Politik

AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt wendet sich wegen Wahlmanipulation an Pflegekräfte

  • Dienstag, 18. August 2026
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt /picture alliance, Heiko Rebsch
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt /picture alliance, Heiko Rebsch
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Magdeburg – Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hat sich an Pflegekräfte in Heimen gerichtet, bei den Briefwahlen darauf zu achten, dass dort nicht manipuliert wird. Der Intensivpflegeverband Deutschland (IPV) ist über die Vorwürfe des AfD-Spitzenkandidaten entrüstet.

„Du bist eine Pflegekraft in Sachsen-Anhalt? Dann brauchen wir jetzt Deine Hilfe, um dieses Land vom Kopf auf die Füße zu stellen. Es geht um die Briefwahl“, erklärte Siegmund in einem Tweet auf X. Alle wüssten, dass „in vielen Einrichtungen – je nach Trägerschaft“ – „ab und zu nicht alles dem Zufall“ überlassen worden sei. Das könne man zwar nicht belegen, aber alle wüssten, wie das oftmals laufe.

Die Pflegekräfte könnten einen Beitrag dazu leisten, dass Bewohnern nicht die Hand gelenkt werde und sie ihr Kreuz da machen könnten, wo sie es wollten. „Bitte leiste einen Beitrag dazu, dass die Bewohner selbstständig entscheiden können. Dass hier nicht etwas vielleicht aus einer gewissen linken oder grünen Ecke irgendwie vorgegeben wird“, so Siegmund.

„Bitte leiste einen kleinen Beitrag im Rahmen deiner Möglichkeiten, dass diese Wahl demokratisch und fair abläuft“, erklärte der AfD-Spitzenkandidat. Er richtete seinen Dank an die Pflegekräfte für ihren „wichtigen Beruf für unser wunderschönes Land“.

Der Intensivpflegeverband Deutschland wies die Anschuldigungen des AfD-Kandidaten Siegmund zurück. „Mit der Aussage, dass bei Wahlen in Pflegeeinrichtungen vielfach Rechtsbruch begangen würde, unterstellt Herr Siegmund den Pflegeanbietern und den dort angestellten Pflegekräften kriminelles Verhalten“, schreibt der Verband.

Die Aussage „Wir alle wissen es, in vielen Einrichtungen wurde – je nach Trägerschaft – bei der Briefwahl nicht immer alles dem Zufall überlassen“ sei „verleumderisch und eines Kandidaten für das Amt eines Ministerpräsidenten unwürdig und in höchstem Maße unanständig“.

„Wir fordern Herrn Siegmund auf, seine Aussagen zurückzunehmen und sich bei den Anbietern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pflege für seine unsägliche Aussage zu entschuldigen“, sagte IPV-Geschäftsführer Oliver Bruzek.

Die Reaktionen auf den Post Siegmunds vielen unterschiedlich aus. Der Aufruf wurde weiterverbreitet etwa mit dem Hinweis „Helft mit, den #Wahlbetrug in den Alten- und Pflegeheimen zu bekämpfen“ – oder dass die Briefwahl ein „Einfallstor für Wahlmanipulationen“ sei. Andere fragten sich, ob es sich um eine subtile Aufforderung handele, die Hand der Bewohner zum AfD-Kreuz zu führen oder ob es sich um das „abscheuliche Geraune von Wahlfälschungen“ handele.

Die Briefwahl abzuschaffen, ist seit Jahren immer wieder ein Anliegen der AfD. Ein Grund ist ihr oftmals etwas schwächeres Abschneiden bei den Briefwählern. Die Studienlage zeige, „dass häufig bestimmte Parteien besser abschneiden als andere“, sagte der Politikwissenschaftler Fabian Schuppert von der Universität Potsdam im Februar dem RBB. Allerdings seien die Ergebnisse auch nicht dramatisch anders als diejenigen aus der Wahlkabine.

Die letzten Umfragen sehen die AfD in Sachsen-Anhalt derzeit deutlich vor den anderen Parteien im Land – INSA zufolge würde die AfD auf 42 Prozent der Stimmen kommen. Eine Allreinregierung der Partei, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft ist, könnte damit nach der Landtagswahl am 6. September möglich werden.

Die CDU käme derzeit auf 22 Prozent, die Linken auf 13 Prozent. Die SPD liegt bei sechs Prozent, das BSW bei fünf Prozent. Stand 10. August kämen Grüne, FDP und Sonstige auf jeweils vier Prozent. Befragt wurden für die Bild 1.000 Menschen zwischen dem 31. Juli und 6. August 2026. Sie statistische Fehlertoleranz liegt bei ± 3,1 Prozentpunkten.

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