Akutes Koronarsyndrom: Wann ist eine vollständige Revaskularisierung sinnvoll?
München – Sollte bei allen Menschen mit akutem Koronarsyndrom routinemäßig eine vollständige angiografische Revaskularisierung durchgeführt werden? Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, ob es sich um einen ST-Strecken-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) oder einen Nicht-ST-Strecken-Hebungs-Myokardinfarkt (NSTEMI) handelt. Während die Empfehlungen für STEMI gut belegt sind, etwa durch die COMPLETE-Studie, fehlen beim NSTEMI noch belastbare Daten. Die Leitlinienempfehlungen beruhen daher nur auf Expertenmeinungen.
Beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München wurden die Pro- und Contra-Argumente zur vollständigen Revaskularisierung diskutiert. Forschende haben einige neue Studien dazu beim Kongress vorgestellt, etwa die AIR-STEMI-Studie, die EAST-STEMI-Studie oder die iMODERN-Studie. Welche Patientengruppen laut aktueller Studienlage keinen Vorteil von der akuten kompletten Revaskularisation haben und welchen Einfluss eine Herzinsuffizienz, Ischämien oder ein kardiogener Schock haben, erläutert Holger Thiele, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig im Interview. Auch für die Umsetzung aktueller Leitlinien in der klinischen Praxis findet er deutliche Worte.
Holger Thiele zur Revaskularisierung bei Menschen mit akutem Koronarsyndrom
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