale Entwicklung verdeckt jedoch erhebliche regionale Unterschiede: In Teilen Amerikas und Asiens bleibt die Krankheitslast hoch.
Besonders betroffen ist weiterhin Brasilien. Bis zur epidemiologischen Woche 36 wurden dort rund 1,29 Millionen Fälle und 343 Todesfälle registriert. Schwerpunkte des Geschehens waren die Bundesstaaten Goiás, Minas Gerais und São Paulo. Auf Kuba bleibt die Dengue-Aktivität ebenfalls deutlich erhöht: Nach Schätzungen des Global Dengue Observatory wurden bis Anfang Oktober 11.235 Fälle gemeldet, etwa neunmal mehr als erwartet. Darüber hinaus kam es auch in Florida zu lokal begrenzten Dengue-Ausbrüchen.
Auf den Philippinen bestätigten die Behörden Ende September einen Ausbruch in der Provinz Agusan del Sur auf Mindanao mit 2.572 Erkrankungen und 16 Todesfällen. In Bangladesch wurden laut CRM seit Jahresbeginn rund 115.617 Erkrankungen und 357 Todesfälle registriert. Im September mussten zeitweise mehr als 10.000 Menschen pro Woche neu stationär aufgenommen werden.
Dengue tritt inzwischen auch außerhalb der tropischen und subtropischen Regionen auf. In Europa registrierte das ECDC bis zum 21. Oktober 2026 insgesamt 73 autochthone Fälle in Italien und sieben in Frankreich.
Dengue erkennen und Warnzeichen ernst nehmen
Dengue-Viren werden durch tagaktive Mücken der Gattung Aedes übertragen. Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mit milden Beschwerden. Typisch sind plötzlich einsetzendes hohes Fieber, starke Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schmerzen hinter den Augen, Übelkeit und Hautausschlag. Die Inkubationszeit beträgt laut S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Arbovirosen in Deutschland“ meist vier bis sieben Tage, kann im Einzelfall jedoch länger sein.
Fieber während oder nach einem Aufenthalt in einem Dengue-Risikogebiet sollte ärztlich abgeklärt werden. Eine sorgfältige Reiseanamnese ist wichtig, um auch andere Infektionen wie Malaria zu berücksichtigen. Warnzeichen einer schweren Dengue-Erkrankung sind anhaltendes Erbrechen, starke Bauchschmerzen und Schleimhautblutungen; sie erfordern eine umgehende ärztliche Beurteilung. Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung. Die Behandlung richtet sich nach dem klinischen Zustand und dem Schweregrad.
Impfung: Individuelles Expositionsrisiko entscheidet
Reisezeit, Aufenthaltsdauer, Unterbringung und geplante Aktivitäten beeinflussen das Risiko, mit infizierten Mücken in Kontakt zu kommen. Eine reisemedizinische Beratung hilft, die Exposition einzuschätzen und Schutzmaßnahmen einschließlich einer möglichen Dengue-Impfung abzuwägen. Maßgeblich sind die geltenden Empfehlungen und die Fachinformation.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Personen ab vier Jahren, die bereits eine labordiagnostisch gesicherte Dengue-Infektion durchgemacht haben und in ein Endemiegebiet mit erhöhtem Expositionsrisiko reisen. Die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) befürwortet bei hohem Expositionsrisiko eine Impfung unabhängig von einer früheren Infektion. Bei kurzfristig geplanten Reisen kann nach Einschätzung der DFR zunächst eine Einzeldosis erwogen werden.
Konsequenter Mückenschutz bleibt unverzichtbar
Unabhängig von einer möglichen Impfung ist konsequenter Mückenschutz entscheidend. Dazu gehören hautbedeckende Kleidung, geeignete Repellents und Unterkünfte mit Fliegengittern oder Klimaanlage. Moskitonetze bieten zusätzlichen Schutz, wenn Schlafplätze nicht ausreichend abgeschirmt sind. Da die Überträgermücken vorwiegend tagsüber aktiv sind, ist Schutz nicht nur in den Abend- und Nachtstunden erforderlich.
Auch nach der Rückkehr sollten Reisende mindestens zwei Wochen lang möglichst konsequent Mückenstiche vermeiden. So sinkt das Risiko, dass heimische Überträgermücken – in weiten Teilen Europas insbesondere die Asiatische Tigermücke – das Virus von einer infizierten Person aufnehmen und weiterverbreiten.
Fazit für die Praxis
Bei Reisen in Dengue-Risikogebiete sollten Ärztinnen und Ärzte frühzeitig zu konsequentem Mückenschutz und gegebenenfalls zur Impfung beraten. Tritt während oder nach einer Reise Fieber auf, sollte eine Dengue-Infektion in die Differenzialdiagnose einbezogen werden. Hinweise auf Warnzeichen einer schweren Erkrankung erfordern eine zeitnahe weitere Abklärung.
Literatur:
CRM Centrum für Reisemedizin: Aktuelle Meldungen zu Dengue in Bangladesch, Brasilien, Kuba, auf den Philippinen und in den USA. Stand: 13. Oktober 2026.
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Dengue worldwide overview. Situationsbericht, September 2026; https://www.ecdc.europa.eu/en/dengue-monthly
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Seasonal surveillance of dengue in the EU/EEA. Wochenbericht, Kalenderwoche 43/2026; https://www.ecdc.europa.eu/en/dengue/surveillance-and-updates/seasonal-surveillance-dengue-eueea-weekly
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Factsheet for health professionals about dengue; https://www.ecdc.europa.eu/en/dengue-fever/facts
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG) und beteiligte Fachgesellschaften: S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Arbovirosen“. Version 1.0, Mai 2025; AWMF-Registernummer 042-010; https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/042-010
Robert Koch-Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG) zu Reiseimpfungen. Epid Bull 27/2026; 02. Juli 2026; https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2026/27_26.html
Witteck S. Neue Stellungnahme der DFR zur Dengue-Impfung. Reisemedizin up2date 2026; 03(03): 186–187; https://doi.org/10.1055/a-2899-5015
Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin e. V. Dengue-Impfung bei Reisenden: DFR empfiehlt Anwendung nach aktueller Datenlage. Pressemitteilung, April 2026; https://www.fachgesellschaft-reisemedizin.de/Portals/0/PM_DFR_%20Dengue_2026.pdf
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