WHO empfiehlt Lenacapavir als weitere Option zur HIV-Präexpositionsprophylaxe

Kigali – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die zweimal jährliche Anwendung von injizierbarem Lenacapavir als zusätzliche Option zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) von HIV. Die entsprechenden Präventionsrichtlinien werden auf der 13. Internationalen Aids-Gesellschaftskonferenz (IAS 2025) zur HIV-Forschung in Kigali, Ruanda, veröffentlicht.
„Da ein HIV-Impfstoff nach wie vor nicht verfügbar ist, ist Lenacapavir die nächstbeste Lösung: ein langwirksames antiretrovirales Medikament, das in Studien gezeigt hat, dass es fast alle HIV-Infektionen bei Risikopersonen verhindert“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, auf der Konferenz.
Er betonte, „die WHO ist entschlossen, mit Ländern und Partnern zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass diese Innovation so schnell und sicher wie möglich die Gemeinden erreicht.“
Das Hilfswerk Ärzte ohne Grenzen begrüßt die Empfehlung. „Die Veröffentlichung der WHO-Leitlinien ‚Lenacapavir zur HIV-Prävention und Teststrategien für langwirksame injizierbare Präexpositionsprophylaxe‘ bietet in dieser für die globale Gesundheit kritischen Zeit einen Weg zu einer HIV-freien Welt“, hieß es aus dem Hilfswerk.
Lenacapavir, das nur zweimal jährlich injiziert werden müsse, habe sich bei cisgeschlechtlichen Frauen und Mädchen als 100 Prozent wirksam bei der Prävention von HIV-Infektionen erwiesen und das HIV-Risiko in einer geschlechtsdiversen Gruppe, darunter cis- und transgender Männer sowie nicht-binäre Personen, um 96 Prozent reduziert, wodurch es mindestens 89 Prozent wirksamer sei als täglich einzunehmende orale Medikamente, erklärte Ärzte ohne Grenzen.
„Lenacapavir ist die Art von Innovation, die einen Wandel herbeiführen kann, aber nur, wenn sie letztlich auch für Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zugänglich ist“, sagte Jasmin Behrends, Expertin für den Zugang zu Medikamenten von Ärzte ohne Grenzen.
Sie kritisierte, Patentvereinbarungen begrenzten den breiteren Zugang zu erschwinglicheren generischen Optionen des Medikamentes.
Bis Ende 2024 lebten laut WHO weltweit schätzungsweise 40,8 Millionen Menschen mit HIV, davon etwa 65 Prozent in der WHO-Region Afrika. Weltweit starben etwa 630.000 Menschen an HIV-bedingten Ursachen, und schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen infizierten sich mit HIV, darunter 120.000 Kinder.
Im Jahr 2024 erhielten 31,6 Millionen Menschen eine antiretrovirale Behandlung, gegenüber 30,3 Millionen im Jahr 2023.
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