Länger selbstständig bleiben: Wie lässt sich das mit der Alzheimer-Therapie erreichen?
Die Diagnose „Alzheimer-Krankheit“ ist oft ein Schock für Betroffene und mit vielen Ängsten und Sorgen verbunden. Gleichzeitig ist sie aber auch Türöffner für neue Therapieformen. Erfahren Sie, was sich Patient:innen und ihre Angehörigen von der Alzheimer-Therapie erhoffen und welche Perspektiven ihnen neue krankheitsmodifizierende Therapien bieten können.

Auch wenn die Diagnose „Alzheimer-Krankheit“ zunächst ein großer Schock ist – in vielen Fällen ist sie eine Erklärung für Symptome, die Betroffene selbst oder ihre Angehörigen beobachten. Gleichzeitig ist die Diagnose Voraussetzung für eine frühzeitige Therapie. Was sich Betroffene von einer Therapie erhoffen, wurde in verschiedenen Befragungen untersucht. Sie zeigen: Patient:innen und ihren Angehörigen ist es vor allem wichtig, dass
sich der Krankheitsverlauf verlangsamt,
Gedächtnis und Unabhängigkeit möglichst lange erhalten bleiben und
weiterhin selbstständig Aktivitäten des täglichen Lebens ausgeführt werden können [1, 2].
Gegen Amyloid gerichtete Therapien können helfen, diese Wünsche der Patient:innen zu adressieren und neue Perspektiven aufzuzeigen. So ermöglichen Anti-Amyloid-Therapien wie Kisunla® (Donanemab) [3, a, b] erstmals eine kausale Therapie der frühen symptomatischen Alzheimer-Krankheit, d. h. sie können den Krankheitsverlauf beeinflussen. Kisunla® steht seit November 2025 in Deutschland zur Verfügung und ist zugelassen für erwachsene Patient:innen mit einer klinischen Diagnose einer leichten kognitiven Störung (mild cognitive impairment, MCI) und leichter Demenz infolge der Alzheimer-Krankheit (frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit), die heterozygote Apolipoprotein E-ε4 (ApoE-ε4)-Träger oder ApoE-ε4-Nichtträger sind und bei denen eine Amyloid-Pathologie bestätigt wurde [3].
So beeinflusst Kisunla® den Krankheitsverlauf bei früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit
Die Zulassungsstudie TRAILBLAZER-ALZ 2 hat unter anderem den Effekt von Kisunla® auf den kognitiven und funktionellen Abbau bei Menschen mit früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit untersucht [5]. Dafür wurden die kognitiven und funktionellen Fähigkeiten anhand von zwei verschiedenen validierten Skalen beurteilt: iARDS [c] (Integrated Alzheimer’s Disease Rating Scale; primärer Endpunkt) und CDR-SB (Clinical Dementia Rating Scale Sum of Boxes; sekundärer Endpunkt) [4-6]. Der iADRS misst die Schwere der Alzheimer-Krankheit und die Auswirkungen des kognitiven Abbaus auf verschiedene Fähigkeiten des alltäglichen Lebens, z. B. im sozialen Kontext oder im Haushalt (Tabelle 1) [7]. Der CDR-SB berücksichtigt ebenfalls alltagsrelevante Aspekte (Tabelle 1) [4].
Tabelle 1: Kognitive und funktionelle Fähigkeiten, die in der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie mittels iADRS und CDR-SB gemessen wurden [4-6]. ADAS-Cog13: Alzheimer’s Disease Assessment Scale-13 – 13-Punkt-Subskala; ADCS-iADL: Alzheimer’s Disease Cooperative Study – instrumental Activities of Daily Living; CDR-SB: Clinical Dementia Rating Scale Sum of Boxes; sekundärer Endpunkt; iARDS: Integrated Alzheimer’s Disease Rating Scale; primärer Endpunkt.
[#] Die Beispiele beinhalten Domänen, die hinsichtlich der kognitiven Fähigkeiten bewertet werden, sowie individuelle Items, die hinsichtlich der funktionellen Fähigkeiten bewertet werden [7].

In der indizierten Population aus ApoE-ε4-Heterozygoten und -Nichtträgern konnte Kisunla® den kognitiven und funktionellen Abbau über 18 Monate klinisch relevant verlangsamen [3, 6]:
Primärer Endpunkt: Kisunla® verlangsamte den kognitiven und funktionellen Abbau, gemessen anhand des iADRS [d], signifikant um 20 % gegenüber Placebo [3, 6]. Je früher die Patient:innen Kisunla® erhielten, desto größer war der Behandlungseffekt: Bei Patient:innen mit geringer bis mittlerer Tau-Last zeigte sich eine signifikante Verlangsamung um 34 % (Abbildung 1) [3, 6, e]. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Behandlungseffekt bei Patient:innen, die Kisunla® früher in ihrem Krankheitsverlauf erhalten, größer sein kann.
Sekundärer Endpunkt: Kisunla® verlangsamte den kognitiven und funktionellen Abbau, gemessen anhand des CDR-SB [f], signifikant um 29 % gegenüber Placebo [6, g]. Bei Patient:innen mit geringer bis mittlerer Tau-Last war eine signifikante Verlangsamung um 35 % möglich [6, h].

Mit Kisunla® länger selbstständiger bleiben [6]
Schreitet eine frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit (MCI: CDR-GS = 0.5 [Clinical Dementia Rating-Global Score]) oder eine leichte Demenz (CDR-GS = 1) zu einer mittelschweren Demenz (CDR-GS = 2) fort, wirkt sich das auf viele Alltagsaktivitäten aus: Die Patient:innen sind beispielsweise beim Einkaufen auf Andere angewiesen und benötigen Unterstützung beim Baden, Anziehen und Essen [8]. Kisunla® kann geeigneten Patient:innen helfen, länger in einem frühen Krankheitsstadium zu bleiben und dadurch länger selbständiger zu sein: In der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie war mit Kisunla® in der indizierten Population aus ApoE-ε4-Heterozygoten und -Nichtträgern das Risiko für eine Krankheitsprogression zu mittelschwerer Demenz nach CDR-GS [k] innerhalb von 18 Monaten signifikant um 48 % gegenüber Placebo reduziert (Abbildung 2) [6]. Zudem blieben 39 % der indizierten Population mit Kisunla® über ein Jahr kognitiv und funktionell stabil gemessen anhand des CDR-SB [6].

Patientenfreundliches Dosierungsintervall mit definiertem Therapieende [3]
Für Ihre Patient:innen ist es wichtig, ihre Zeit nutzen zu können – z. B. für Aktivitäten mit Freund:innen und Familie. Kisunla® besitzt ein patientenfreundliches Dosierungsintervall und wird als vierwöchentliche Infusion intravenös verabreicht. Die Dauer der Infusion beträgt 30 Minuten, hinzu kommt außerdem eine Nachbeobachtungszeit von 30 Minuten [3].
Ein Therapieende ist nach Entfernung der Amyloid-Plaques oder spätestens nach 18 Monaten empfohlen [l]. Da Kisunla® schnell und zielgerichtet Amyloid-Plaques entfernen kann, waren in der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie bereits nach einem Jahr mehr als 2 von 3 Patient:innen aus der indizierten Population Amyloid-negativ [3, l]:
Nach 6 Monaten waren bereits 33 % der Patient:innen Amyloid-Plaques-negativ,
nach 12 Monaten 70 % und
nach 18 Monaten 81 %.
Fazit: Kisunla® kann Patient:innen mit früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit helfen, schöne Momente länger zu bewahren.
Patient:innen mit früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit möchten ihren Krankheitsverlauf verlangsamen und so lange wie möglich ihren Alltag unabhängig bewältigen [1, 2]. Das wird durch die kausale [b] Therapie mit Kisunla® möglich: Kisunla® kann bei geeigneten Patient:innen den kognitiven und funktionellen Abbau klinisch relevant verlangsamen und ihnen dabei helfen, länger in einem frühen Krankheitsstadium zu bleiben [3, 6]. Dadurch können die Patient:innen möglicherweise länger z. B. unabhängig bleiben, ihre Finanzen regeln, soziale Kontakte pflegen und ihr tägliches Leben bewältigen [9, 10]. Das kann ihnen nicht nur mehr Lebensqualität schenken, sondern auch dabei helfen, Angehörige und medizinisches oder pflegerisches Personal zu entlasten [10].
CMAT-08126
[a] Donanemab ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit einer klinischen Diagnose einer leichten kognitiven Störung und leichter Demenz infolge der Alzheimer-Krankheit (frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit), die heterozygote Apolipoprotein E-ε4(ApoE-ε4)-Träger oder ApoE-ε4-Nichtträger sind und bei denen eine Amyloid-Pathologie bestätigt wurde [3].
[b] Donanemab bindet an N3pE-Aβ und unterstützt die Amyloid-Plaques-Entfernung, definiert als Unterschreitung von 24,1 Centiloids im Amyloid-PET-Scan[3]. Die Ablagerung von β-Amyloid in Form von Plaques wird als eine der wesentlichen Ursachen für die Entstehung der Alzheimer-Krankheit erachtet [4].
[c] Der primäre Endpunkt war die iADRS-Veränderung vom Ausgangswert bis Woche 76 (18 Monate). Kognitive Fähigkeiten werden anhand des ADAS-Cog13 gemessen, während funktionelle Fähigkeiten mit dem ADCS-iADL gemessen werden. Der Gesamtscore des iADRS reicht von 0 bis 144, wobei niedrigere Scores einen höheren Schweregrad der Alzheimer-Krankheit widerspiegeln [5].
[d] Post-hoc ITT-(intent to treat) Analyse unter Verwendung konservativer Methoden beim Umgang mit fehlenden Daten (multiple imputation with jump to reference and copy increments in reference) [3].
[e] Geringe bis mittlere Tau-Last im PET-Scan deutet auf ein frühes neuropathologisches Stadium hin [5].
[f] Post-hoc ITT-(intent to treat) Analyse unter Verwendung konservativer Methoden beim Umgang mit fehlenden Daten (multiple imputation with jump to reference and copy increments in reference) [6].
[g] Kisunla®: n = 717; Placebo: n = 730 [6].
[h] Kisunla®: n = 498; Placebo: n = 494 [6].
[j] Beispielszenario.
[k] Gemessen anhand einer Veränderung auf ≥ 2 im CDR-GS [3].
[l] Die Entfernung von Amyloid-Plaques (Amyloid-Negativität) ist definiert als < 24,1 Centiloids im Amyloid-PET-Scan [3]. Die Behandlung sollte so lange fortgesetzt werden, bis die Amyloid-Plaques entfernt sind. Die Entfernung der Amyloid-Plaques ist durch einen validierten Test zu bestätigen. Die maximale Behandlungsdauer beträgt 18 Monate und sollte nicht überschritten werden, auch wenn die Plaques-Entfernung nicht bestätigt wird [3].
[m] Die Aussage bezieht sich auf die Gesamtpopulation inkl. homozygoter ApoE-ε4-Träger der TRAILBLAZER-ALZ 6 Studie in Woche 24, in der die von der EMA zugelassene Dosierung 350 mg für die erste Dosis, 700 mg für die zweite Dosis und 1.050 mg für die dritte Dosis, gefolgt von 1.400 mg alle 4 Wochen, untersucht wurde. Im Vergleich zu der in der TRAILBLAZER-ALZ 2 verwendeten Aufdosierung (700 mg für die ersten drei Dosen, 1.400 mg ab der vierten Dosis) konnte das relative Risiko für ARIA-E signifikant gesenkt werden [3, 11].
Quellen
DiBenedetti DB, et al.: Alzheimers Res Ther. 2020; 12(1): 90.
Tochel C, et al.: Alzheimers Dement (Amst). 2019; 11: 231–247.
Jessen F et al.: J Prev Alz Dis.2024; 11(5): 1212–1218.
Sims JR et al.: for TRAILBLAZER-ALZ 2 Investigators. JAMA. 2023; 330(60): 512-527.
Lilly data on file für die indizierte Population basierend auf der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie.
Wessels AM et al.: Neurol Clin Pract.2023; 13(2): e200127.
Alzheimer’s Association. https://www.alz.org/media/documents/alzheimers-facts-and-figures.pdf (Letzter Zugriff am 18. September 2025).
Tariot PN, et al.: Alzheimers Res Ther. 2024; 16(1): 36.
Alzheimer’s Association. Treatment and research. https://www.alz.org/help-support/i-have-alz/treatments-research (Letzter Zugriff am 18. September 2025).
Wang H et al.: J Prev Alzheimers Dis. 2025. https://doi.org/10.1016/j.tjpad.2025.100266