Medizin

Riesenzell­arteriitis: Tocilizumab senkt Steroidbedarf

  • Mittwoch, 24. Mai 2017

Silver Spring/Maryland – Der monoklonale Antikörper Tocilizumab, der den Rezeptor von Interleukin 6 (IL-6) blockiert, einem bei rheumatischen Entzündungen vermehrt produzierten Zytokin, hat in einer Phase-3-Studie bei Patienten mit Riesenzellarteriitis den Steroidbedarf gesenkt. Das Mittel wurde jetzt von der US-Arzneibehörde FDA zur Behandlung der häufigsten systemischen Vaskulitis bei Patienten über dem 50. Lebens­jahr zugelassen.

Die Riesenzellarteriitis, die unbehandelt rasch zur Erblindung führen kann, wird in der Regel hochdosiert mit Prednison behandelt. Wegen der unvermeidlichen Kortison­nebenwirkungen wird seit Längerem nach einer steroidsparenden Begleitmedikation gesucht. Methotrexat ist bislang die einzige Option. Da IL-6 ein wichtiger Marker der Krankheitsaktivität ist, erscheint Tocilizumab als ein plausibler Therapieansatz. Er wurde in einer vom Hersteller gesponserten Phase-3-Studie untersucht, an der an 76 Zentren in 14 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 251 Patienten teilnahmen. 

Die Patienten erhielten in einer Gruppe wöchentlich, in einer zweiten Gruppe alle 14 Tage eine subkutane Injektion von Tocilizumab, während über einen Zeitraum von 26 Wochen langsam die Prednison-Dosis ausgeschlichen wurde. Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, die am Ende der Studie nach 52 Wochen in Remission waren. Dieses Ziel erreichten nach wöchentlicher Tocilizumab-Gabe 56 Prozent der Patienten und nach vierzehntägiger Wiederholung 53,1 Prozent der Patienten. In den beiden Placebo-Gruppen, in denen die Patienten die Prednison-Dosis langsam über 26 oder 52 Wochen ausschlichen, erreichten nur 14 beziehungsweise 17,6 Prozent der Patienten das Therapieziel. Die Unterschiede zwischen den Tocilizumab-Gruppen und den beiden Placebo-Gruppen waren signifikant. Der Vorteil der Behandlung zeigt sich auch darin, dass die Patienten in den Tocilizumab-Gruppen weniger als halb so viel Steroide benötigten. 

Die Ergebnisse der Studie, die im letzen Herbst auf der Jahrestagung des American College of Rheumatology vorgestellt wurden, haben jetzt zur US-Zulassung von Tocilizumab zur Behandlung von Erwachsenen mit Riesenzellarteriitis geführt (eine Zulassung in Europa dürfte bevorstehen, obwohl die Pressemitteilung keine Hinweise gibt). 

Das Sicherheitsprofil von Tocilizumab ist bekannt. In den US-Fachinformationen gibt es einen umrahmten Warnhinweis auf schwere Infektionen, die zu einem Abbruch der Behandlung zwingen. Tocilizumab sollte mit Vorsicht bei Patienten mit erhöhtem Risiko auf eine gastrointestinale Perforation verwendet werden. Überempfindlich­keits­reaktionen, einschließlich Anaphylaxie und Tod, sind aufgetreten. Die FDA rät zu regelmäßigen Kontrollen von Neutrophilen, Thrombozyten, Lipiden und Leberfunk­tionstests.

Der Hersteller lässt derzeit die Wirkung von Tocilizumab in einer weiteren Phase-3-Studie auch bei Patienten mit systemischer Sklerose prüfen. Die FDA hat Tocilizumab in dieser potenziellen Indikation im Juni 2015 als Breakthrough Therapy Designation eingestuft und ein beschleunigtes Zulassungsverfahren in Aussicht gestellt.

rme

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