Ärzte fordern Abbau von Bürokratie im Gesundheitswesen

München/Münster/Berlin – Als ein „überreguliertes System, das in dieser Komplexität kaum mehr zu reformieren ist“ hat der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns das Gesundheitswesen in Deutschland bezeichnet. Er bezog sich damit auf eine Studie der Unternehmensberatung A. T. Kearney, nach der fast ein Viertel der 176 Milliarden Euro Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung auf bürokratische Abläufe zurückzuführen sind.
Allein durch Bürokratieabbau könnten rund 13 Milliarden Euro eingespart werden, so die Unternehmensberatung. „Die Studie zeigt: Nicht die Patientenversorgung ist der Kostentreiber, sondern Dokumentation und Verwaltung der Versorgung sind es“, sagte der Vorstandsvorsitzender der KV, Wolfgang Krombholz.
Wenn die Krankenkassen dennoch den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten den schwarzen Peter zuschöben und sie für die hohen Ausgaben im Gesundheitswesen verantwortlich machten, schätzten sie die von ihnen selbst und der Politik geschaffenen Rahmenbedingungen falsch ein, die die tägliche Arbeit in den Praxen bestimmten.
Kritik kam auch von der Ärztekammer Westfalen-Lippe: „Der bürokratische Wahnsinn hat in unser Gesundheitswesen schon längst Einzug gehalten und blockiert an vielen Stellen die medizinische Versorgung der Patienten“, sagte deren Präsident Theodor Windhorst.
Es sei dringend notwendig, die überbordende Bürokratie in den Krankenhäusern und Praxen abzubauen und diesen „Bürokratie-Wahnsinn zu stoppen“, so Windhorst. Es könne nicht sein, dass Klinikärzte ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben zubringen müssten. Auch die niedergelassenen Ärzte müssten von „dauernden Dokumentationen und unnötigem Papierkram“ entlastet werden.
Das sei auch im Hinblick auf den Nachwuchs wichtig. „Junge Mediziner wollen keine Formulare ausfüllen, sie wollen den Patienten helfen und sie heilen. Ihr Arbeitsplatz ist nicht der Schreibtisch, sondern am Krankenbett“, sagte der westfälische Ärztepräsident.
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