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Adipositas im Team behandeln: Gut vernetzt mit Ernährungsprofis

  • Freitag, 19. Juni 2026
  • Quelle: Lilly Deutschland GmbH

Die multimodale Therapie bei Adipositas gelingt besonders gut im Team – auch mit qualifizierten externen Partnern. Fehlen beispielweise für eine professionelle Ernährungsberatung Ressourcen in der hausärztlichen Praxis, lässt sich unkompliziert ein externes Netzwerk aufbauen. Erfahren Sie, wie Sie in wenigen Schritten eine kompetente Ernährungsberatung in die hausärztliche Versorgung integrieren können.

©istockphoto.com/Lacheev

1. Qualifizierte Partner auswählen

Der Begriff „Ernährungsberater“ ist in Deutschland nicht geschützt. Ein genauer Blick auf Qualifikation und Arbeitsweise ist daher wichtig. Seriöse Fachkräfte verfügen in der Regel über eine der folgenden Qualifikationen:

  • staatlich geprüfte Diätassistentin bzw. Diätassistent

  • Studium der Oecotrophologie oder Ernährungswissenschaft

  • zertifizierte Zusatzqualifikationen renommierter Berufs- und Fachverbände (z. B. DGE-Zertifikat)

Achten Sie zudem auf die fachliche Haltung. Gute Adipositasberatung zeichnet sich aus durch:

  • evidenzbasierte Empfehlungen statt kurzfristiger Diätversprechen

  • Fokus auf langfristige, alltagstaugliche Veränderungen

  • wertschätzende, stigmafreie Kommunikation

  • Erfahrung im Umgang mit Adipositas und Begleiterkrankungen

Ein kurzes telefonisches oder persönliches Kennenlernen hilft, Erwartungen, Arbeitsweise und Kommunikationswege abzustimmen.

2. Ärztliche Empfehlung ausstellen

Mit einer ärztlichen Notwendigkeitsbescheinigung bestätigen Sie die medizinische Indikation einer Ernährungsberatung. Formulieren Sie das Ziel möglichst konkret, etwa: „Unterstützung bei einer langfristig alltagstauglichen Ernährungsumstellung ohne restriktive Diäten“ oder „Begleitung von Verhaltensumstellung unter inkretinbasierter medikamentöser Therapie”. Das Ausstellen der Bescheinigung belastet nicht das Heilmittelbudget.

Für die Beratungsqualität hilfreich sind kurze Zusatzinformationen, beispielsweise zu:

  • relevanten Laborwerten

  • Medikation

  • bestehenden Komorbiditäten

  • individuellen Therapiezielen

Wichtig: Vor der Weitergabe medizinischer Informationen sollte stets die Einwilligung der Patientin oder des Patienten eingeholt werden.

Mit der Notwendigkeitsbescheinigung können Patientinnen und Patienten außerdem bei ihrer Krankenkasse eine Kostenbeteiligung beantragen. Viele gesetzliche und private Versicherungen bezuschussen mehrere Beratungstermine, manche übernehmen die Kosten vollständig.

3. Kommunikationswege festlegen

Eine Ernährungsberatung umfasst meist fünf bis sechs Termine. Vereinbaren Sie vorab, wie die Rückmeldung an die Praxis erfolgt.

Bewährt hat sich ein kurzer Abschlussbericht der Ernährungsberatung mit:

  • Ausgangssituation

  • vereinbarten Zielen

  • wichtigsten Empfehlungen

  • kompakter Ergebnisübersicht des Beratungsverlaufs

Der Zeitaufwand für die Praxis ist gering, der Nutzen jedoch groß: Sie behalten den Überblick über Fortschritte, Schwierigkeiten und weitere Unterstützungsbedarfe.

4. Verlauf medizinisch begleiten

Die medizinische Steuerung der Adipositastherapie bleibt in der Hausarztpraxis. Regelmäßige Kontrolltermine helfen, den Therapieerfolg sichtbar zu machen und die Motivation der Patientin bzw. des Patienten zu stabilisieren.

Gerade bei Menschen mit Adipositas kann die enge Rückkopplung zwischen Ernährungsberatung und ärztlicher Kontrolle entscheidend sein.

5. Netzwerk aktiv pflegen

Ein überschaubares Netzwerk hat Vorteile. Arbeiten Sie beispielsweise dauerhaft mit zwei bis drei qualifizierten Ernährungsfachkräften zusammen. Das schafft Vertrauen, klare Abläufe und kurze Kommunikationswege.

Gelegentliche Rückfragen per Telefon oder E-Mail stärken die Zusammenarbeit – und verhindern, dass Patientinnen und Patienten zwischen verschiedenen Versorgungsstellen „verloren gehen“.

6. Digitale Angebote sinnvoll ergänzen

Digitale Programme können die klassische Ernährungsberatung unterstützen. Sie begleiten Patientinnen und Patienten im Alltag, fördern Selbstbeobachtung und helfen, neue Gewohnheiten zwischen Arzt- und Beratungsterminen zu festigen.

Bei Adipositas stehen beispielsweise verordnungsfähige digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zur Verfügung, etwa zanadio oder Oviva Direkt. Einige Programme kombinieren eine App mit persönlicher Betreuung durch Ernährungsfachkräfte – z. B. per Video- oder Chatberatung. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder langen Anfahrtswegen kann das eine hilfreiche Ergänzung sein.

Fazit

Hausärztinnen und Hausärzte müssen keine Ernährungsspezialisten sein, um eine hochwertige Adipositasversorgung zu ermöglichen. Entscheidend ist die koordinierende Rolle. Wer qualifizierte Ernährungsfachkräfte einbindet, klare Abläufe definiert und den Verlauf medizinisch begleitet, schafft ein funktionierendes Behandlungsteam. Oder anders gesagt: Sie müssen nicht jedes Instrument spielen – aber das Orchester dirigieren.



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