Alzheimer-Antikörper: Wie läuft eine Infusionsbehandlung ab?
Zur Behandlung der frühen symptomatischen Alzheimer-Krankheit stehen seit Kurzem Anti-Amyloid-Antikörper-Therapien zur Verfügung. Die Anwendung erfordert eine umfassende Diagnostik, genetische und bildgebende Abklärung sowie engmaschige Überwachung. Wie die Infusionsbehandlung abläuft und was dabei zu beachten ist, erfahren Sie in diesen 4 Schritten.

Seit Kurzem stellt Kisunla® eine neue und zeitlich begrenzte Therapieoption für geeignete Patientinnen und Patienten [a] mit Alzheimer-Krankheit in einem frühen symptomatischen Stadium (leichte kognitive Störung oder leichte Demenz) dar [1]. Die Anwendung erfordert eine umfassende Diagnostik, genetische und bildgebende Abklärung sowie engmaschige Überwachung.
Seit September 2025 steht mit Kisunla® (Donanemab) [a] in Europa ein weiterer dringend benötigter Anti-Amyloid-Antikörper für Patientinnen und Patienten mit leichter kognitiver Störung (mild cognitive impairment, MCI) oder leichter Demenz infolge einer Alzheimer-Krankheit zur Verfügung. Voraussetzung für die Behandlung ist ein positiver, mittels Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder im Liquor nachgewiesener β-Amyloid-(Aβ)-Befund sowie ein negativer oder heterozygoter ApoE-ε4-Status [1].
Kisunla® richtet sich gegen Amyloid-Plaques und ist die einzige Therapie, die eine zeitlich begrenzte Anwendung ermöglicht. Die Kisunla®-Therapie kann in der indizierten Population [a] den kognitiven und funktionellen Abbau klinisch relevant verlangsamen und somit eine Option für diese Patientinnen und Patienten zum längeren Erhalt der Selbstständigkeit bieten [1-4].
How to: Die Kisunla®-Anwendung in 4 Schritten
Die Verabreichung [b] von Kisunla® erfolgt intravenös als Infusion alle 4 Wochen [1]. Ist eine geeignete Patientin oder ein geeigneter Patient identifiziert, so sind bei der Behandlung mit Kisunla® bestimmte Anforderungen und die folgenden 4 Schritte einzuhalten:
1. MRT-gestütztes ARIA-Monitoring
Unter der Therapie mit Anti-Amyloid-Antikörpern wie Kisunla® können Amyloid-bedingte Bildgebungsanomalien (Amyloid-Related Imaging Abnormalities, ARIA) auftreten. Daher sollte vor jeder Kisunla®-Infusion zunächst ein Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten stattfinden, um mögliche ARIA-Symptome auszuschließen [1].
Vor Beginn der Behandlung mit Kisunla® muss ein aktuelles (maximal 6 Monate altes) MRT des Gehirns verfügbar sein, um einzuschätzen, ob bereits ARIA vorbestehen. Ein MRT ist anschließend vor der 2. Infusion (im 1. Monat), vor der 3. Infusion (im 2. Monat), vor der 4. Infusion (im 3. Monat) und vor der 7. Infusion (im 6. Monat) durchzuführen, um ARIA-Anzeichen auszuschließen (Abb. 1). Bei Patientinnen und Patienten mit ARIA-Risikofaktoren (ApoE-ε4-Heterozygotie, frühere ARIA-Ereignisse) sollte ein zusätzliches MRT vor der 12. Infusion (im 11. Monat) durchgeführt werden. Sollten unter der Behandlung ARIA-Symptome auftreten, so ist neben einer klinischen Untersuchung auch ein MRT angezeigt [1].

2. Dokumentation und Vorbereitung der Infusionslösung
Für die Vorbereitung der Infusion sollte Kisunla® etwa 30 Minuten lang auf Raumtemperatur gebracht werden. Die Chargennummer ist zu dokumentieren und die Lösung sollte auf Partikel oder Verfärbungen überprüft werden. Anschließend wird die benötigte Dosis Kisunla® mit 0,9 % Natriumchlorid (NaCl) verdünnt, bis eine Endkonzentration zwischen 4 und 10 mg/ml erreicht ist (Abb. 2). Der Infusionsbeutel oder die Infusionsflasche sollte zum Mischen vorsichtig gedreht, jedoch nicht geschüttelt werden. Die verdünnte Kisunla® Infusionslösung ist sofort verwendbar [1].
Die hergestellte Infusionslösung kann bei Nichtverwendung oder Infusionsunterbrechung bis zu 72 Stunden im Kühlschrank oder bis zu 12 Stunden bei Raumtemperatur (bis 25°C) gelagert werden. Die ungeöffnete Kisunla® Durchstechflasche ist in der Umverpackung im Kühlschrank (2–8°C) zu lagern. Sie kann bis zu 3 Tage bei Raumtemperatur (bis 25°C) aufbewahrt werden [1].
Sowohl die Zubereitung als auch die Verabreichung der Infusionslösung ist von einer qualifizierten medizinischen Fachkraft unter aseptischen Bedingungen durchzuführen. Dazu sind DEHP-freie Materialien zu verwenden [c].

3. Schrittweises Dosierungsschema für die Infusionen
Die Infusion der Kisunla®-Lösung erfolgt intravenös über mindestens 30 Minuten. Die Startdosis beträgt 350 mg. Danach erfolgt eine schrittweise Aufdosierung auf 700 mg, 1.050 mg, bis zur Erhaltungsdosis von 1.400 mg ab der 4. Infusion (Abb. 1). Nach Abschluss der Infusion sollte die Infusionsleitung mit 0,9 % NaCl nachgespült werden, um sicherzustellen, dass die gesamte Dosis verabreicht wurde [1].
Wenn eine Infusion versäumt wurde, ist die Verabreichung der versäumten Dosis so schnell wie möglich nachzuholen und die Behandlung im 4-Wochen-Rhythmus fortzusetzen [1].
4. Nachbeobachtung und Therapieende
Nach der Verabreichung ist die Patientin oder der Patient mindestens 30 Minuten lang zu beobachten. Treten während der Infusion oder danach Überempfindlichkeits- oder Infusionsreaktionen auf, muss die Behandlung sofort unterbrochen und gegebenenfalls eine entsprechende Therapie eingeleitet werden. Darüber hinaus sollten Patientinnen und Patienten sowie gegebenenfalls deren Angehörige darüber informiert werden, welche Anzeichen auf Nebenwirkungen hinweisen und wann ärztlicher Rat einzuholen ist. Außerdem sind sie über die kommenden Infusions- und MRT-Termine zu informieren.
Die Therapie mit Kisunla® sollte so lange fortgeführt werden, bis die Amyloid-Plaques entfernt [d] sind. Die Entfernung der Amyloid-Plaques sollte durch einen validierten Test bestätigt werden. Die maximale Behandlungsdauer beträgt 18 Monate und darf nicht überschritten werden, auch wenn die Entfernung der Amyloid-Plaques nicht bestätigt wird [1].
Auf einen Blick: Ablauf der Kisunla®-Infusionen und Voraussetzungen

Welche Ergebnisse sind unter der Kisunla®-Therapie zu erwarten?
Bezüglich der Amyloid-Plaques zeigte sich in der Zulassungsstudie TRAILBLAZER-ALZ 2 in der indizierten Population [a] eine deutliche Reduktion innerhalb der Behandlungsdauer: 33 % der mit Kisunla® Behandelten erreichten nach 6 Monaten, 70 % nach 12 Monaten und 81 % nach 18 Monaten eine Amyloid-Plaques-Entfernung (definiert als < 24,1 Centiloide im Amyloid-PET-Scan) und konnten die Therapie beenden [2, 3].
Insgesamt zeigte sich in den Zulassungsstudien, dass Kisunla® den kognitiven und funktionellen Abbau klinisch relevant verlangsamen konnte [1-4]:
In der indizierten Gesamtpopulation zeigte sich im iADRS (Integrated Alzheimer’s Disease Rating Scale) eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs um 20 % im Vergleich zu Placebo.
Bei Patientinnen und Patienten mit niedriger bis mittlerer Tau-Last betrug die Verlangsamung im iADRS sogar 34 % gegenüber Placebo.
Zudem war in der indizierten Population [a] das Risiko für eine Verschlechterung im CDR-GS (Clinical Dementia Rating – Global Score) auf ≥ 2, also für das Fortschreiten zu einer mittelschweren Demenz, in der Kisunla®-Gruppe um 48 % geringer als unter Placebo.
Die häufigsten Nebenwirkungen waren ARIA-E (Hirnödem) und ARIA-H (Mikroblutungen), meist asymptomatisch und im MRT erkannt.
Kisunla®-Therapie nur in CAP-Zentren
Kisunla® darf ausschließlich in zertifizierten Zentren im Rahmen des kontrollierten Zugangsprogramms (CAP) verabreicht werden. Alle Patientinnen und Patienten müssen vor Therapiebeginn registriert, umfassend aufgeklärt, mit einem Patientenpass ausgestattet und gemäß ARIA-Schulungs- und MRT-Vorgaben betreut werden.
Freigabenummer: PP-DN-DE-0197
Quellen:
[a] Donanemab ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit einer klinischen Diagnose einer leichten kognitiven Störung und leichter Demenz infolge der Alzheimer-Krankheit (frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit), die heterozygote Apolipoprotein E-ε4 (ApoE-ε4)-Träger oder ApoE-ε4-Nichtträger sind und bei denen eine Amyloid-Pathologie bestätigt wurde [1].
[b] Kisunla® darf im Rahmen eines CAP lediglich an bestimmten Zentren angewendet werden. Das kontrollierte Zugangsprogramm zielt darauf ab, die sichere und wirksame Anwendung von Kisunla® zu fördern, indem die korrekte Auswahl der Patientinnen und Patienten auf der Grundlage der relevanten Indikation [a] oder Diagnose, des genetischen Profils und der verfügbaren MRT bestätigt wird. Alle Patientinnen und Patienten müssen vor Therapiebeginn mit Kisunla® anonymisiert im CAP-Registrierungssystem erfasst werden [1].
[c] Kisunla® enthält Polysorbat 80. Es ist bekannt, dass Polysorbate die Extraktionsrate von Di-(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) aus Polyvinylchlorid (PVC) erhöhen [1].
[d] Die Entfernung von Amyloid-Plaques (Amyloid-Negativität) ist definiert als < 24,1 Centiloide im Amyloid-PET-Scan [1].
Sims JR et al.: Donanemab in Early Symptomatic Alzheimer Disease. JAMA 2023; 330: 512–527.
Lilly data on file für die indizierte Population basierend auf der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie.
Wessels AM et al.: Meaningful Clinical Changes in Alzheimer Disease Measured With the iADRS and Illustrated Using the Donanemab TRAILBLAZER-ALZ Study Findings. Neurol Clin Pract 2023; 13(2): e200127.