Frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit: Welche Patientinnen und Patienten können von neuer Therapie profitieren?
Der Bedarf an wirksamen Therapien bei der Alzheimer-Krankheit ist hoch. Neue Antikörper können kausal ansetzen. Doch welche Patientinnen und Patienten kommen für die neue Therapie in Frage? Eine Zusammenfassung.

Mit dem Anti-Amyloid-Antikörper Kisunla® (Donanemab) [a] steht nun eine weitere, dringend benötigte, kausale [b] Therapie zur Verfügung, die bei geeigneten Patientinnen und Patienten [a] den Verlust kognitiver und alltagsrelevanter Funktionen klinisch relevant verlangsamen [c] und deren Selbstständigkeit somit länger erhalten kann [1, 2].
Alzheimer-Krankheit: Hohe und weiterwachsende Zahl Betroffener
In Deutschland leben Schätzungen zufolge 1,8 Mio. Menschen mit einer Demenz [3]. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und des demografischen Wandels mit immer mehr älteren Menschen ist in der Europäischen Union in den kommenden 25 Jahren mit fast einer Verdopplung der Zahl Demenz-Kranker zu rechnen [3, 4]. In rund zwei Drittel aller Demenzfälle liegt eine Alzheimer-Krankheit zugrunde [5].
Die europäische Arzneimittel Agentur (EMA) hat Ende September 2025 mit Kisunla® einen neuen monoklonalen Antikörper zugelassen, der bei einem Teil dieser Patientinnen und Patienten mit früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden und zu einer besseren therapeutischen Versorgung beitragen kann [6–9].
Kisunla®: Für wen kommt die neue Therapieoption in Frage?
Mit Kisunla® steht in Europa ein neuer Anti-Amyloid-Antikörper zur kausalen [b] Behandlung von Patientinnen und Patienten in einem frühen symptomatischen Stadium der Alzheimer-Krankheit (leichte kognitive Störung oder leichte Demenz) zur Verfügung, bei denen Amyloid-β (Aβ) mittels Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder im Liquor nachgewiesen wurde und die einen negativen oder heterozygoten ApoE-ε4-Status aufweisen (indizierte Population) [9].

In der indizierten Population kann Kisunla® nachweislich den kognitiven und funktionellen Abbau klinisch relevant verlangsamen und somit eine Option für diese Patientinnen und Patienten zum längeren Erhalt der Selbstständigkeit bieten (Abb. 1) [1, 2, 7–9]. Der Erhalt der Selbstständigkeit hat für Menschen mit Alzheimer-Krankheit eine besonders hohe Priorität und betrifft eine Vielzahl von Fertigkeiten, die für die Alltagsbewältigung unverzichtbar sind, wie z. B. selbstständiges Einkaufen und Zubereiten von Mahlzeiten, sowie die Kommunikation mit anderen Menschen [1, 6–8].
Diagnostik vor der Behandlung mit Kisunla®
Um die für eine Therapie mit Kisunla® in Frage kommenden Patientinnen und Patienten zu identifizieren, sind eine frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Krankheit und spezifische Untersuchungen notwendig [9]:
Kognitive Tests zum Nachweis eines frühen symptomatischen Stadiums der Alzheimer-Krankheit (leichte kognitive Störung oder leichte Demenz),
Ausschluss von Gegenanzeigen, inklusive MRT zur Überprüfung von Risikofaktoren für Amyloid-bedingte Bildgebungsanomalien (ARIA),
PET-Scan oder Liquordiagnostik zum Nachweis einer Amyloid-Positivität zur Bestätigung der Alzheimer-Pathologie,
ApoE-ε4-Genotypisierung zum Ausschluss einer ApoE4-Homozygotie
Kisunla® kann im Rahmen des kontrollierten Zugangsprogramms (CAP) an bestimmten eingeschriebenen Zentren angewendet werden. Das CAP zielt darauf ab, die sichere und wirksame Anwendung von Kisunla® zu fördern. Es sichert die korrekte Auswahl der Patientinnen und Patienten auf der Grundlage der relevanten Indikation oder Diagnose, des genetischen Profils und gewährleistet den Zugang zur MRT.
Digitaler Überleitungsbogen unterstützt bei Patientenselektion
Ein digitaler Überleitungsbogen hilft bei der Vorauswahl der Patienten und Patientinnen, für die möglicherweise eine Behandlung mit Kisunla® in Frage kommt, und ermöglicht eine reibungslose Überweisung in ein spezialisiertes Zentrum.
Der Überleitungsbogen bildet einfach und übersichtlich die empfohlenen Diagnoseschritte für Menschen mit Gedächtnisstörungen im nicht-spezialisierten Setting ab. Zuweisende können den Bogen entweder digital durch Ja/Nein-Angaben oder über Freifelder für weitere Informationen ausfüllen. So lassen sich die Ergebnisse möglicher Voruntersuchungen strukturiert dokumentieren und übermitteln.
Gegenanzeigen für die Anwendung von Kisunla®
Folgende Gegenanzeigen sind vor Beginn einer Behandlung mit Kisunla® auszuschließen [9]:
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil
MRT-Ausgangsbefunde früherer intrazerebraler Hämorrhagien, mehr als 4 Mikrohämorrhagien, superfizielle Siderosen oder vasogene Ödeme (ARIA-E) oder andere Befunde, die auf eine zerebrale Amyloid-Angiopathie (CAA) hindeuten
Blutungsstörungen, die nicht unter adäquater Kontrolle sind
Behandlungsbeginn bei Patientinnen und Patienten, die eine laufende Antikoagulanzien-Therapie erhalten
Schwere Erkrankung der weißen Substanz
Schlecht eingestellte Hypertonie
Gegebenheiten, die keine MRT-Beurteilung zulassen (inkl. Klaustrophobie oder metallische Implantate/Herzschrittmacher)
Prof. Dr. med. Timo Grimmer, Leiter des Zentrums für Kognitive Störungen und des Neurochemischen Labors, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie vom TUM-Universitätsklinikum rechts der Isar, erläutert im Video den Nutzen der neuen Behandlungsoption mit Kisunla®.
Externes Video von Kaltura. Um es anzuzeigen, müssen Sie Cookies zustimmen.
Fazit zur Anwendung von Kisunla®
Aus der großen Zahl von Menschen mit Alzheimer-Krankheit resultiert ein hoher und bislang nur unzureichend gedeckter Bedarf an wirksamen Therapien. Für eine definierte Gruppe von Patientinnen und Patienten mit früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit [a] steht mit Kisunla® nun eine neue, kausale [b] Therapie zur Verfügung.
Für Patientinnen und Patienten mit leichter kognitiver Störung oder leichter Demenz aufgrund einer Alzheimer-Krankheit mit Aβ-Nachweis, sowie negativem oder heterozygotem ApoE-ε4-Status, steht mit Kisunla® ab sofort eine neue, kausale [b] Therapie zur Verfügung, die den kognitiven und funktionellen Abbau klinisch relevant verlangsamen kann [2].
Um herauszufinden, ob eine Behandlung mit Kisunla® im Rahmen des CAP in Frage kommt, sind kognitive Tests, der Nachweis von Aß im PET-Scan oder im Liquor, eine ApoE-ε4-Genotypisierung und eine MRT erforderlich [9].
Die Anwendung von Kisunla® erfolgt im Rahmen des kontrollierten Zugangsprogramms (CAP).
[a] Donanemab ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit einer klinischen Diagnose einer leichten kognitiven Störung und leichter Demenz infolge der Alzheimer-Krankheit (frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit), die heterozygote Apolipoprotein E-ε4 (ApoE-ε4)-Träger oder ApoE-ε4-Nichtträger sind und bei denen eine Amyloid-Pathologie bestätigt wurde [9].
[b] Die Ablagerung von β-Amyloid in Form von Plaques wird als eine der wesentlichen Ursachen für die Entstehung der Alzheimer-Krankheit erachtet [8]. Donanemab bindet an N3pE-Aβ und unterstützt die Amyloid-Plaques-Entfernung, definiert als Unterschreitung von 24,1 Centiloide im Amyloid-PET-Scan [9]. Nach 6 Monaten erreichten in der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie 33 % der indizierten Studienpopulation eine Entfernung von Amyloid-Plaques, nach 12 Monaten 70 % und nach 18 Monaten 81 % [9].
[c] Für die indizierte Gesamtpopulation [a] zeigte sich auf der Integrated Alzheimer Disease Rating Scale (iADRS) eine Verlangsamung von 20 % unter Kisunla® vs. Placebo. In der indizierten Population mit niedriger bis mittlerer Tau-Last betrug die Verlangsamung im iADRS 34 % unter Kisunla® vs. Placebo [2].
Quellen
Sims JR et al.: Kisunla® in Early Symptomatic Alzheimer Disease. JAMA 2023; 330: 512–527.
Lilly data on file für die indizierte Population basierend auf der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie.
Informationsblatt 1 Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V..
Alzheimer Europe. Dementia in Europe yearbook. Estimating the prevalence of dementia in Europe. 2019; 108.
Weyerer S: Robert-Koch-Institut (Hrsg.) Altersdemenz. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 28, Berlin 2005. www.rki.de
Wehrmann H et al.: Priorities and Preferences of People Living with Dementia or Cognitive Impairment - A Systematic Review. Patient Prefer Adherence 2021; 14(15): 2793–2807.
Wessels AM et al.: Meaningful Clinical Changes in Alzheimer Disease Measured With the iADRS and Illustrated Using the Kisunla® TRAILBLAZER-ALZ Study Findings. Neurol Clin Pract 2023; 13(2): e200127.
Jessen F et al.: Progress in the Treatment of Alzheimer's Disease Is Needed - Position Statement of European Alzheimer's Disease Consortium (EADC) Investigators. J Prev Alzheimers Dis 2024; 11(5): 1212–1218.
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