Ausland

Afghanistan: Angespannte medizinische Lage, Gesundheitssystem braucht Hilfe

  • Donnerstag, 19. August 2021
/picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Mariam Zuhaib
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Genf/Kairo – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Fortsetzung der Hilfe für Afghanistan gefordert. Nachhaltige humanitäre Hilfe einschließlich medizinischer Hilfslieferungen sei für Millionen Afghanen eine „Lebensader“ und dürfe nicht unterbrochen werden, erklärte die WHO.

Das Gesundheitssystem in Afghanistan sei durch Monate der Gewalt und einen Mangel an Mitteln zum Kampf gegen die Coronaepidemie angeschlagen. Laut WHO wurden in den Monaten Januar bis Juli 26 medizinische Einrichtungen in Afghanistan angegriffen und zwölf Mitarbeiter des Gesundheitssystems getötet. Deutschland, Finnland und Schweden wollen vorerst keine Entwicklungshilfe mehr leisten.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) teilte gestern mit, dass sie ihre medizinischen Projekte in fünf afghani­schen Provinzen fortsetzt. Zu den Standorten zählen Herat, Helmand, Kandahar, Chost und Kundus, in de­nen rund 2.400 Mitarbeiter der Organisation arbeiten.

Nach dem Ende der Kämpfe sei die Zahl der Patienten deutlich angestiegen, erklärte Ärzte ohne Grenzen. Insbesondere in regionalen Krankenhäusern in Kundus, Kandahar und Laschkar Gah werde eine hohe Zahl von Kriegsverletzten behandelt.

Vor den Taliban in Afghanistan flüchtende Menschen geraten unterdessen in wachsende medizinischer Not. In Kliniken in Kabul und anderen afghanischen Städten gibt es der WHO zufolge immer mehr Fälle von Durchfallerkrankungen, Mangelernährung, Bluthochdruck und Menschen mit Coronasymptomen.

Dazu kämen vermehrt Schwangerschaftskomplikationen. Die WHO hat nach eigenen Angaben zwei mobile Gesundheitsteams bereitgestellt, aber der Einsatz müsse wegen der Sicherheitslage immer wieder unterbrochen werden.

Durch die vermehrten Kämpfe in den vergangenen Monaten sei die Zahl der konfliktbedingten Verlet­zungen gestiegen. 70 von der WHO unterstützte Kliniken behandelten im Juli fast 14.000 Betroffene, verglichen mit gut 4.000 im Juli vergangenen Jahres. Es sei aber gelungen, unter anderem die nötigsten Präparate für die medizinische Grundversorgung für mehrere Tausend Menschen nach Kabul und Hel­mand zu liefern.

afp/dpa

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