Ärzteorganisationen: Mehr Flüchtlinge erfordern mehr Impfstoff für alle

Berlin – „Wenn wir keinen Super-GAU in Massenunterkünften von Flüchtlingen erleben wollen, muss jetzt schon Impfstoff nachproduziert werden.“ Diese Forderung hat gestern der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (bvkj), Wolfram Hartmann, erhoben. Versorgungsprobleme bei Impfstoffen müssten rasch angegangen werden, um spätere Epidemien zu verhindern. „Der Influenzaschutz wird eine große Rolle spielen“, sagte Hartmann. „In Massenunterkünften müssten eigentlich alle geimpft werden.“ Dies sei auch wichtig, um Ressentiments in der Bevölkerung aufgrund von Krankheitsausbrüchen in großem Stil zu vermeiden.
Die Forderung, die Impfstoffproduktion zu erhöhen, wurde heute auch vom Deutschen Hausärzteverband (HÄV) erhoben. „Entscheidend ist, dass wir jetzt die Produktion fördern“, sagte der HÄV-Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt. Die Politik müsse Lösungen finden, dies zu regeln. „In der Tat bekommen wir ein Problem mit der Verteilung“, ergänzte er auf Nachfrage. Es sei jetzt aber nicht der Zeitpunkt, um über Priorisierung zu reden, sondern man müsse darauf setzen, die Produktion notwendiger Impfstoffe auszuweiten. HÄV-Hauptgeschäftsführer Eberhard Mehl sprach in diesem Zusammenhang auch die Problematik von Rabattverträgen für Impfstoffe an. Es sei fraglich, ob die dadurch erzeugte künstliche Verknappung klug gewesen sei.
Angesichts der stark steigenden Flüchtlingszahlen hat auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein vor Versorgungslücken beim Impfschutz gewarnt. Mit einer Resolution forderte deren Abgeordnetenversammlung die Bundesregierung auf, ausreichend Impfstoffe zur Verfügung zu stellen. Nur so könnten drohende Engpässe verhindert und Asylbewerber sowie Bevölkerung umfassend vor Infektionskrankheiten geschützt werden.
Viele Flüchtlinge kämen in den Erstaufnahmelagern geschwächt an. Wegen der inzwischen kühleren Witterung drohten ihnen schwere Erkältungen oder die Grippe. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sich auch andere Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln oder Tetanus unter den Flüchtlingen ausbreiteten. Vor allem Kinder und Jugendliche müssten geschützt werden. Für eine Dokumentation des Impfschutzes schlägt die KV Schleswig-Holstein zudem vor, an alle Flüchtlinge Impfpässe auszugeben. So lasse sich deren Impfstatus besser nachvollziehen.
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