NSAID: Erhöhtes Fehlgeburtrisiko in der Frühschwangerschaft?
Montreal – Frauen, die in der Frühschwangerschaft nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) einnehmen, erleiden einer Studie im Canadian Medical Association Journal (2011; doi: 10.1503 /cmaj.110454) zufolge deutlich häufiger eine Fehlgeburt. Ob der Assoziation eine Kausalität zugrunde liegt, ist jedoch unklar.
Die Verknüpfung von Personenregistern ermöglicht es Epidemiologen heute, eine Vielzahl von Assoziationen herzustellen, die aufgrund der hohen Teilnehmerzahl eine statistische Signifikanz erreichen.
So kann Anick Bérard zeigen, dass Frauen im Quebec Pregnancy Registry (es erfasst seit 1997 alle Schwangerschaften in dem kanadischen Teilstaat), die eine Fehlgeburt erlitten haben, in der Frühschwangerschaft häufiger NSAID verordnet bekamen.
Für Naproxen, das in Kanada am häufigsten rezeptierte NSAID, ermitteltete Bérard eine Odds Ratio von 3,22. Danach würde die Einnahme dieses Medikaments das Frühgeburtsrisiko mehr als verdreifachen. Auch Ibuprofen könnte das Risiko mit einer Odds Ratio von 2,49 mehr als verdoppeln. Auch für die anderen NSAID wie Rofecoxib, Diclofenac und Celecoxib wurde eine signifikante Assoziation gefunden. Selbst nach der Berücksichtigung einiger Confounder (Störfaktoren, die für sich genommen das höhere Risiko erklären könnten) war der Zusammenhang noch signifikant.
Der wichtigste Confounder wurde allerdings nicht berücksichtigt: Es ist vorstellbar, dass die Frauen die NSAID zur Behandlung abdomineller Beschwerden einnahmen, die typischerweise mit einer beginnenden Fehlgeburt assoziiert sind. Dieser naheliegende Einwand kann von Bérard nicht entkräftet werden.
Gegen eine Kausalität spricht auch, dass es keine Dosis-Wirkungsbeziehung gab. Ein wichtiges Argument für eine Kausalität ist dagegen die Tatsache, dass einzelne NSAID in der Vergangenheit mit einem erhöhten Risiko von Fehlbildungen in Verbindung gebracht wurden. Bérard rät deshalb zur Zurückhaltung bei der Verordnung von NSAID in der Frühschwangerschaft.
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