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Adipositas: mehr als eine Frage des Körpergewichts

  • Freitag, 24. Juli 2026
  • Quelle: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG
© Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG
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Lange galt Adipositas vor allem als Folge eines ungesunden Lebensstils. Heute wird sie als chronische multifaktorielle Systemerkrankung verstanden, bei der komplexe Veränderungen der Stoffwechselregulation verschiedenste Organe schädigen können. Dieses veränderte Krankheitsverständnis spiegelt sich auch in der Therapie wider: Im Mittelpunkt steht zunehmend auch die metabolische Gesundheit und Behandlung von Begleiterkrankungen – nicht allein die Gewichtsreduktion.

„Du musst einfach weniger essen.“ „Reiß dich doch mal zusammen.“ Menschen mit Adipositas hören solche Sätze häufig. Dahinter steckt die Vorstellung, Übergewicht sei vor allem selbst verschuldet. Heute ist jedoch klar: Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die den gesamten Stoffwechsel beeinflusst und zahlreiche Organe betrifft – und nicht einfach eine Frage mangelnder Disziplin [1].

Weltweit leben rund 890 Millionen Menschen mit Adipositas. Das entspricht etwa 16 % der globalen Bevölkerung. Damit gehört sie zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt und erhöht das Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen [1].

Menschen mit Adipositas sind nicht nur gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Viele erleben auch Vorurteile und Diskriminierung – im Alltag, am Arbeitsplatz oder sogar im Gesundheitswesen. Häufig gelten sie als faul, undiszipliniert oder willensschwach, obwohl es für diese Annahmen keine wissenschaftliche Grundlage gibt. Je nach Studie berichten zwischen 19 % und 42 % der Betroffenen von Diskriminierung aufgrund ihres Körpergewichts [3].

Warum Adipositas mehr ist als ein Lebensstilproblem

Die Ursachen der Adipositas sind wesentlich komplexer als lange angenommen wurde. Unser Körper verfügt über ein fein abgestimmtes System, das Hunger, Sättigung und den Energieverbrauch steuert. Bei Menschen mit Adipositas ist dieses Gleichgewicht gestört: Das Gehirn, das Fettgewebe, die Leber, der Darm und die Bauchspeicheldrüse kommunizieren anders miteinander als bei normalgewichtigen Menschen. Dadurch wird dauerhaft mehr Energie aufgenommen als verbraucht. Und das begünstigt die Entstehung und Aufrechterhaltung der Adipositas. Neben diesen biologischen Faktoren spielen zudem die genetische Veranlagung, die Umgebung und der Lebensstil eine Rolle [1].

Dieses veränderte Zusammenspiel von Gehirn, Fettgewebe und anderen Organen könnte auch erklären, warum Diäten oft nur kurzfristig erfolgreich sind. Dauerhaftes Abnehmen ist deshalb deutlich schwieriger, als oft angenommen wird [1].

Abbildung 1: Adipositas als Multisystemerkrankung – häufige Begleiterkrankungen (mod. n. [1])

Begleiterkrankungen werden häufig unterschätzt

Adipositas ist weit mehr als eine Erkrankung des Körpergewichts. Sie beeinträchtigt die metabolische Gesundheit und kann zahlreiche Organe schädigen. Dadurch steigt unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Nierenerkrankungen und Lebererkrankungen. Vielen Menschen ist dieser Zusammenhang jedoch gar nicht bewusst [1].

Ein gutes Beispiel ist die Leber. Viele verbinden eine Fettleber vor allem mit Alkoholkonsum. Tatsächlich kann sie aber auch als Folge einer Adipositas entstehen. Durch Veränderungen im Fettgewebe lagert sich auch vermehrt Fett in der Leber ab. Das kann ihre Funktion beeinträchtigen und langfristig Lebererkrankungen begünstigen [4–8].

Etwa jeder dritte Mensch mit Adipositas leidet an einer fortschreitenden Lebererkrankung, der sogenannten metabolischen Dysfunktion-assoziierten Steatohepatitis (MASH). Dabei lagert sich zunächst Fett in der Leber ein. Im weiteren Verlauf können Entzündungen, Leberschäden und Vernarbungen entstehen. Unbehandelt erhöht MASH unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberversagen, Leberkrebs oder eine Lebertransplantation [4–8].

Welche Auswirkungen Adipositas auf die Gesundheit haben kann, wird Betroffenen häufig erst mit dem Auftreten von Begleiterkrankungen deutlich. Im Video erzählt eine Patientin, wie sie ihre Lebererkrankung erlebt hat und warum sie die Zusammenhänge lange unterschätzt hat.

Moderne Behandlung geht über das Gewicht hinaus

Adipositas ist heute als chronische Erkrankung anerkannt. Dieses Wissen spiegelt sich jedoch noch nicht überall in der Versorgung wider. Viele Betroffene erhalten noch immer keine Behandlung, die ihren Bedürfnissen gerecht wird. Dabei haben sich die Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Und ein nachhaltiger Gewichtsverlust von mehr als 10% des Körpergewichts kann die Gesundheit vieler Menschen mit Adipositas bereits deutlich verbessern und das Risiko für Folgeerkrankungen senken [1].

Zusätzlich zu Lebensstilmaßnahmen – wie gesunder Ernährung und Sport – stehen für die Behandlung heute auch medikamentöse Therapien zur Verfügung [1]. Diese Medikamente greifen in die Regulation von Hunger und Sättigung ein und können dadurch einen nachhaltigen Gewichtsverlust erleichtern. Zu ihnen zählen unter anderem die sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten [9].

Die Forschung zeigt, dass diese Substanzen zusätzliche positive Effekte auf Begleiterkrankungen der Adipositas haben können. So werden einige Vertreter der Wirkstoffklasse beispielsweise bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen, um das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall zu senken [9].

Fazit

  • Trotz erheblicher Fortschritte im Verständnis der Adipositas und der Entwicklung moderner Therapieoptionen bestehen weiterhin zahlreiche Hürden bei deren Umsetzung in die klinische Praxis.

  • Vorurteile und Stigmatisierung können dazu führen, dass Menschen mit Adipositas nicht die Behandlung erhalten, die sie benötigen.

  • Das Ziel moderner Behandlungskonzepte ist es, die metabolische Gesundheit ganzheitlich zu betrachten und die Folgen der Adipositas für andere Organe – insbesondere die Leber – frühzeitig zu erkennen und zu behandeln [1].

Quellen

1. Blüher M: Diabetes Obes Metab. 2025; 27 Suppl 2(Suppl 2): 3–19

2. Times Now. Obesity Isn’t a Moral Failure or a Willpower Problem — It’s More Complex. Verfügbar unter: http://www.timesnownews.com/health/obesity-isnt-a-moral-failure-or-a-willpower-problem-its-more-complex-article-154384715 (Letzter Zugriff: 23.07.2026)

3. Rubino F, et al.: Nat Med. 2020; 26(4): 485-497

4. Quek J, et al.: Lancet Gastroenterol Hepatol. 2023; 8: 20–30

5. Rinella ME, et al.: Hepatology. 2023; 77: 1797–1835

6. European Association for the Study of the Liver (EASL); European Association for the Study of Diabetes (EASD); European Association for the Study of Obesity (EASO). Obes Facts. 2024; 17(4): 374-444

7. Povsic M, et al.: Adv Ther. 2019; 36: 1574–1594

8. Angulo P, et al.: Gastroenterology. 2015; 149: 389–397

9. Koskinas KC, et al.: Eur Heart J. 2024; 45(38): 4063-4098

PC-DE-120416

Nadine Eckert

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