Medizin

Akupunktur kann Heuschnupfen (ein wenig) lindern

  • Dienstag, 19. Februar 2013
Uploaded: 19.02.2013 13:53:25 by mis
dpa

Berlin – Zwölf Akupunktursitzungen haben in einer randomisierten Studie der Berliner Charité die Beschwerden einer saisonalen allergischen Rhinitis zwar signifikant gelindert und den Medikamentenbedarf gesenkt. Die Wirkstärke war jedoch gering, so dass die Autoren den klinischen Nutzen in den Annals of Internal Medicine (2013; 158: 225-234) als unklar einstufen.

An der Studie beteiligten sich 422 Patienten mit saisonaler Rhinitis, bei denen Allergologen eine Sensibilisierung auf Gräser oder Birkenpollen (spezifische IgE oder Pricktest) diagnostiziert hatten. Die Hälfte der Patienten erhielt während der Pollensaison März bis Juli 2008 oder 2009 über 8 Wochen 12 Akupunkturen, die von Ärzten mit Zusatzausbildung in der Akupunktur durchgeführt wurden. Die andere Hälfte erhielt entweder eine Scheinakupunktur oder keine Akupunktur (genauer: die Akupunktur wurde erst verzögert nach dem Ende der Pollensaison durchgeführt).

Primärer Endpunkt der Studie war einmal der Rhinitis Quality of Life Questionnaire, in dem die Patienten ihre Beschwerden in 7 Bereichen von 0 bis 6 Punkte bewerten (Höhere Punktzahl zeigt stärkere Symptome an). Hier kam es nach unmittelbar nach dem Ende der Therapie zu einer signifikanten Verbesserung. Der Unterschied zur Scheinakupunktur betrug allerdings nur 0,5 Punkte und zur Kontrollgruppe nur 0,7 Punkte. Studienleiter Benno Brinkhaus von Hochschulambulanz für Naturheilkunde an der Berliner Charité und Mitarbeiter bezeichneten die klinische Bedeutung deshalb als „unklar“.

Bei einer weiteren Untersuchung nach 16 Wochen waren keine Unterschiede mehr feststellbar. Zu diesem Zeitpunkt war die Pollensaison jedoch weitgehend vorüber und auch in der Kontrollgruppe ging es den Patienten jetzt wieder besser. Bei einer weiteren Nachuntersuchung nach einem Jahr hatten die akupunktierten Patienten einen Vorteil von 0,3 Punkten. Auch hier war der Unterschied signifikant, aber klinisch eher unbedeutend.

Der zweite primäre Endpunkt war ein Score, der den Einsatz von Medikamenten zur Symptomkontrolle („rescue medication“) bewertete. Jeder Einsatz des Antihistaminikums Cetirizin zählte 1 Punkt (10 mg/die) oder 2 Punkte (20 mg/die). Bei einer Therapie mit systemischen Steroiden wurden 3 Punkte vergeben. Es wurden jeweils die Punkte für eine Woche summiert. Auch hier waren die Unterschiede gering. Der Vorteil der Akupunktur gegenüber der Scheinakupunktur betrug 1,1 Punkte und gegenüber der Kontrollgruppe 1,5 Punkte. Bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr benötigten die akupunktierten Patienten weiterhin weniger Medikamente (1,0 Punkte Unterscheid zur Scheinakupunktur).

Auch die Editorialisten Remy Coeytaux vom Duke Clinical Research Institute und Jongbae Park von der University of North Carolina in Chapel Hill stufen die Wirksamkeit als schwach ein. Selbst ein prinzipieller Wirkungsbeweis lässt sich aus der Studie nicht zweifelsfrei ableiten, da die Patienten im Akupunktur-Arm bei Studienbeginn zuversicht­licher als in den anderen Studien-Armen waren, dass ihnen die traditionelle chinesischen Behandlungsmethode nutzen könnte. Der daraus resultierende Placebo-Effekt könnte die Wirkung der Akupunktur durchaus erklären.

rme

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