Ärzteschaft

Akupunktur für Migräneprophylaxe: Nutzen allenfalls für kleinen Anwendungsbereich belegt

  • Mittwoch, 29. April 2026
Akupunktur Kopfschmerzen
/New Africa, stock.adobe.com

Köln – Für einen Großteil der Anwendungsbereiche der klassischen Nadelakupunktur zur Migräneprophylaxe gibt es keine relevanten Studien. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinem Abschlussbericht zum Thema.

Dies gilt nach Aussagen des IQWiG für die Anwendung bei Patienten, für die eine medikamentöse Therapie nicht infrage kommt, und für solche, bei denen die medikamentöse Therapie mit klassischen Wirkstoffen keine ausreichende Symptomkontrolle ermöglicht und eine Eskalationstherapie mit Antikörpern gegen das Calcitonin-Gene-Related-Peptid (CGRP) oder seinen Rezeptor erwogen wird.

Aussagekräftige Studien gibt es danach lediglich zum Vergleich der Akupunktur mit den älteren Präparaten Flunarizin und Topiramat. Aus ihnen lässt sich dem IQWiG zufolge für die episodische und für die chronische Migräne ein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Akupunktur gegenüber Flunarizin und Topiramat ableiten.

„Da der Einsatz von Topiramat und Flunarizin aus verschiedenen Gründen in der Praxis eingeschränkt ist, lässt sich auch aus diesen Studien nur für einen kleinen Anwendungsbereich der manuellen Akupunktur ein Vorteil ableiten“, schreibt die IQWiG-Arbeitsgruppe.

Topiramat sollte grundsätzlich erst nach sorgfältiger Abwägung möglicher Behandlungsalternativen angewendet werden und der Einsatz von Flunarizin sei an Kontraindikationen für Betablocker beziehungsweise an einen erfolglosen Therapieversuch damit geknüpft.

„Es lagen keine geeigneten Studien zur Migräneprophylaxe mit dem Vergleich der Akupunktur und der Behandlung mit weiteren klassischen zugelassenen Medikamenten wie Betablockern, Amitriptylin, Onabotulinumtoxin A vor“, heißt es in dem IQWiG-Abschlussbericht.

Derzeit erhalten Personen, die unter häufigen Migräneattacken leiden, verschiedene Medikamente zur Prophylaxe, zum Beispiel Betablocker wie Propranolol und Metoprolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin oder ein Botulinumtoxin.

Wenn diese Prophylaxe nicht ausreichend hilft, stehen seit 2019 als Zweitlinientherapie Antikörper zur Verfügung, die am CGRP ansetzen. Unterstützt werden kann die Prophylaxe durch nicht medikamentöse Methoden, unter anderem psychologische Maßnahmen, Sport und Ernährung.

„Die Akupunktur-Forschung wurde ein Stück weit abgehängt“, sagte Stefan Sauerland, Leiter des IQWiG-Ressorts Nichtmedikamentöse Verfahren. „Man hat es versäumt, in Studien zu untersuchen, ob die Akupunktur auch mit anderen und moderneren Varianten der medikamentösen Migräneprophylaxe Schritt halten kann“, so der IQWiG-Experte.

hil

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