Alzheimer-Krankheit: Welche Untersuchungen sind vor einer kausalen Therapie nötig?
Damit Patient:innen von neuen kausalen Therapien der frühen symptomatischen Alzheimer-Krankheit profitieren können, müssen sie an ein registriertes Fachzentrum überwiesen werden. Welche Voruntersuchungen braucht es – und welche davon sollten Hausärzt:innen übernehmen und welche fachärztliche Zuweiser:innen?

Die Alzheimer-Krankheit entwickelt sich bereits bis zu 20 Jahre bevor die ersten Symptome auftreten und schreitet kontinuierlich fort. Da eine kausale Therapie aktuell nur im frühen symptomatischen Stadium möglich ist, ist eine frühzeitige Diagnostik entscheidend [1]. Patient:innen mit MCI haben bei nachgewiesener Amyloid-Pathologie und pathologischen pTau-Werten im Liquor ein Demenz-Risiko > 90 % innerhalb von 5 Jahren [1]. Eine Demenz ist definiert als ein Verlust an Unabhängigkeit und Selbstständigkeit [2]. Neue Therapieoptionen bei der Alzheimer-Krankheit, wie Kisunla® (Donanemab) [b], setzen genau hier an: Kisunla® ist eine kausale [a] Anti-Amyloid-Therapie (ATT), die schnell und zielgerichtet Amyloid-Plaques entfernt [4, a, c]. Sie greift früh modifizierend in die Pathophysiologie ein und eröffnet geeigneten Patient:innen die Perspektive, länger selbstständiger bleiben zu können [3, 4].
Kisunla® darf nur von im kontrollierten Zugangsprogramm (CAP) registrierten Fachzentren angewendet werden. Welche Voruntersuchungen Hausärzt:innen und fachärztliche Zuweiser:innen vor einer Überweisung an ein CAP-Zentrum durchführen sollten, erfahren Sie im Folgenden.
Untersuchungen in der hausärztlichen Praxis
Wann kognitive Symptome abgeklärt werden sollten
Bei kognitiven Veränderungen sind Hausärzt:innen oft die erste Anlaufstelle für Patient:innen und ihre Angehörigen. Hausärzt:innen spielen daher eine entscheidende Rolle bei der Identifikation von Patient:innen mit Verdacht auf eine Alzheimer‑Krankheit, die für eine kausale Therapie infrage kommen könnten. Wann eine frühzeitige Alzheimer-Diagnostik durchgeführt werden sollte, hängt von den beobachteten Symptomen ab. Kognitive Veränderungen können, müssen aber nicht zwingend Anzeichen für eine Alzheimer-Krankheit sein.
Ärzt:innen sollten hellhörig werden, wenn die Symptome sich nicht mit dem „normalen Altern“ erklären lassen und auf die Alzheimer-Krankheit oder eine andere Demenzerkrankung hindeuten – beispielsweise, wenn sie das tägliche Leben beeinträchtigen, persistieren oder wiederkehren [5]. In diesen Verdachtsfällen ist es wichtig, die Ursachen sorgfältig und frühzeitig abzuklären [1, 5].
Bei Alzheimer-Verdacht: Diagnostisches Vorgehen Schritt für Schritt
Ergibt sich im Gespräch mit Patient:innen oder ihren Angehörigen ein Verdacht auf eine leichte kognitive Störung (MCI) oder leichte Demenz, können Hausärzt:innen im ersten Schritt kognitive Kurztests durchführen (Abbildung 1 [1]. Erhärtet sich der Verdacht, sollte eine Überweisung an Fachärzt:innen (i. d. R. Neurologie/Psychiatrie/Gedächtnisambulanz) für eine weiterführende Diagnostik erfolgen [1].

Untersuchungen bei fachärztlichen Zuweiser:innen
Notwendige Diagnostik vor Beginn der Kisunla®-Therapie
Eine Therapie mit Kisunla® ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Vor Beginn der Behandlung muss eine frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit mittels Biomarker bestätigt werden. Außerdem ist zur Risikominimierung von Amyloid-bedingten Bildgebungsanomalien (ARIAs) [d] eine Bestimmung des Apolipoprotein E (ApoE)-Status nötig, da Kisunla nur bei heterozygoten ApoE-ε4-Trägern und ApoE-ε4-Nichtträgern indiziert ist [4]. Zusätzlich müssen Gegenanzeigen gemäß Fachinformation ausgeschlossen werden [4].
Einen Überblick über die durchzuführenden Untersuchungen gibt Abbildung 2.

Wie läuft eine Therapie mit Kisunla® im Fachzentrum ab?
Kisunla® zeichnet sich durch ein patientenfreundliches Infusionsintervall mit definiertem Therapieende aus. Das bedeutet, dass Kisunla® als 4-wöchentliche Infusion über jeweils 30 Minuten angewendet wird und dass ein Therapieende nach erfolgreicher Plaques-Entfernung oder nach spätestens 18 Monaten empfohlen wird [e]. Um ARIAs frühzeitig zu erkennen und ggf. therapeutische Maßnahmen einleiten zu können, sind regelmäßige MRT-Kontrolltermine nötig [4].
Was bei der Durchführung und Auswertung dieser vorbereitenden Untersuchungen zu beachten ist, erfahren Sie im Video von Dr. med. Julia Czech, Klinik und Poliklinik für Psychotherapie, TUM Klinikum Rechts der Isar.
Externes Video von Kaltura. Um es anzuzeigen, müssen Sie Cookies zustimmen.
Wie können Patient:innen von einer Therapie mit Kisunla® profitieren?
Kisunla® ist in Deutschland seit November 2025 verfügbar und ist zugelassen bei Erwachsenen mit einer klinischen Diagnose einer leichten kognitiven Störung und leichter Demenz infolge der Alzheimer-Krankheit (frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit), die heterozygote ApoE-ε4-Träger oder ApoE-ε4-Nichtträger sind und bei denen eine Amyloid-Pathologie bestätigt wurde [4]. In dieser Patientengruppe konnte Kisunla® das Risiko, in eine mittelschwere Demenz fortzuschreiten, um fast 50 % reduzieren (vs. Placebo über 18 Monate im Clinical Dementia Rating – Global Score [CDR-GS]; n = 1.334; p = 0,006) [3, f, g, h].
Fazit:
Persistierende oder wiederkehrende kognitive Veränderungen sollten ernstgenommen und ärztlich abgeklärt werden – insbesondere, wenn sie das tägliche Leben der Patient:innen beeinträchtigen [1, 5]. Hausärzt:innen und fachärztliche Zuweiser:innen spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie können geeigneten Patient:innen durch eine frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Krankheit einen Zugang zu einer kausalen Therapie mit ATTs wie Kisunla® eröffnen. Kisunla® kann die Progression der Alzheimer-Krankheit verlangsamen und es geeigneten Patient:innen ermöglichen, länger selbstständig zu bleiben [3, 4, f, g].
CMAT-22460
[a] Die Ablagerung von ß-Amyloid in Form von Plaques wird als eine der wesentlichen Ursachen für die Entstehung der Alzheimer-Krankheit erachtet [6]. Donanemab bindet an N3pE-Aß und unterstützt die Amyloid-Plaques-Entfernung, definiert als Unterschreitung von 24,1 Centiloids im Amyloid-PET-Scan [4].
[b] Donanemab ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit einer klinischen Diagnose einer leichten kognitiven Störung und leichter Demenz infolge der Alzheimer-Krankheit (frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit), die heterozygote Apolipoprotein E-ε4 (ApoE-ε4)-Träger oder ApoE-ε4-Nichtträger sind und bei denen eine Amyloid-Pathologie bestätigt wurde [4].
[c] Amyloid-Plaques-Entfernung ist definiert als die Unterschreitung von 24,1 Centiloids im Amyloid-PET-Scan [5]. In der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie erzielten innerhalb der indizierten Population nach 6 Monaten 33 %, nach 12 Monaten 70 % und nach 18 Monaten 81 % der mit Kisunla® behandelten Patient:innen eine solche Amyloid-Plaques-Entfernung [4].
[d] Wenn Patient:innen zu irgendeinem Zeitpunkt Symptome zeigen, die auf ARIA hindeuten, ist eine klinische Beurteilung einschließlich eines MRT durchzuführen [4].
[e] Die Behandlung sollte so lange fortgesetzt werden, bis die Amyloid-Plaques entfernt sind (z. B. bis zu 6 oder 12 Monate). Die Entfernung der Amyloid-Plaques sollte durch einen validierten Test bestätigt werden. Die maximale Behandlungsdauer beträgt 18 Monate und sollte nicht überschritten werden, auch wenn die Entfernung der Amyloid-Plaques nicht bestätigt wird [4].
[f] Gemessen anhand einer Veränderung auf ≥ 2 im CDR-GS [3].
[g] Basierend auf der indizierten Gesamtpopulation (bestehend aus heterozygoten ApoE-ε4-Trägern und ApoE-ε4-Nichtträgern) der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie unabhängig von der Tau-Last [3].
[h] Hazard ratio 0,52 (95 % Konfidenzintervall: 0,326 - 0,829) [3].
Quellen
DGN e. V. & DGPPN e. V. (Hrsg.) S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.0, 24.02.2026, verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013, letzter Zugriff am 27.03.2026.
Porsteinsson AP et al.: J Prev Alzheimers Dis. 2021; 8(3): 371–386.
Lilly data on file: post-hoc-Analyse der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie für die indizierte Population bestehend aus heterozygoten ApoE-ε4-Trägern und ApoE-ε4-Nichtträgern.
Alzheimer’s Association. 10 Early Signs and Symptoms of Alzheimer's and Dementia, verfügbar unter: https://www.alz.org/alzheimers-dementia/10_signs, letzter Zugriff am 27.03.2026.
Jessen F et al.: J Prev Alz Dis. 2024; 11(5): 1212-1218.