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Impfsymposium Reiseimpfungen 2026: Q&A Teil 2

  • Dienstag, 15. September 2026
  • Quelle: Deutscher Ärzteverlag GmbH
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Das Interesse am Thema des diesjährigen Impfsymposiums des Deutschen Ärzteverlags war wieder groß: Gut geschützt auf Reisen in Europa und weltweit – Impfungen für vorerkrankte und ältere Menschen. Zu allen Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer, die während der Live-Veranstaltung nicht beantwortet werden konnten, beziehen unsere Expertinnen und Experten Stellung im Questions & Answers-Format. Teil 2: Priv.-Doz. Dr. med. Silja Bühler.

/Stockfotos-MG, stock.adobe.com
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MMRV

MMRV gehören zu den Standardimpfungen im Kindesalter mit einer sehr hohen Durchimpfungsrate und die STIKO empfiehlt die zweimalige Impfung im Kindesalter. Lücken kann es z.B. bei Menschen geben, die in der Kindheit nicht oder nur einmal geimpft wurden (nur dokumentierte Impfungen zählen). Auch Erwachsenen wird eine einmalige MMR-Impfung als Standardimpfung empfohlen, wenn sie nach 1970 geboren sind und ihr Impfstatus unklar ist oder sie in der Kindheit keine oder nur eine Impfung erhalten haben. Eine Simultanimpfung am gleichen Tag mit anderen Lebendimpfungen ist möglich und im Zusammenhang mit der Vorbereitung einer Reise sinnvoll. Sollten zwei virale Lebendimpfungen nicht am gleichen Tag gegeben werden können, sollte ein Abstand von 4 Wochen eingehalten werden.

FSME

Es ist in der Regel davon auszugehen, dass jede Impfung zählt und dass eine einzelne FSME-Auffrischimpfung ausreicht, auch wenn die letzte Auffrischung mehr als 10 Jahre zurückliegt.

Es kann bestimmte Ausnahmen geben, z.B. Immunsuppression, Knochenmarktransplantation etc.

Offiziell gelten in Deutschland die Informationen aus der Fachinformation. Es ist aber davon auszugehen, dass auch nach >3 bzw. >5 Jahren nach einer vollständigen Grundimmunisierung eine Auffrischimpfung gegeben werden kann und zu einer guten Auffrischung führt („jede Impfung zählt“). Bei Personen ab dem 60. Lebensjahr und solchen mit einer Immunschwäche/Immunsuppression empfiehlt es sich, den 3-jährigen Impfabstand einzuhalten.

Die Studienlage zeigt, dass nach 5 bis 10 Jahren bei einer großen Zahl an geimpften Personen noch ein ausreichender Immunschutz besteht, aber nicht bei allen. Das Schweizerische Bundesamt für Gesundheit und die deutsche STIKO kommen aufgrund derselben Studienlage zu unterschiedlichen Empfehlungen bzgl. der Auffrischimpfungen.

Ich würde aufgrund des höheren Risikos für einen schweren Verlauf einer FSME-Erkrankung im höheren Alter in Zusammenschau mit der eintretenden Immunoseneszenz zu einer Impfung nach 3 Jahren raten, also mit 62 Jahren.

Es gilt die Faustregel „Jede Impfung zählt“ – auch wenn die Impfabstände zu groß waren - und es kann einfach das bereits begonnene Impfschema weitergeführt werden. Es sollten jedoch keine Impfungen „gezählt werden“, wenn der Impfabstand zu kurz war.

Polio

Eine vollständige Polio-Schutzimpfung im Kindesalter mit Auffrischung im Jugendalter wird empfohlen und bietet nach aktuellen Erkenntnissen einen lebenslangen Schutz. Die Impfempfehlung für Reisen in Risikogebiete – z. B. Afghanistan oder Pakistan – ist eine Vorsichtsmaßnahme und dient zugleich der Umsetzung internationaler Vorschriften zur Verhinderung der Weiterverbreitung bzw. Verschleppung von Polioviren durch Reisende.

Die aktuellen Poliorisikogebiete finden Sie z.B. auf den Seiten des Auswärtigen Amts: Poliomyelitis-Impfung - Auswärtiges Amt.

Der Begriff „Grundimmunisierung“ sollte in diesem Fall eine vollständige Immunisierung einschließlich der letzten Impfung im Jugendalter bezeichnen. Deshalb wäre eine Polio-Auffrischung nicht notwendig, zumal in Schweden kein Risiko für eine Ansteckung belegt ist.

Ja, eine in der Kindheit durchgeführte, vollständige Polio-Grundimmunisierung plus eine Auffrischimpfung im Jugend-/Erwachsenenalter bietet einen lebenslangen Schutz, solange nicht das immunologische Gedächtnis durch wesentliche therapeutische Maßnahmen wie eine Stammzelltransplantation zerstört wurde. In diesem Fall muss der gesamte Impfschutz nach der Genesung neu aufgebaut werden.

Bei gewissen Indikationen (Reise, Beruf) sollte der Impfschutz jedoch nochmals aufgefrischt werden.

Tuberkulose

Gemäß STIKO wird die Impfung mit einem BCG-Impfstoff nicht empfohlen.

Dengue und Chikungunya

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Chikungunya als Reiseimpfung für Personen ab 12 Jahren, die in aktuelle Ausbruchsgebiete reisen oder längere/wiederholte Aufenthalte in Endemiegebieten planen und bei denen ein er höhtes Risiko für eine Chronifizierung oder einen schweren Verlauf der Erkrankung besteht (z. B. Alter ≥ 60 Jahre oder eine schwere internistische Grunderkrankung). Bei Immunschwäche/Immunsuppression und für Personen ≥ 60 Jahre soll nur der Totimpfstoff verwendet werden.

Die STIKO empfiehlt die Dengue-Impfung derzeit für Personen ab 4 Jahren, die in der Vergangenheit eine labordiagnostisch gesicherte Dengue-Infektion durchgemacht haben vor Reisen in Dengue-Endemiegebiete mit erhöhtem Expositionsrisiko (z.B. längerer Aufenthalt, aktuelles Ausbruchsgeschehen) oder wenn die Impfung beruflich indiziert ist (z.B. aufgrund einer Labortätigkeit).

Die STIKO gibt derzeit keine allgemeine Impfempfehlung gegen Dengue für Personen ohne vorherige Dengue-Infektion. Wenn nach eingehender ärztlicher Beratung bei Dengue-naiven Personen eine Impfung entsprechend der Zulassung individuell erwogen wird, sollte die zu impfende Person darüber aufgeklärt werden, dass das Risiko einer Infektionsverstärkung bei nachfolgender Infektion nicht ausgeschlossen werden kann. Sollte dennoch die Impfung erfolgen, ist vor Ausreise eine vollständige Impfserie durchzuführen (d.h. 2 Impfstoffdosen im Mindestabstand von 3 Monaten).

Zu aktuellen Chikungunya-Ausbrüchen kann man sich z.B. auf den folgenden Seiten informieren:

Areas at Risk for Chikungunya | Chikungunya Virus | CDC

Chikungunya virus disease worldwide overview

Japanische Enzephalitis

Die Urtikaria ist in der Tat eine beschriebene, seltene Reaktion auf eine Impfung gegen die Japanische Enzephalitis. Patienten sollten vor der Impfung aufgeklärt werden. Da es sich bei der Erkrankung selbst um ein sehr schweres Krankheitsbild handelt mit häufigen neurologischen Residuen, sieht die STIKO die Impfung bei gegebener Indikation dennoch als sinnvoll an.

Impfempfehlungen für Reisende ab 60 Jahren in Europa

Am besten sollten alle Standardimpfungen und alle Indikationsimpfungen einmal anhand Ihres Impfausweises überprüft und ggf. ergänzt bzw. aufgefrischt werden, insbesondere die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, Influenza, Covid 19, Pneumokokken, Herpes Zoster, FSME.

Anhand Ihrer bestehenden individuellen Situation (Reiseplan, ggf. Vorerkrankungen, Alter >=75 Jahre) können weitere Impfungen sinnvoll sein).

Reiseziel China

Für eine Reise nach China sollte für alle Reisenden ein Impfschutz gegen Hepatitis A bestehen. Zudem sollten die altersentsprechenden Standard- und Indikationsimpfungen gemäß den STIKO-Empfehlungen (z. B. MMR/MMR-V, Tdap, Polio, Influenza, Pneumokokken, Hepatitis B, FSME, HPV, MPox, Meningokokken, COVID-19) umgesetzt werden.

Abhängig von der Reiseart und bestimmten Vorerkrankungen können auch Impfungen gegen Chikungunya, Dengue, FSME, Hepatitis B, Japanische Enzephalitis, Tollwut und Typhus indiziert sein.

mr

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