Montgomery fordert mehr Anstrengungen bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen
Berlin – Der G7-Gipfel, der an diesem Wochenende auf Schloss Elmau nahe Garmisch-Partenkirchen beginnt, gilt als ein Vorbereitungstreffen für die kommenden UN-Treffen zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) und zum Klima. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für den Gipfel unter deutscher Präsidentschaft unter anderem die Stärkung der Gesundheitssysteme weltweit und die Forschung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten und Antibiotikaresistenzen auf die Tagesordnung gesetzt.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, begrüßte die Initiative der führenden Wirtschaftsnationen gegen Antibiotikaresistenzen vorgehen zu wollen. „Keime kennen keine Grenzen, sagte Montomery heute in Berlin.
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erwartet von dem Treffen klare Entscheidungen im weltweiten Kampf gegen das Problem. „Der weltweite Anstieg von Antibiotika-Resistenzen hat ein ähnlich verheerendes Potenzial wie der Klimawandel“, sagte Gröhe der Rheinischen Post vom Mittwoch. Wenn nicht schnell und klug gegengesteuert werde, wäre dies eine Katastrophe weltweiten Ausmaßes. „Das wäre der Rückfall in das Vor-Penicillin-Zeitalter”, sagte Gröhe. Die Bundesregierung hatte Mitte Mai die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie beschlossen.
Für die Humanmedizin unverzichtbare Antibiotika in der Veterinärmedizin verbieten
Montgomery fordert dennoch weitere Maßnahmen, um eine weltweite Antibiotikakrise zu verhindern. Man müsse den Einsatz von Antibiotika, die in der humanmedizinischen Therapie unverzichtbar seien, in der Veterinärmedizin gänzlich verbieten, schlug Montgomery vor. Denn noch immer würden in der Tiermast doppelt so viele Antibiotika verwendet wie in der Humanmedizin, verwies der BÄK-Präsident.
Die US-Behörde für Lebensmittelüberwachung und Arzneizulassung (FDA) geht diesen Weg und veröffentlichte gestern für den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung neue Regeln: Antibiotika, die auch zur Behandlung von Menschen dienen, dürfen künftig nur noch auf tierärztliches Rezept in der Vieh- und Hühnerzucht verabreicht werden. Außerdem dürfen sie ausschließlich zur Behandlung bestimmter Krankheiten und nicht mehr zur Wachstumsförderung bei den Tieren eingesetzt werden.
Mehr qualifiziertes Personal im Krankenhaus
Beim Thema Krankenhausinfektionen forderte Montgomery weitere strukturelle Maßnahmen von Bund und Ländern, neben dem Zehn-Punkte-Plan gegen gefährliche Krankenhauskeime, den das Bundesgesundheitsministerium im März vorgelegt hatte. Denn gerade die die immer älter werdenden, multimorbiden Patienten und die größer werdende Zahl an immunsupprimierten Patienten seien sehr anfällig für Krankenhausinfektionen.
Es ständen noch immer zu wenige in Krankenhaushygiene qualifizierte Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin sowie für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zur Verfügung. Die curriculare Fortbildung „Krankenhaushygiene“ der Bundesärztekammer sei ein erster Schritt gewesen, jetzt müssten Bund und Länder Strukturen mit dem Ausbau von Lehrstühlen und Instituten schaffen, um qualifiziertes Personal auszubilden, forderte Montgomery.
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